Erdogan düpiert: Nato-Mitgliedsstaaten verhindern Gipfel in der Türkei

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  • Die Nato-Staaten haben eine Einladung des türkischen Präsidenten nach Istanbul ausgeschlagen
  • Grund hierfür könnten unter anderem Streitigkeiten der Türkei mit Österreich und Deutschland sein
  • Der Nato-Gipfel soll stattdessen im neuen Hauptquartier in Brüssel stattfinden

Die Nato-Staaten haben einem Medienbericht zufolge ein Angebot des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ausgeschlagen, im kommenden Jahr den Gipfel des Militärbündnisses auszurichten.

Das berichtet am Mittwoch die Zeitung "Welt" unter Berufung auf hohe Nato-Diplomaten, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Den gesamten Konflikt seht ihr oben im Video.

Nato-Staaten lehnten Einladung nach Ankara ab

Mehrere Nato-Mitglieder, angeführt von Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Dänemark, haben sich demnach offenbar gegen die Ausrichtung des Gipfels in Istanbul ausgesprochen.

Die Türkei hatte sich als eines von mehreren Nato-Ländern als Gastgeber des Spitzentreffens angeboten. Die Veranstaltung hätte nach Wunsch der türkischen Regierung in Istanbul stattfinden sollen.

Die anderen Nato-Mitgliedsstaaten wollen sich durch die Absage offenbar symbolisch von der Politik der Türkei distanzieren.

"Wir wollen die Türkei nicht international aufwerten und den Eindruck vermeiden, dass die Nato die interne Politik der türkischen Regierung unterstützt", zitierte die "Welt" aus Nato-Kreisen.

Konflikte mit Deutschland und Österreich haben Konsequenzen

Die Ablehnung der Nato-Staaten lässt sich womöglich auf Konflikte zurückführen, die die Türkei gerade mit Deutschland und Österreich austrägt.

Deutschland und die Türkei befinden sich derzeit in einem anhaltenden Streit um das Besuchsrecht von Bundestagsabgeordneten bei deutschen Soldaten auf der türkischen Luftwaffenbasis Incirlik.

Zuvor stieß der Versuch der Türkei in Deutschland Wahlkampf für Erdogans Präsidialsystem zu betreiben auf Widerstand.

Kommunalbehörden hatten sich mit allen Mitteln gegen die Ausrichtung von Auftritten türkischer Minister gewehrt, woraufhin Erdogan Deutschland Nazi-Methoden vorwarf.

Türkei blockierte Zusammenarbeit der Nato mit Österreich

Auch mit Österreich streitet sich die türkische Führung seit Monaten. Wegen Österreichs Forderung, die EU-Beitrittsverhandlungen zu stoppen, blockierte die Türkei ganze Partnerschaftsprogramme mit Nicht-Mitgliedern.

Ein Sprecher des Militärbündnisses kommentierte am Dienstag, dass die militärische Zusammenarbeit mit Nicht-Mitgliedern nun "länderspezifisch geplant" werden müsse.

Mehr zum Thema: BLOG: "Die Türkei ist auf dem Niveau der afrikanischen Diktaturen angekommen"

Österreichs Verteidigungsminister Dokozil ist empört über das Gebaren des türkischen Präsidenten und kommentiert: "Die Türkei gefährdet die Sicherheitsinteressen Europas."

Medienberichten zufolge habe sich Belgien bereiterklärt, 2018 ein Gipfeltreffen in Brüssel auszurichten.

Ein Beschluss dazu soll demnach auf dem Treffen der Nato-Verteidigungsminister Ende Juni fallen.

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(lp)

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