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28/05/2017 22:54 CEST | Aktualisiert 29/05/2017 12:19 CEST

Interne Papiere belegen, wie der Erdogan-Clan von zwielichtigen Deals profitiert hat

dpa
"Malta files" enthüllt Geldgeschäfte der Familie Erdogan

  • Interne Papiere aus den "Malta Files" enthüllen, wie der Erdogan-Clan von zwielichtigen Geschäften profitierte

  • Mit dem Scheinkauf eines Öltankers verdiente die Familie über 20 Millionen US-Dollar

  • Der türkische Milliardär Man­si­mov könnte sich mit dem Geschenk die Gunst der Familie erkauft haben

Geld und Macht: Letztere hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spätestens seit dem Verfassungsreferendum mehr als ausreichend. Über den Umfang des Reichtums des Staatschefs gibt es fortwährend Gerüchte.

Nun zeigen interne Papiere aus der Sammlung der Malta Files, wie die türkische Herrscherfamilie um Erdogan mit geheimen Geschäften zu Geld kam.

Aus den Berichten geht hervor, dass die Erdogans mit dem Scheinkauf eines Öltankers über 20 Millionen US-Dollar verdient haben.

Die Dokumente wurden von der European Investigative Collaborations (EIC) zusammengetragen, ein Zusammenschluss von 49 Journalisten aus 16 Ländern.

Erdogan pflegte enge Beziehungen zu Milliardären

Die Verwicklungen um den Erdogan-Clan gehen zurück auf das Jahr 2008. Erdogan war es gerade gelungen, das Verbotsverfahren gegen ihn und seine Partei (AKP) im letzten Moment abzuwenden.

Aus diesem politischen Konflikt ging die Familie anschließend gestärkt hervor - und konnte bis heute ihre Macht ausbauen und festigen.


Müba­riz Man­si­mov bei der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump

Auf der anderen Seite der Gleichung steht Müba­riz Man­si­mov, ei­n türkischer Mil­li­ar­där. Man­si­mov konzentrierte schon damals all seine Bemühungen auf das Ölgeschäft.

Zunächst arbeitete der gebürtige Aserbaidschaner für eine staat­li­che Schiff­fahrts­ge­sell­schaft, bis er schließlich seine eigene Firma namens Palmali gründete, die ihn schließlich zum Milliardär machte.

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Nachdem Man­si­mov Mitte der 1990er Jahre begann geschäftlich in die Türkei vorzustoßen, ging jede weitere Ausweitung seines Handels notwendigerweise mit einer Annäherung an Erdogan einher.

Die Freundschaft der beiden Männer ging schließlich so weit, dass Man­si­mov auf Bitten Erdogans im Jahr 2006 die türkische Staatsbürgerschaft und den türkischen Namen Mübariz Gurbanoglu annahm.

"Der ge­schätz­te Herr Pre­mier­mi­nis­ter frag­te mich: War­um wirst du kein tür­ki­scher Staats­bür­ger?", er­zähl­te Man­si­mov in ei­nem Inter­view mit tür­ki­schen Me­di­en.

Kredite, Geldwäsche und dubiose Firmengründungen

Im Jahr 2007 gab Man­si­mov den Bau eines Öl-Tankers bei der russischen Werft United Shipping in Auftrag. Parallel gründete Ziya Ilgen, ein Schwager Erdogans und zugleich Vermögensverwalter der Familie, eine Firma auf der Isle of Man.

Die Insel in der irischen See zwischen Irland und dem Vereinigten Königreich gilt als lukrative Steueroase.

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Durch die Firmenbeteiligung von Er­dogans äl­tes­tem Sohn Bu­rak, dessen Bru­der Mus­ta­fa sowie Erdogan selbst, ergab sich aus den Initialen der Männer schließlich der Name: Bu­merz Li­mi­ted.

Auch über die Geldgeschäfte des Schwiegersohns Be­rat Al­bay­rak und des jüngeren Sohnes Bilal Erdogan geben die "Malta Files" Aufschluss.

Zur Deckung der Kosten des Tankers nahm Bumerz Limited bei der Bank Par­ex einen Kredit in Höhe von 18,4 Millionen Dollar auf.

Die lettische Bank stand lange im Verdacht, Geld für Oligarchen und Despoten zu waschen. Parex wurde bis 2012 abgewickelt.

Mansimov übergab den Frachter den Erdogans als "Geschenk"

Ende 2007 wurde das Schiff dann fertiggestellt und nach gerade mal einjähriger Nutzung durch Mansimov an Bumerz Limited übergeben - und das ohne jegliche Gegenleistung.

Den zuvor durch Bumerz Limited aufgenommenen Kredit zahlte der Geschäftsmann in Erdogans Namen an die lettische Bank zurück.

Doch damit nicht genug: Nach Übergabe des Schiffs an Bumerz Limited nutzte Mansimovs Firma den Frachter gegen die Entrichtung einer Mietsumme weiterhin für seine Geschäfte.

Die im selben Jahr unterzeichnete Vertragsverlängerung von Seiten Mansimovs offenbart, dass er das Schiff für rund 3400 Dollar am Tag mietet.

Zusammengerechnet verdiente Erdogan durch diesen Deal bis Oktober 2015 insgesamt 21,2 Millionen Dollar.

Angesichts solch enormer Geldsummen stellt sich zwar die Frage nach einer Gegenleistung Erdogans. Die Malta Files geben darauf jedoch keine Antwort.

Dem "Spiegel" zufolge verzeichnen die Geschäfte Mansimovs nach 2008 eine starke Zunahme.

Es liegt die Vermutung nahe, dass das nicht von ungefähr kommt.

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