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01/06/2017 16:08 CEST

Amt will Arbeitslose zu Job in Sexshop zwingen - wenn sie sich weigert, werden die Mittel gekürzt

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Amt will Arbeitslose zu Job in Sexshop zwingen - wenn sie sich weigert, werden die Mittel gekürzt

Für viele Menschen, die mal arbeitslos waren, ist es schwer, wieder ins Berufsleben zu finden. Aber die Arbeitsagenturen stehen da natürlich mit Rat und Tat zur Seite und vermitteln Langzeitarbeitslosen Stellen.

Das Problem: Um weiterhin Geld vom Amt zu bekommen, müssen die Arbeitslosen die Jobs annehmen - egal, um welche Stelle es sich handelt.

Genau diese Regelung hat jetzt für Aufregung gesorgt. Die Berliner Arbeitsagentur hatte nämlich für die Arbeitslose Sabine R. einen Job in einem Sexshop in Berlin-Pankow ausgesucht.

"Aufgeschlossenheit" und "Erfahrung im Verkauf"

Das Amt stellte die 40-Jährige vor die Wahl: Entweder sie bewirbt sich um den Job im Sexshop oder das Amt kürzt das Arbeitslosengeld II um 60 Prozent. Das berichtet der Kölner "Express".

"Bewerben Sie sich bitte umgehend schriftlich oder per E-Mail. Alternativ stellen Sie sich bitte umgehend persönlich vor," hieß es laut der Zeitung in der Aufforderung von der Arbeitsagentur. Der Betreiber des "Erdbeermund Erotic-Store" erwartete von Bewerber "Aufgeschlossenheit" und "Erfahrung im Verkauf".

Vermittlung in Sexshops ist "Grauzone"

Doch in diesem Fall hat das Amt wohl nicht das Recht, die Arbeitslose zu der Bewerbung zu zwingen. "Sex sells gilt nicht für Jobcenter. Niemand muss sich in den Sex-Shop vermitteln lassen, wenn er oder sie nicht will“, schreibt Linkenvorsitzende Katja Kipping in einer Anfrage an die Bundesregierung.

Darin wollte sie herausfinden, ob die Weigerung im Sexshop zu arbeiten wirklich sanktionierbar sei.

In die Prostitution dürfen Arbeitsagenturen nicht vermitteln, auch wenn die mittlerweile legal ist, heißt es von der Bundesregierung. Allerdings sei die Arbeit in Sexshops eine Grauzone.

"Es ist sensibel vorzugehen"

"Der Unterbreitung von Vermittlungsvorschlägen im Handel und Vertreib erotischer Waren steht grundsätzlich nichts entgegen“, schreibt die Parlamentarische Staatssekretärin Anette Kramme (SPD). "Zum Schutz der individuellen Persönlichkeitsrechte ist allerdings auch in diesen Fällen sensibel vorzugehen."

Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt deshalb, wenn Arbeitslosen solche Vorschläge gemacht werden, auf mögliche Sanktionierungen zu verzichten.

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(lk)

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