5 Dinge, die Donald Trump während seiner Auslandsreise über sich offenbart hat

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5 Dinge, die Donald Trump während seiner Auslandsreise über sich offenbart hat | Jonathan Ernst / Reuters
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Alle für alle und einer für sich - so lässt sich Donald Trumps Auftreten der letzten Tage am besten zusammenfassen. Der US-Präsident hat während seiner Auslandsreise einen peinlichen Faux-Pas an den nächsten gereiht.

Wer gehofft hatte, dass Trump außerhalb der USA ruhigere Töne anschlagen würde, der wurde auf ganzer Linie enttäuscht. Trump blieb Trump, auch im Ausland. Und das hatte Konsequenzen.

Diese fünf Dinge hat die Welt über Donald Trump während seiner ersten Dienstreise gelernt.

Am besten kommt Donald Trump mit Diktatoren zurecht

Trumps erste Station auf seiner Reise war Saudi Arabien - ausgerechnet. Eigentlich würde der Golfstaat perfekt in das vereinfachte Feindschema des US-Präsidenten passen: In Saudi Arabien gilt die Sharia, Kritiker werden eingesperrt oder ermordet, das Land unterstützt zudem Terroristen in der ganzen Region des Nahen Ostens.

Doch Trump hat schon in der Vergangenheit ein Faible für Diktatoren bewiesen. Saddam Hussein lobte er für seinen angeblichen Kampf gegen den Terror, Kim Jong Un hielt er für "smart" und den philippinischen Präsidenten Duterte, der in seinem Land Tausende Menschen auf der Straße niedermetzeln lässt, lobte er für dessen "Kampf gegen die Drogen".

Und so ist auch Saudi Arabien für Trump ein Verbündeter: Schon von seinen versuchten Einreise-Verbannungen gegen muslimische Länder war das Königreich ausgeschlossen gewesen. Bei seinem Besuch schoss der US-Präsident dann vor allem gegen den Iran, dem Erzfeind der Saudis, dem er die Unterstützung von Terroristen vorwarf.

Mehr zum Thema: Die Saudi-Connection: US-Präsident Trump wird in Saudi-Arabien von Interessenkonflikten verfolgt

Von den Verbrechen gegen die Menschlichkeit der saudischen Diktatoren war da keine Rede. Stattdessen fühlte sich Trump in den opulenten Palasthäusern in der Hauptstadt Riad sichtlich wohl. Kein Wunder, gelang ihm hier doch einer der wenigen Erfolge auf seiner Reise: Ein Waffendeal im Wert von 110 Milliarden US-Dollar.

Trump versteht Politik und Diplomatie als Machtkampf

Trump ist mehr Geschäftsmann, als Präsident. Eines seiner Hauptargumente im Wahlkampf war, dass er als erfolgreicher Milliardär schon verstehe, wie er die USA mit den richtigen Deals wieder großartig machen könne - und zwar, indem er jeden, der nicht spurt, unter Druck setzt.

Trumps Auslandsreise zeigte dann auch, dass der US-Präsident nicht zu einer Diplomatie mit der feinen Klinge fähig ist. Sondern nur zu einer mit dem Vorschlaghammer. In Brüssel beschwerte sich Trump so offen und hinter verschlossenen Türen über alles und jeden.

Die Deutschen seien "sehr, sehr schlecht", sagte er bei einem Treffen mit dem EU-Kommissionspräsidenten Juncker. Trump finde das Ungleichgewicht im deutsch-amerikanischen Handel nunmal unfair, sagte dazu sein Sprecher Sean Spicer.

Auch seine Rede nach dem Gipfel-Treffen der Nato nutzte Trump für eine Attack auf seine politischen Partner. Eigentlich sollte er ein Grußwort zu Einweihung eines Denkmals für die Opfer der Attacke auf das World Trade Center halten. Stattdessen hielt er den restlichen Nato-Mitgliedern vor, nicht genug Geld für Militärausgaben zu verwenden und damit die USA zu belasten.

Die versteinerten Mienen der versammelten Staatschefs zeigten deutlich, was diese von Trumps Verhalten hielten.

Trump hat es sich auf einen Schlag mit den Verbündeten der USA verscherzt

Nämlich wenig bis gar nichts. Trump hat es auf seiner Auslandsreise innerhalb kürzester Zeit geschafft, die USA international zu isolieren. Aus seinem "America First" ist im Zusammentreffen mit den anderen Mächtigen der Welt ein "America Alone" geworden.

