"Dumm, gefährlich, toxisch": US-Kommentatoren sind entsetzt über Trumps Deutschland-Bashing

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MERKEL TRUMP
"Dumm, gefährlich, toxisch": US-Kommentatoren sind entsetzt über Trumps Deutschland-Bashing | Getty
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US-Präsident Donald Trump wähnt sein Land in einem Handelskrieg – insbesondere mit einem Land: Deutschland.

"Very bad" nannte der Republikaner die Deutschen vor dem Nato-Gipfel vergangene Woche. Dann trat er bei Twitter noch einmal nach – und drohte der Bundesregierung indirekt: "Das wird sich ändern!"

Die Taktik Trumps ist bekannt, mit ihr lässt sich eine Zeit lang gut kaschieren, dass eigene Ideen fehlen, lässt sich der Blick von innenpolitischen Problemen auf das angeblich feindliche Ausland lenken.

Kommentatoren großer US-Medien allerdings sehen Trumps Deutschland-Bashing inzwischen höchst kritisch.

"Dumm und gefährlich", ja "toxisch" sei Trumps Gepöbel, schreibt der Analyst der US-Seite "Slate". Trump zeige, "wie man aus Freunden Feinde macht".

Die "New York Times" konstatiert, zuletzt seien die transatlantischen Bedingungen 2003 so schlecht gewesen, zur Zeit George W. Bushs und des Irakkriegs, als es aus der Regierung hieß, man müsse "Frankreich bestrafen, Deutschland ignorieren und Russland verzeihen".

Trump habe die Formel modifiziert. Jetzt werde Deutschland attackiert.

Kurz: "Deutschland ist der neue Feind", heißt es im "Business Insider".

Trump stören zwei Dinge an Deutschland:

1. Die aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands

Derzeit wendet Deutschland 1,2 Prozent seines Bruttoninlandsprodukts dafür auf. Die Nato-Länder haben vereinbart, bis 2024 mindestens 2,0 Prozent dafür aufzuwenden. Ob diese Marke bindend oder nur eine Absichtserklärung ist, ist umstritten.

Dass die deutschen Ausgaben zu niedrig sind, ist weitgehend unumstritten in den USA.
Der Kommentator des Senders CNBC behauptet sogar, die Sozialstaaten Europas hätten erst entstehen können, weil Europa – auf Kosten der USA – an der Rüstung gespart hätten.

► Der Analyst von "Slate" allerdings verweist darauf, dass es angesichts der Politik Otto von Bismarcks und Adolf Hitlers viele Leute viele Jahre lang gut gefunden hätten, wenn Deutschland sich bei der Militarisierung zurückhalte.

► Außerdem verweist er auf einen Knackpunkt in der Nato-Vereinbarung: Die Höhe der Ausgaben ist ans Bruttoinlandsprodukt gekoppelt. Wächst die Wirtschaft eines Landes, sinkt der Anteil der Verteidigungsausgaben selbst dann, wenn das Budget gleich bleibt. Und Deutschland habe im vergangenen Jahr den Verteidigungshaushalt sogar um 8 Prozent aufgestockt.

2. Der Exportüberschuss Deutschlands


Deutschland verkauft mehr Güter in die USA, als es importiert. Der Überschuss betrug vergangenes Jahr knapp 65 Milliarden Dollar. Begünstigt wird diese Entwicklung durch eine Abwertung des Euros gegenüber dem Dollar: Für die Amerikaner wird es dadurch billiger, deutsche Produkte zu kaufen.

► "Slate" nennt Trumps Kritik an den hohen deutschen Exporten in die USA "fehl am Platz" und "unklug". Zwar sei der deutsche Handelsüberschuss ein Problem – aber keines, für das man allein die Deutschen verantwortlich machen könnte.

Keiner zwingt die Amerikaner, deutsche Autos zu kaufen. Vielmehr, so "Slate", wollten die Amerikaner unbedingt BMW und VW fahren. Die "New York Times" bemerkt süffisant, dass auch Trump eifrig Wagen deutschen Fabrikats genutzt habe. Nach seiner Hochzeit 2005 stieg er demnach in einen Mercedes Maybach, kaufte einst einen Mercedes SLR Mc Laren Roadster, auch seine Gattin fuhr einen Mercedes.

► Der "Business Insider" weist darauf hin, dass die Handelsbilanz ohnehin nicht "besonders nützlich" sei, um den Handel zwischen zwei Ländern zu bewerten. Vor allem dann nicht, wenn ein Land wie Deutschland Teil einer Union wie der EU ist. Auch über die EU laufe Handel mit den USA. Und für eine Abwertung des Euros sei nicht die Deutsche Bundesbank, sondern die Europäischen Zentralbank zuständig.

► Die "NYT" kritisiert, Trump habe wohl in der Bewertung Deutschland "blinde Flecken", er übersehe die Vorteile. Denn die viel gescholtenen deutschen Firmen seien in den USA Arbeitgeber für 700.000 Menschen. Autobauer wie Daimler fertigen in den USA für den Export nach Südamerika. BMWs Niederlassung in Spartanburg sei, in Dollar gemessen, der größte Exporteur der amerikanischen Autoindustrie.

► Die "Washington Post" warnt schließlich, zwar habe Trump Getöse noch keine konkreten Folgen gezeigt. Aber Merkel treffe diese Woche den indischen Regierungschef und den chinesischen. Das sei ein deutlicher Hinweis darauf, dass auch andere Länder gute Beziehungen aufbauen könnten, die sich weniger abschotteten.

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(lp)

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