Eine Psychologin erklärt: US-Präsident Trump mit einem Kleinkind zu vergleichen ist unfair - gegenüber dem Kind

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Kinder haben dem US-Präsidenten einiges voraus, sagt die Entwicklungspsychologin Alison Gopnik. | Joshua Roberts / Reuters
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Donald Trump hat für seine Rüpel-Performance bei den Treffen von Nato und G7 viel Unverständnis in Deutschland geerntet. Linken-Chefin Katja Kipping wütete am Montag etwa: "Trump bräuchte dringend professionelle Hilfe."

Schon lange gilt das Verhalten des US-Präsidenten als unberechenbar. Viele Beobachter vergleichen den Republikaner immer wieder mit einem Kleinkind. Vor rund einer Woche schaltete sich in der "New York Times“ jedoch eine Entwicklungspsychologin ein. Trump mit einem Kleinkind zu vergleichen sei nicht fair - gegenüber dem Kleinkind.

Alison Gopnik beruft sich auf Studien zur frühkindlichen Entwicklung, die sie und ihre Kollegen an der Universität Berkeley durchgeführt haben. Wer verstehen will, was es für die internationalen Staats- und Regierungschefs bedeutet, mit Trump umzugehen, sollte ihren Beitrag kennen. Die Kinderpsychologin glaubt, erkannt zu haben: In fünf Bereichen sind Kleinkinder dem US-Präsidenten sogar weit voraus.

1. Sie sind wissbegierig

"Vierjährige sind sind stets auf der Suche nach der Wahrheit", erklärt Gopnik. Sie beschäftigen sich besonders gerne mit Dingen, die sie nicht verstehen. Einer Studie zufolge stellen Kindergartenkinder bis zu 100 Fragen am Tag.

Donald Trump hingegen interessiert sich prinzipiell nur für Dinge, die ihn persönlich betreffen und liest Dokumente nur, wenn sein Name häufig darin auftaucht.

2. Sie können sich konzentrieren

Vor allem lenken Kinder ihren Fokus auf Dinge, die ihnen neu sind und die ihrem bisherigen Weltbild widersprechen. Präsident Trump dagegen verliert sofort das Interesse, wenn etwas nicht in sein Weltbild passt.

3. Sie können zwischen Fantasie und Wirklichkeit unterscheiden

“Jedes vierjährige Kind kann zwischen Fantasie und Wirklichkeit unterscheiden”, sagt Entwicklungsforscherin Gopnik.

Zwar denken sie sich beim Spielen in andere Welten und haben sogar imaginäre Spielkameraden, doch ihnen ist bewusst, dass das, was im Spiel passiert, nicht real ist.

Präsident Trump hingegen scheint oftmals nicht zwischen seiner persönlichen Wahrnehmung und Tatsachen unterscheiden zu können.

4. Sie besitzen Mitgefühl und können selbstlos handeln

Kleinkinder erkennen, wenn es jemandem schlecht geht und versuchen Trost zu spenden, etwa durch Streicheln oder Umarmen. Ein Versuch von Gopnik zeigt, dass Kinder schon in jungem Alter sehr hilfsbereit sind: Wenn jemand einen Stift fallen lässt, laufen sie darauf zu und geben den Stift an seinen Besitzer zurück.

Im Gegensatz dazu beweist der US-Präsident immer wieder aufs Neue, wie egozentrisch er ist. Zuletzt hatte er beim Gruppenfoto während des Nato-Treffens in Brüssel den Präsidenten Montenegros beiseite geschubst.

5. Sie haben einen ausgeprägten Sinn für Moral

Schon im zarten Alter von zwei Jahren wissen Kinder, dass es unrecht ist, einem anderen Menschen Schmerz zuzufügen. Wenn sie sehen, wie eine Handpuppe einer anderen Handpuppe gegenüber Gewalt anwendet, meiden sie die angreifende Handpuppe anschließend.

Trump hingegen hat schon mehrmals seine Bewunderung für Staatsoberhäupter zum Ausdruck gebracht, die ihrem Volk schaden. Jüngst lobte er den philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte für dessen blutigen Kampf gegen illegale Drogen. Dutertes Vorgehen hat bereits tausende Menschen das Leben gekostet und wird von vielen Menschenrechtsorganisationen kritisiert.

Kindliche Charaktereigenschaften sind keine Seltenheit

Gopkin betont, dass kindliche Charaktereigenschaften in Präsidenten keine Seltenheit sind. Schließlich zeichnen Neugier, Offenheit und Einfühlvermögen ein gutes Staatsoberhaupt aus. Kurz gesagt: Es wäre schön, wenn Donald Trump tatsächlich mehr wie ein Kind wäre.

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(ks)