Zahl der Gründungen sinkt auf Rekordtief - Ökonomen sind besorgt

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Zahl der Gründungen sinkt auf Rekordtief - Ökonomen sind besorgt | Estelle Johnson / EyeEm via Getty Images
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  • Die Zahl der Gründungen in Deutschland ist 2016 auf ein Rekordtief gesunken
  • Ökonomen der KfW bereitet der Trend Sorgen

Der Arbeitsmarkt boomt. Das dämpft die Lust der Menschen in Deutschland, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Die Zahl der Existenzgründer sank im vergangenen Jahr um 91.000 auf das Rekordtief von 672.000.

Ökonomen sehen die Entwicklung mit Sorge. "Zur steten Erneuerung unserer Volkswirtschaft benötigen wir vor allem mehr Chancengründer, die häufiger Marktneuheiten an den Start bringen", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner am Dienstag in Frankfurt.

Dort wurde der Gründungsmonitor der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vorgestellt. Zeuners Warnung: Fehlten heute die Gründer, leide morgen die Wettbewerbsfähigkeit.

Selbstständigkeit erscheint als zu riskant

Den Angaben zufolge waren im vergangenen Jahr nur neun von 100 Gründern vorher arbeitslos, 2005 waren es noch 22. Das heißt, dass weniger Menschen mangels Alternativen sich in die Selbstständigkeit wagten. Insgesamt sanken die Zahl der "Notgründer" von 40.000 auf 166.000.

Außerdem setzten weniger Menschen ihre Geschäftsidee in die Tat um - obwohl sie sich mit ihrer Idee große Chancen ausreichen. Generell falle die Entscheidung häufiger gegen die Selbstständigkeit und für bessere Jobchancen. Ein fester Arbeitsplatz scheint attraktiver zu sein als eine riskante Gründung.

Der KfW-Gründungsmonitor basiert auf einer repräsentativen Befragung von 50.000 Personen. Die Telefonbefragung findet in dieser Form jährlich seit 2002 statt.

Hamburg ist Spitzenreiter

Der Dienstleistungsbereich war nach wie vor der beliebteste Bereich für Gründungen. Dort starteten wie in den Vorjahren sieben von zehn Gründern. Gefolgt von 16 Prozent im Handel und zwölf Prozent im Produzierenden Gewerbe. Jeder fünfte Gründer ging mit einem Angebot auf den Markt, das nur durch den Einsatz von digitaler Technologie nutzbar ist.

Regional gesehen gab es die meisten Gründer je 10.000 Erwerbsfähigen in Hamburg, gefolgt von dem früheren Spitzenreiter Berlin. Hier prägt die Medien- und IT-Branche die Gründungen, erläutert die KfW.

Wird die Zahl der Gründungen weiter abnehmen? Für dieses Jahr erwartet die Kfw ein Ende der Talfahrt.

Zwar werde die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt anhalten. Der Rückgang der Erwerbslosenquote dürfte sich aber verlangsamen. Die Ökonomen gehen davon aus, dass dann wieder mehr Menschen – ermuntert durch die stabile Konjunktur – ihre Geschäftsidee in ein Unternehmen umsetzen.

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