Trump verscherzt es sich durch seine dreisten Forderungen und Äußerungen mit Partnern, die seit Jahrzehnte an der Seite der USA stehen - und umgekehrt. Gleichzeitig macht er Deals mit Staaten wie Saudi Arabien, in die die westliche Welt weniger Vertrauen hat.

Trump hat nicht verstanden, dass Außenpolitik auch etwas mit äußeren Bedingungen, Partnern und Gemeinschaften zu tun hat. Für ihn ist sie schlichtweg eine Erweiterung seiner rigorosen Innenpolitik: Handelsverträge, Militärbündnisse, politische Abkommen - all das muss sich für Trump stets auf den Profit der USA ausrichten.

So spaltet Trump den Westen. Er vergrault seine Nato-Partner und auch die Europäische Union. Freuen kann sich darüber nur einer: Der russische Präsident Wladimir Putin.

Trump blockiert mit seiner Agenda Fortschritte bei wichtigen globalen Themen

Klimaschutz, Handelspolitik, Migration - bei all diesen Themen blockiert Trump in den Verhandlungen in Brüssel. Der G7-Gipfel der westlichen Industriestaaten droht wegen ihm zu einem Fiasko zu werden.

Trump droht den Partnerländern damit, aus dem Paris Abkommen über den Klimaschutz auszusteigen. Er ist beim Thema Freihandel zu keinerlei Kompromissen bereit und pocht auf seinen wirtschaftlichen Abschottungskurs der USA. Und in der Flüchtlingspolitik verhinderte Trump einen umfassenden Plan zur Bewältigung der Krise und brüskierte damit Gastgeber Italien.

Im Abschlusskommuniqué wird auf Forderung der USA nur ein kurzer Passus zu Flüchtlingen aufgenommen, der Sicherheitsfragen hervorhebt. "Wir bestätigen die souveränen Rechte der Staaten, ihre Grenzen zu kontrollieren und klare Grenzen für die Zuwanderung zu setzen", heißt es in dem Entwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Am Samstag hieß es zudem aus Diplomatenkreisen, dass die G7-Staaten ihre Differenzen zum Thema Klimapolitik nicht überbrücken konnten - wegen Trump. In der Abschlusserklärung werde deutlich gemacht, dass sich die USA im Gegensatz zu den sechs anderen Ländern nicht klar zum Pariser Klimaabkommen bekennen wollen.

Beobachter des Gipfels zeigten sich entsetzt von Trumps Verhalten. "Ich habe noch nie einen solchen Gipfel erlebt", sagte die Vertreterin einer Entwicklungsorganisation. Ein Vertreter von Oxfam sagte: "Der Ansatz der USA, dass die anderen ihre Haltung akzeptieren müssen oder dass sonst nichts möglich ist, schafft kein Vertrauen."

Trump fühlt sich in seiner Rolle als Politiker nicht wohl

Mit Diktatoren gemauschelt, die eigenen Partner vergrault und wichtige politische Entscheidungen blockiert - als Diplomat hat Donald Trump auf seiner Auslandsreise augenscheinlich versagt. Doch auch menschlich sorgte Trump für einige Irritationen.

Ob bei seiner Audienz beim Papst oder auch bei den Treffen mit den Vertretern anderer Nationen und der EU in Brüssel: Stets machte Trump eine buchstäblich schlechte Figur. Die Körpersprache des US-Präsidenten war hoch angespannt und abweisend.

Sinnbildlich dafür: Bei einem Fototermin mit den weiteren Regierungschefs der Nato-Mitglieder schob Trump den Premierminister Montenegros, Dusko Markovic, grob zur Seite, um sich in die erste Reihe zu drängen.

Trumps brüskes Auftreten erntete die entsprechenden Reaktionen: Der US-Präsident wurde von den meisten Politikern, die er auf seiner Reise antraf, strategisch gemieden. Manche zeigten ganz bewusst, was sie von Trump hielten - wie der französische Präsident Macron.

Die Regierungs- und Staatschefs der EU und NATO haben sich - wohl oder übel - mit Trump arrangiert. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus Trumps erster Auslandsreise ist vielleicht also diese: Die Welt hat gelernt, mit Trump, mit seinem narzisstischen, grobschlächtigen und gernegroßen Gehabe umzugehen. Doch Trump hat noch nicht gelernt, mit der Welt richtig umzugehen.

Mit Material der dpa

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