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28/05/2017 18:34 CEST | Aktualisiert 28/05/2017 20:16 CEST

Grünen-Politiker Habeck fordert einen Imagewechsel für die Partei - und attackiert einen Parteifreund

dpa
Grünen-Politiker Habeck fordert einen Imagewechsel für der Partei - und attackiert einen Parteifreund

  • Die Grünen sind in den Umfragen derzeit weit von ihrem Ziel entfernt: der 10-Prozent-Marke bei der Bundestagswahl

  • Der schleswig-holsteinische Grünen-Spitzenpolitiker Habeck fordert deshalb ein Umdenken in der Partei

  • Zugleich wirft er Parteikollege Trittin vor, der Partei mit Koalitionsvorschlägen geschadet zu haben

Robert Habeck hat es vorgemacht. Bei der Wahl in Schleswig-Holstein holten die Grünen fast 13 Prozent. Im Bund sind sie davon weit entfernt. Aktuell würden sie dort bei 8 Prozent landen - und wären damit gleichauf mit FDP, Linken und AfD.

Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter sieht das Rennen um Platz 3 - hinter SPD und der Union - bereits für eröffnet. Allerdings fordert Habeck Konsequenzen, damit das Ziel tatsächlich auch erreicht wird - und attackiert zugleich einen Parteifreund.

Aus Sicht des schleswig-holsteinischen Politikers muss die Partei bis zur Bundestagswahl ihr Image ändern. "Fehler und Dusseligkeiten haben dazu geführt, dass viele Menschen den Eindruck haben, die Grünen seien aus der Zeit gefallen. Das sind wir aber nicht", erklärte Habeck der "Welt am Sonntag" ("Wams").

Die Grünen müssten zeigen, dass sie leidenschaftlich und optimistisch sind: "Wir müssen die Stimmung drehen wollen. Und das schaffen wir, wenn wir auf positive Art Politik machen."

Gefangenen im Umfragetief

Schon seit Monaten verharren die Grünen in einem Umfragetief, obwohl die Zahl der Parteimitglieder mit mehr als 62.000 einen Rekordstand erreicht hat. Ziel für die Wahl am 24. September sind mehr als zehn Prozent.

Habeck zeigte sich optimistisch, dass dies zu schaffen sei: "Wir haben noch vier Monate bis zur Bundestagswahl - in der politischen Zeitrechnung eine halbe Ewigkeit. Wir können immer noch zwölf oder 13 Prozent holen. Also ran an den Speck."

Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein hatten die Grünen 12,9 Prozent erzielt, sie verhandeln zurzeit mit CDU und FDP über eine "Jamaika"-Koalition.

Gefangenen im Umfragetief

Scharfe Kritik übte Habeck auch an seinem Parteifreund Jürgen Trittin, der der FDP öffentlich eine Ampelkoalition in Kiel empfohlen hatte - mit den Worten: "Wenn man zwei große Partner zur Auswahl hat, dann nimmt man den kleineren, dann hat man mehr vom Kuchen."

Damit habe der frühere Bundesumweltminister den Grünen geschadet, sagte Habeck der "Wams": "Wer Politik zum Machtgeschacher erklärt, verliert jede Glaubwürdigkeit."

Der Grüne Umweltminister in Schleswig-Holstein habe sich sehr über Trittin geärgert. "Denn durch seinen Ratschlag an Wolfgang Kubicki war der Weg für die FDP zur Ampel noch schwieriger, faktisch verbaut. Er hat uns damit einen Bärendienst erwiesen."

Trittin: "Vielleicht eine Überdosis Realpolitik"

Trittin selbst hat inzwischen eingeräumt: "Das war vielleicht eine Überdosis Realpolitik."

Inhaltlich sei die Sache für die Grünen aber klar. "Wenn man sich anschaut, was Robert Habeck in den letzten fünf Jahren beim Ausbau der Windenergie erreicht hat, dann ist die SPD der bessere Koalitionspartner in Kiel als eine CDU, die dagegen war", sagte Trittin dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Doch die Weichen im Norden stehen auf Schwarz-Grün-Gelb. Auch deshalb schauen jetzt alle auf Habeck und den ersten - langfristigen - Versuch einer Jamaika-Koalition.

Auch wenn aus Sicht von Habeck das "gar kein Signal" für die Bundespolitik sein soll.

Mehr zum Thema: Ehe für Freunde: Die Grünen präsentieren immer wieder zuverlässig die falsche Idee zur falschen Zeit

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