Junge stirbt an Mittelohrentzündung: Eltern hatten Homöopathen vertraut

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Siebenjähriger stirbt in Italien an einer Mittelohrentzündung - seine Eltern hatten auf Homöopathie | LightFieldStudios via Getty Images
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  • Ein Siebenjähriger ist in Italien an einer Mittelohrentzündung gestorben
  • Der Junge wurde homöopathisch behandelt
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Arzt und die Eltern

Francesco war gerade einmal sieben Jahre alt, als er am Samstag starb. An einer Krankheit, die zwar schmerzhaft, aber eigentlich als heilbar gilt: Mittelohrentzündung.

Wie italienische Medien berichten, hatten die Eltern den Jungen zu einem Homöopathen gebracht. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft im norditalienischen Urbino gegen ihn wegen fahrlässiger Tötung. Auch gegen die Eltern soll ermittelt werden.

Die Eltern: "Wir haben dem Doktor immer vertraut"

"Wir haben dem Doktor immer vertraut", zitiert die Zeitung "Corriere della Serra" die Mutter. Der Junge habe schon früher immer wieder einmal Probleme mit den Ohren gehabt, und immer habe der Homöopath helfen können. Diesmal jedoch starb das Kind nach 15 Tagen Krankheit.

Homöopathie: Umstrittene Therapie ohne belegte Wirksamkeit

Die Therapie, die auf den deutschen Arzt Samuel Hahnemann aus dem 18. Jahrhundert zurückgeht, baut auf der These auf, dass Krankheiten geheilt werden, indem man dem Kranken einen Wirkstoff gibt, der unverdünnt genau diese Krankheit auslösen würde.

Dann verdünnt man den Wirkstoff so lange, bis er kaum noch oder nicht mehr nachweisbar ist. Die Verdünnung geht bis zu eins zu einer Million.

Die Wirksamkeit der Therapie, die auch in Deutschland viele Anhänger findet, ist nicht wissenschaftlich belegt.

Eltern spendeten die Organe ihres Jungen

Bei Mittelohrentzündung werden dagegen oft Antibiotika verschrieben, um die Infektion einzudämmen. Besonders bei einer beidseitigen Entzündung oder anhaltenden Symptomen gilt die Behandlung als Mittel der Wahl, um gefährliche Komplikationen wie eine Hirnhautentzündung (Meningitis) zu vermeiden.

Bei Francesco jedoch hat die Krankheit bereits auf das Gehirn übergegriffen, als er ins Krankenhaus kam. Auch eine Therapie mit Antibiotika half nun nicht mehr - die Klinik in Ancona sprach von einem "schweren komatösen Zustand" des Jungen.

Jetzt klären die Ermittler, ob ein Behandlungsfehler zum Tod führte.

Die Eltern haben nun versucht, wenigstens anderen Kindern noch das Leben zu retten: Sie ließen Nieren und Leber ihres hirntoten Kindes spenden.

Wie gefährlich ist eine Mittelohrentzündung?

Trotzdem: Der Fall in Italien sei eine "Rarität", auch weil Mittelohrentzündungen selten so schwerwiegende Folgen hätten, sagt Jakob Maske, Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte für Berlin.

Um schwere Komplikationen zu vermeiden, folgten Eltern in Deutschland in den allermeisten Fällen dem Rat der Ärzte. Verweigerten sich Eltern einer dringend nötigen Therapie doch, könne ihnen im Extremfall das medizinische Sorgerecht entzogen werden. Das komme aber eher vor, wenn Eltern ihren Kindern eine notwendige Krebstherapie vorenthalten.

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(Mit dpa-Material)

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(bp)

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