Warum so viele Deutsche Helene Fischer hassen

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HELENE FISCHER
Warum so viele Deutsche Helene Fischer hassen | Matthias Hangst via Getty Images
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Fast acht Minuten lang pfiffen die Fans. Seit Oliver Kahn ist in einem deutschen Stadion kaum jemandem eine solche Hass-Tirade entgegengeschlagen, wie sie Schlager-Sängerin Helene Fischer am Samstag beim DFB-Pokalfinale getroffen hat.

Die ARD war mit der Situation offenbar so überfordert, dass der Sender versuchte, den Ton herunterzupegeln. Und der Deutsche Fußballbund zog die Reißleine: Halbzeit-Shows, wie während des Finales zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt, soll es in den kommenden Jahren nicht mehr geben.

Wie konnte es soweit kommen? Warum polarisiert die "Atemlos“-Sängerin so sehr?

Warum ist sie für so viele Deutsche ein Hassobjekt?

"Die Fans haben nicht Helene ausgepfiffen..."

Auch die HuffPost hat sich immer wieder kritisch mit Helene Fischer auseinandergesetzt. Ihr Auftritt beim DFB-Pokalfinale zeige, "wie verdorben der deutsche Fußball geworden ist“, schrieb unser Kolumnist vor dem Finale.

Auch die "Süddeutsche Zeitung“ ist jetzt überzeugt: "Die Fans haben nicht Helene Fischer ausgepfiffen, sondern das Symbol Helene Fischer.“

► Die stehe in der Wahrnehmung des Publikums nämlich für "alles Schlechte“ im modernen Fußball.

Also alles halb so wild? Gibt es gar keinen Helene-Fischer-Hass in Deutschland? Ging es bei den Stadion-Pfiffen nur darum, den DFB für seinen verzweifelten Versuch, so viel Geld in so kurzer Zeit wie möglich aus dem Fußball zu melken, abzustrafen?

Der Hass auf die "Russen-Uschi"

Das wäre zu einfach. Die unschöne Wahrheit ist: Bei den Hasskommentaren, die gerade in den sozialen Medien über Helene Fischer kursieren, geht es auch immer wieder über ihre Herkunft.

"Kann die nicht in Russland die Leute quälen?“, steht dann da. Ganz besonders kreative Schreihälse nennen die Sängerin nur noch "Helene Fischerowka“ oder "Russen-Uschi“.

► Eine blonde, hübsche Frau, die mit deutschem Liedgut erfolgreich ist – und das als russischstämmige? Einigen Kommentatoren scheint das nicht ganz in ihr Weltbild zu passen.

Dass Helene Fischer selbst nicht einmal sonderlich offensiv mit ihrer Abstimmung umgeht, stört die Facebeook-Pöbler nicht. Sie sind offenbar der Meinung, Helene Fischers größter Makel, auf den es einzutreten gelte, sei ihr russischer Hintergrund.

Viele Deutsche verachten Unterhaltungsmusik

Zudem steckt hinter der Fischer-Abneigung wohl ein Herabschauen vieler Deutschen auf das Genre der Unterhaltungs-Musik.

Helene Fischer ist ein Künstler ohne künstlerischen Anspruch – und damit ungemein erfolgreich. Über 300.000 Mal hat sich ihre neue Platte allein in der ersten Woche verkauft, Fischer erzielte damit einen Jahrtausendrekord.

► Was viele ihrer unfreiwilligen Hörer mokieren: Die Musik der Sängerin ist ein glatt geschliffenes Produkt. Ein genau auf den kommerziellen Erfolg abgepasstes Gesamtwerk.

Auch die HuffPost kommentierte das neue Album der "Atemlos“-Sängerin kritisch: "Wenn man diese Zeilen von Helene mal nur liest, ohne das wummernde Tamm-Tamm aus der Discounter-Pop-Goldschmiede ihrer Fließband-Songschreiber, erkennt man schnell, wie himmelschreiend hohl das alles ist.“

Was man Fischer dabei zugute halten muss: So diszipliniert wie der Schlager-Star arbeitet in Deutschland wohl kaum jemand. So skandalfrei wie die blonde Sängerin schlängeln sich die wenigsten Show-Größen durch die Medienlandschaft.

Musikfans durchschauen den Helene-Hype

So gilt aber eben auch für die echten Musikfans das, was für die echten Fußballfans gilt. Sie erkennen in Helene Fischer ein Symbol für die bedingungslose Kommerzialisierung ihrer Herzensangelegenheit.

► Viele Musikliebhaber glauben, hinter die Fassade des Fischer-Erfolges zu blicken. Sie sehen ein Management, das weiß, dass die Schlager-Sängerin ein begrenztes Zeitfenster hat. Nicht immer wird die blonde Sängerin jung und schön sein. Nicht immer wird sie kaschieren können, dass ihre Musik doch eher Stangenware ist.

Die Medienprofis hinter dem Schlagerstar wollen das Maximum aus dem Helene-Hype machen. Das erklärt auch den Auftritt beim DFB-Pokalfinale.

Die Reaktionen auf Fischers Performance zeigen jedoch: Auch hinter dieser Medienstrategie steckt ein Kunstwerk. Die Fischer-Manager müssen einen perfekten Spagat schaffen.

Sie müssen dafür sorgen, dass die Sängerin omnipräsent ist – und die Deutschen ihrer trotzdem nicht überdrüssig werden.

Am Samstag ist der Versuch gescheitert.

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(ujo)