"Pussy Slapping" ist ein neuer Trend unter jungen Mädchen - und er ist besorgniserregend

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PUSSY SLAPPING
"Pussy Slapping" ist ein Trend, der mehr als irritierend ist. | iStock
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Zwei junge Frauen laufen nebeneinander die Straße entlang. Auf einmal holt die eine aus und schlägt der anderen mit der flachen Hand zwischen die Beine. Das angegriffene Mädchen zuckt zurück und gibt Schmerzenslaute von sich. Das andere lacht und ruft “Pussy Slap”.

Szenen wie diese kursieren als Videos seit einiger Zeit im Internet. Junge Mädchen laden kurze "Pussy Slapping"-Clips auf Snapchat oder YouTube hoch und feiern sich gegenseitig für die gelungenen Streiche.

Meist stammen diese Videos von amerikanischen Jugendlichen. Offenbar scheint der bizarre Trend jetzt aber auch bei deutschen Teenagern angekommen zu sein.

So macht gerade ein Text von “Spiegel Online” die Runde, der das Phänomen erstmals auch in Deutschland größer beleuchtet.

“Was um Himmels willen ist mit den Girls los?”

Juno Vai, die Autorin des Textes, ist selbst Mutter von zwei Schulkindern und kann nicht so recht glauben, warum sich Mädchen gegenseitig Schmerz zufügen - noch dazu an der empfindlichsten Stelle ihres Körpers.

“Was um Himmels willen ist mit den Girls los?”, schreibt sie. “Hatten wir nicht gerade eine sehr unangenehme Debatte um einen US-Präsidenten, der sich mit Pussy-Grabbing gebrüstet hat?”

(Der Text geht nach dem Video weiter.)

Ein Doktor fragt einen Jungen, wie er zu seiner Verletzung kam – seine Antwort lässt am Verstand einer ganzen Generation zweifeln

In der Tat: Sich gegenseitig mit Schlägen in den Intimbereich zu traktieren und das auch noch lustig zu finden, klingt aus Erwachsenen-Sicht mehr als irritierend - vor allem, wenn man bedenkt, woher die Praktik eigentlich kommt.

“Pussy Slapping” war nämlich bisher vor allem Menschen ein Begriff, die sich in der BDSM-Szene bewegen. Der Begriff bezeichnet dort eine Art der masochistischen Stimulation im weiblichen Intimbereich mit Schlägen auf den Venushügel, die Schamlippen oder die Klitoris.

Videos von vier jungen Australierinnen verbreiten sich im Netz

Da nicht anzunehmen ist, dass sich die Mehrheit der jungen Mädchen auf BDSM-Seiten herumtreibt, muss der merkwürdige Trend auf andere Weise seinen Weg auf Schulhöfe und in Klassenzimmer gefunden haben.

Eine wichtige Rolle dabei spielen vermutlich vier Australierinnen, die sich “83 Squad” nennen und mit Internetvideos ihr Geld verdienen. Sie ärgern sich gegenseitig mit Streichen; unter anderem schlagen auch sie sich in der Öffentlichkeit zwischen die Beine.

Allein ein Instagram-Video der jungen Frauen aus dem Februar wurde über 200.000 Mal aufgerufen:

Lehrer und Experten, denen das Verhalten bei jungen Mädchen bereits aufgefallen ist, reagieren entsetzt auf den Trend.

"Für mich ist das ein sehr befremdliches Verhalten", zitiert Vai einen Lehrer, der "Pussy Slapping" in seiner Klasse beobachtet hat. "Sie tun sich gegenseitig richtig weh, das ist für mich völlig unverständlich."

Neuropsychologe: "Der Pussy Slap ist auch ein Akt der Dominanz"

Also alles nur ein etwas makabrer Spaß unter Gleichaltrigen?

Der Neuropsychologe Erich Kasten glaubt, dass mehr dahintersteckt. "Der Pussy Slap ist auch ein Akt der Dominanz, mit dem ein junges Mädchen quasi symbolisch versucht, das Sexualorgan ihrer Nebenbuhlerin zu schädigen oder deren Lustgefühl zu verhindern, um sie als Konkurrentin auszuschalten”, sagte er “Spiegel Online”.

Die Einstellung zu Sex generell ändere sich zunehmend, sich Hardcore-Pornos anzuschauen sei inzwischen auch unter Jugendlichen schon normal. "Letztlich wird menschliche Sexualität immer weiter entwertet, das Pussy Slapping ist ein Ausdruck dieser Entwicklung”, sagte er.

Auch wenn das Phänomen der “Pussy-Slap-Wettbewerbe” offenbar psychologisch zu erklären ist - besorgniserregend ist es allemal.

Body Positivity sieht anders aus

Frauen auf der ganzen Welt kämpfen gerade erfolgreich dafür, dass weibliche Körper so akzeptiert werden, wie sie eben sind, egal ob dünn, dick, rund, eckig, faltig.

Sich gegenseitig dort zu verletzen, wo man als Frau am schutzlosesten ist, könnte der Idee der Body-Positivity-Bewegung nicht stärker widersprechen. Den weiblichen Körper lieben und schätzen sieht anders aus.

Wie sollen junge Mädchen so lernen, dass sie ihren Körper und den von anderen Mädchen achten sollen?

Und wie sollen es die Jungs in ihrer Klasse lernen, wenn sie beobachten, dass sogar Mädchen untereinander jetzt schon auf sexuelle Weise gewalttätig sind?

Auch wenn es in den Videos so aussieht, als sei "Pussy Slapping" ein großer Spaß - von außen wirkt es alles andere als spaßig.

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(ks)

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