"Groteske Unverschämtheit": Polit-Legende von Dohnanyi rechnete bei "Anne Will" mit Donald Trump ab

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ANNE WILL
Der ehemalige Hamburger Regierungschef Klaus von Dohnanyi bei "Anne Will" | ARD Mediathek
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Die Serie von Trump-Talkabenden nimmt kein Ende. "Staatsmann oder Sicherheitsrisiko - kann Donald Trump Außenpolitik?", fragte Moderatorin Anne Will am Sonntag ihre Gäste.

Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint die Hoffnung aufgegeben zu haben, dass es mit US-Präsident Donald Trump doch noch zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit kommen könnte.

Nach dem G7-Gipfel in Italien sagte sie bei einem Bierzelt-Auftritt in München einen Satz, der überraschend offen und resigniert klang:

"Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei."

Worte, die das weltpolitische Gefüge erschüttern. Ist die transatlantische Freundschaft zwischen den USA und Europa nun vorbei? Diese Frage diskutierten folgende Gäste bei Anne Will:

● CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen
● Der ehemalige Hamburger Regierungschef Klaus von Dohnanyi (SPD)
● Der Publizist Michael Wolffsohn
● Die amerikanische Philosophin Susan Neiman
● Der "Tagesspiegel"-Journalist Christoph von Marschall

Nach Ansicht des Historikers Wolffsohn sind die Europäer selbst schuld am Aufstieg des Republikaners.

"Trump ist die Quittung für einen primitiven Anti-Amerikanismus", sagte er. Die Amerikaner seien es leid, für die Europäer "die Kastanien aus dem Feuer" zu holen, um dann dafür kritisiert zu werden.

Er ist der Ansicht, dass Trump sich nicht lange halten wird. "Ich hoffe, dass es zum Impeachment kommt", sagte Wolffsohn.

Der ehemalige SPD-Politiker von Dohnanyi nahm kein Blatt vor den Mund.

"Es gibt Leute, die sind schlecht erzogen", kommentierte er einen Einspieler, der zeigte, wie Trump beim Nato-Treffen in Brüssel den Staatschef von Montenegro zur Seite rempelt. "Kennen wir doch alle, schlecht erzogene Leute, oder?", fragt er mit einem Blick in die Runde.

Er widersprach Wolfssohn. Die Amerikaner würden nicht Europas Interessen vertreten. Aufgrund ihrer geographischen Lage hätten die USA ganz andere Interessen.

"Die Amerikaner haben Dinge angefangen, die uns Schwierigkeiten gemacht haben, von Vietnam angefangen", sagte Dohnanyi. Und fügte hinzu:

"Man kann Kriege in Vietnam führen - ist nicht das eigene Land. Man kann sie in Afghanistan führen - ist nicht das eigene Land. Man kann sie im Irak führen - ist nicht das eigene Land. Man kann sie in Syrien finanzieren - und es nicht das eigene Land."

Am Ende würde Europa "die Flüchtlinge kriegen" - während die USA mit dem Ruderboot nicht erreichbar seien. Trumps Auftritt beim Nato-Gipfel in Brüssel nannte er eine "groteske Unverschämtheit". Der US-Präsident habe die 27 Staatschefs "wie Deppen" vorgeführt.

Doch noch mehr empörte er sich über Nato-Generalsekretär Stoltenberg. Der habe sich verhalten wie ein "leitender Generalsekretär" der USA. Da er Trump nicht von dieser Rede abgehalten habe, solle er zurücktreten.

CDU-Außenpolitiker Röttgen sagte, ein Ende der transatlantischen Freundschaft sei eine "extrem schlechte Botschaft für uns". Er pflichtete von Dohnanyi bei, dass die transatlantische Gemeinschaft über die Regierung Trump reden müsse.

Nicht leicht hatte es die einzige Amerikanerin in der Runde, Susan Neiman. Sie musste sich für die Politik ihres Landes und ihres Präsidenten rechtfertigen, obwohl sie inhaltlich dieselbe Meinung wie andere Gäste auch vertrat.

"Die Frage in Amerika ist nicht, ob er Außenpolitik machen kann", sagte sie. "Sondern ob er überhaupt Politik machen kann." Die Antwort gab Neiman gleich selbst: "Kann er nicht", erklärte sie - und erntete dafür Lacher im Studio. Sie verwies auf die breite Opposition gegen Präsident Trump. "Es gibt mehr Widerstand in den USA, als irgendjemand erlebt hat", sagte sie.

So sah es auch der "Tagesspiegel"-Journalist von Marschall. Er prognostizierte ganz zum Schluss, dass sich Trump nicht lange im Amt halten werde.

"Trump wird ein blockierter Präsident sein", sagte er.

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(ll)