Ernährungstrend Warrior-Diät: Experten erklären, warum er nicht nur absurd, sondern auch gefährlich ist

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Experten warnen: Dieser Ernährungstrend ist nicht nur absurd, sondern auch gefährlich | iStock
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Wenn ihr der Meinung seid, dass Anhänger der Paleo-Steinzeit-Diät seltsam und auch von ihrem Gehirnwachstum her in der Steinzeit hängen geblieben sind, habt ihr vermutlich noch nicht von diesem Food-Trend gehört: der Warrior-Diät.

Menschen, denen offenbar nicht einmal die Paleo-Diät aufwändig und absurd genug ist, haben sie ins Leben gerufen: die Diät, bei der man sich wie ein echter Krieger der Urzeit ernähren soll.

Von drei Mahlzeiten am Tag kann so ein Krieger natürlich nur träumen. Tagsüber hat er keine Zeit zum Essen. Tagsüber muss er ein Mammut erlegen, Feuerholz sammeln und seine Familie beschützen. Erst mit Einsetzen der Dämmerung kommt der tapfere Krieger dazu, etwas zu essen - und da er Energie zum Jagen und Überleben in der Wildnis braucht, ist das nicht gerade wenig - so die Idee der Warrior-Diät.

Ernährungsberaterin: "Muskelaufbau unmöglich"

Die Diät orientiert sich tatsächlich an den Kriegern der Steinzeit. Auf Facebook hat der neue Food-Trend schon hunderte Fans. Anders als bei der Paleo-Diät dürfen sie jedoch nur einmal am Tag etwas essen. Dafür darf es sich dann um ein echtes Festmahl handeln.

Nur wenn die Krieger es vor knurrendem Magen nicht mehr aushalten, sind ihnen auch ein paar Snacks erlaubt - allerdings nur, wenn es sich dabei um Steinzeit-Snacks handelt. Alle Industrie-Produkte sind natürlich verboten.

Die selbsternannten Krieger ernähren sich aber nicht auf diese Weise, weil sie tatsächlich in den Krieg ziehen oder historisch besonders interessiert sind.

Auch hängen sie keinem Glauben an, der ihnen diese Ernährungsweise vorschreibt. Sie wollen schlicht eines: abnehmen. Und, wie ein Anhänger der Warrior-Diät auf seinem Blog schreibt: "Muskeln aufbauen".

Das Problem ist nur: Ein Muskelaufbau ist mit dieser Ernährung gar nicht möglich, wie Monika Bischoff, Ernährungsmedizinerin in einem Münchner Krankenhaus, erklärt. Ganz im Gegenteil.

"Der Körper braucht pro Mahlzeit etwa 30 Gramm Eiweiß für den Aufbau von Muskeln und fünf bis sechs Stunden, um das Eiweiß zu verarbeiten", sagte sie der HuffPost. "Wer, wie in dieser Diät vorgesehen, nur einmal am Tag etwas isst, kann deshalb schlecht Muskeln aufbauen."

Expertin: "Sogar ein Schlaganfall könnte drohen"

Die Ernährungsberaterin kann über diesen Food-Trend nur den Kopf schütteln.

"Man kann sich vielleicht zweimal in der Woche bedenkenlos mit der Warrior-Diät ernähren. Aber wer das auf Dauer macht, muss verrückt sein", sagt sie.

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Bischoff hält die Idee der Ernährung aber nicht nur für absurd, sondern auch für gefährlich. "Isst man nur eine große Mahlzeit am Tag, ist es schwer, all die benötigten Nährstoffe zu sich zu nehmen", erklärt sie.

"Jemand, der sich mit dieser Diät ernährt, wird definitiv an den Folgen einer Mangel-Ernährung zu leiden haben. Viele Mikro- und Makro-Stoffe werden ihm fehlen."

Sie warnt sogar eindringlich vor schwerwiegenden Folge-Erkrankungen.

"Ein Kalzium-Mangel, Osteoporose, ein Vitaminmangel, ein Mineralstoffmangel, eine Mangelernährung, sogar eine Herzinsuffizienz bis hin zum Schlaganfall könnte drohen", sagt sie.

Experte: "Ich sehe keinen einzigen Vorteil"

Auch andere Ernährungs-Experten halten es für unsinnig, sich wie zu Urzeiten zu ernähren.

"Wildtiere sind es vielleicht gewohnt, nur alle paar Tage mal einen großen Brocken zu essen, aber der moderne Mensch ist dafür nicht gemacht", sagte Wilfried Bommert vom Berliner Institut für Welternährung der HuffPost.

Zwar vermutet der Ernährungswissenschaftler, dass sich unser Verdauungssystem mit der Zeit darauf einstellen könne, doch würde das seiner Meinung nach nicht nur sehr lange dauern, der Körper werde währenddessen auch mangelernährt.

"Gerade für Kinder halte ich dieses Konzept für verwerflich. Mangelernährung ist gerade in der Wachstumsphase katastrophal, vor allem für das Hirn. Meiner Meinung nach hat diese Ernährungsweise keinerlei Vorteile", sagt Bommert.

"Diäten sind eigentlich unnötig"

Sowohl Bommert als auch Bischoff sind davon überzeugt, dass es sich bei der Warrior-Diät genau wie bei der Paleo-Diät um keine sinnvolle oder bessere Ernährungsweise handelt, sondern um etwas ganz anderes: einen weiteren sinnlosen Ernährungs-Trend, dessen Erfinder nichts anderes wollen, als Aufmerksamkeit und Geld verdienen.

"Normale Diäten lassen sich nicht so gut verkaufen", weiß Ernährungsberaterin Bischoff. Viel Obst, Gemüse, eine abwechslungsreiche Ernährung, von allem ein bisschen, aber von nichts zu viel - das klingt zwar wenig spektakulär, soll aber letztendlich am gesündesten sein.

Oder, wie Bommert sagt: "Diäten wären überhaupt nicht notwendig, würden wir nicht einfach ständig zu viel, zu süß, zu fett und zu salzig essen."

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