Ex-SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück schießt gegen seine kriselnde Partei - die keilt zurück

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STEINBRUECK
Ex-SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück schießt gegen seine kriselnde Partei - die keilt zurück | dpa
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  • Die SPD unter Martin Schulz kämpft derzeit gegen den Abwärtstrend
  • Zur ungelegenen Zeit attackiert Kanzlerkandidaten-Vorgänger Steinbrück nun die Partei
  • Doch die Genossen Stegner und Roth springen Schulz zur Seite

Die SPD schäumt. Der ganze Zorn der Partei richtet sich gegen einen Mann, mit dem viele in der SPD nie warm wurden: Peer Steinbrück.

Der unterlag als Kanzlerkandidat Angela Merkel 2013 nach einem völlig verkorksten Wahlkampf , welcher der SPD nur 25,7 Prozent der Stimmen einbrachte.

Jetzt fährt der Ex-Finanzminister dem aktuellen Kanzlerkandidaten Martin Schulz in die Parade.

PR-Aktion oder ehrliche Kritik?

Zwar dürfte einiges, was Steinbrück in mehreren Sonntags-Interviews losgelassen hat, aufgrund seiner neuen Berufung überzeichnet sein. Denn der Noch-SPD-Politiker geht im Sommer auf Kabarett-Bühnentour. Und ein bisschen SPD-Bashing ist da sicher nicht die schlechteste Werbung.

Aber was Steinbrück, der Ende September 2016 den Bundestag verließ, von der Seitenlinie halbironisch ins SPD-Spielfeld schießt, treibt das Schulz-Team zur Weißglut.

So seien die 100 Prozent bei dessen Wahl zum Parteichef "vergiftet"gewesen, sagte er in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

"Die Partei saß plötzlich auf Wolke sieben, es hat sich ein Realitätsverlust eingestellt, und das Publikum hat sich gewundert: Steht da jetzt Erich Schulz-Honecker?", so Steinbrück.

Konter des SPD-Chef-Propagandisten

Das trieft vor Häme. Und genauso wird es in der SPD verstanden.

Bundesvize Ralf Stegner giftet gegen Steinbrück: "Andere, selbst an ihrer Hybris gescheitert, geben via Kommentaren der Partei, der sie (noch) angehören, unerbetenen schlechten Rat. Kurios."

Stegner spricht Steinbrück zugleich mangelnde Solidarität ab.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), findet Steinbrücks Einlassungen alles andere als witzig: "Das ist mies. Charakterlich. Inhaltlich. Strategisch. Taktisch."

Anders als Schulz hält Steinbrück die Konzentration auf das Thema der Gerechtigkeit nicht für ausreichend. "Es muss etwas dazu kommen, das Fortschritt, Zukunftsoptionen verdeutlicht", sagte er der "FAS".

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Zugleich riet Steinbrück der SPD in der "Bild am Sonntag" nach der Wahl von einem Bündnis mit Linken und Grünen ab. Besser wäre eine Annäherung an die FDP.

Er empfahl seinen Parteigenossen sogar FDP-Chef Christian Lindner als Vorbild: "Linder kommt an mit seinem Stil, nicht aufgesetzt, locker, das weckt Sympathien", erklärte Steinbrück der "FAS".

Steinbrück: SPD sei häufig zu verbiestert

Die SPD sollte entspannter werden. Die Genossen seien "häufig zu verbiestert, wahnsinnig überzeugt von der eigenen Mission", kritisierte Steinbrück. "Der Begriff der Heulsusen trifft gelegentlich den Gemütszustand der SPD. Nur wehe, Sie sprechen ihn aus."

Derweil geht es für die Sozialdemokraten in den Umfragen weiter bergab. Im aktuellen Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich für die "Bild am Sonntag" erhebt, rutschte die SPD erneut einen Prozentpunkt auf nunmehr 25 Prozent ab - 13 Prozent hinter der Union.

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