Ein neues Video zeigt: Der Angriff von jordanischen auf deutsche Soldaten war ernster, als bislang vermutet

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BUNDESWEHR AFGHANISTAN
2014 griffen jordanische Soldaten in Kabul den Begleitschutz von Bundeswehr-General Hans-Lothar Domröse an. | Reuters Staff / Reuters
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  • Der Angriff auf Bundeswehrsoldaten im Dezember 2014 in Kabul war schwerwiegender, als bislang angenommen
  • Das zeigen Recherchen der Zeitung "Bild"
  • Damals griffen jordanische Soldaten die deutschen Truppen an

Am 28. Dezember 2014 fahren Bundeswehrsoldaten im Konvoi durch Kabul. Sie schützen den damaligen Bundeswehr-General Hans-Lothar Domröse bei seinem Besuch in der Hauptstadt Afghanistans.

Am Flughafen fangen mehr als ein Dutzend jordanische Soldaten den Konvoi ab. Die Jordanier drohen den Deutschen mit vorgehaltener Waffe, treten und verprügeln drei Soldaten. Einen Deutschen schlagen sie ins Koma.

Jetzt wird bekannt: Das Ausmaß der Gewalt des Vorfalls wurde damals wohl bewusst heruntergespielt, berichtet die Zeitung "Bild" unter Berufung auf ein Video der Szene. Eine nach dem Angriff eingesetzte internationale Ermittlungskommission kam zum Schluss, der Vorfall sei strafrechtlich nicht relevant.

Strafrechtlich relevanter Angriff auf deutsche Soldaten

Die Zeitung schreibt, sie sei an Dokumente des Landeskriminalamts (LKA) Hamburg gelangt. Diese sollen das Gegenteil beweisen. Die Dokumente zeigten, dass das LKA den Angriff als viel schwerwiegender einstufte.

So zeige ein LKA-Vermerk vom 13. November 2015, die jordanischen Soldaten hätten "unzweifelhaft" Verbrechen begangen. Von schwerem Raub und räuberischer Erpressung ist die Rede. Das LKA Hamburg ermittelte damals, da ein deutscher Soldat nach dem Angriff Anzeige erstattet hatte.

Unklar ist, weshalb die Jordanier die Bundeswehrsoldaten angriffen. Die "Bild" schreibt von einer Revanche für einen Streit, der zwei Wochen zurücklag als möglichem Motiv. Auch zeigten die LKA-Dokumente, dass die Ermittler damals Rassismus als Motiv nicht ausschlossen, denn einer der betroffenen Bundeswehrsoldaten soll indischer Abstammung sein.

Bagatellisierung des Vorfalles

Aus politischen Gründen sei der Vorfall damals wohl von der Ermittlungskommission und von der Bundeswehr "bagatellisiert“ worden, schreibt die "Bild". So habe man auch ein Video, das den Angriff zeigt, nicht an die deutschen Ermittlungsbehörden weitergereicht, angeblich aus Geheimhaltungsgründen.

Erst im Dezember 2016 habe das Verteidigungsministerium das Videomaterial dann dem LKA übergeben - erst zwei Jahre nach dem Angriff auf die Soldaten. Das Verteidigungsministerium erklärte dagegen, die Videos seien erst vergangenes Jahr angefordert worden. Danach habe man das Material weitergeleitet.

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(sk)

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