Medienbericht: Martin Schulz verliert an Rückhalt in der SPD

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Martin Schulz befindet sich im Sturzflug | Gregor Fischer/dpa
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  • Der Höhenflug der SPD unter Martin Schulz ist vorbei - und der Spitzenkandidat verliert an Rückhalt
  • Laut dem "Spiegel" glauben die ersten Sozialdemokraten, dass Schulz' Vorgänger Sigmar Gabriel doch der richtige Kandidat gewesen wäre
  • Auch Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück meldete sich zu Wort: Die SPD solle ein Bündnis mit der Linkspartei ausschließen

Der Höhenflug des ehemaligen Europapolitikers Martin Schulz im Bund scheint beendet. So sehr beendet, dass es mittlerweile selbst die SPD zu begriffen haben scheint.

Denn laut eines Berichts des "Spiegels" würde bei den Sozialdemokraten ausgerechnet Außenminister Sigmar Gabriel - der zuvor angesichts der Umfragen absolut keine Chance auf das Kanzleramt gehabt hätte - hinter vorgehaltener Hand als der bessere Kandidat für die Bundestagswahl gehandelt.

"Spä­tes­tens nach der NRW-Wahl hät­ten die mich ge­killt"

Dabei hatte die Ernennung von Martin Schulz zum Vorsitzenden der SPD und Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl im September eine unglaubliche Euphorie ausgelöst.

Dass Gabriel seinen Posten aufgab, schien geradezu eine Erlösung für die Partei zu sein. Doch der anfangs umjubelte Schulz-Effekt hielt nicht lange an.

Wäre Gabriel also vielleicht doch der bessere Kandidat gewesen? Der amtierende Außenminister verneint die Gerüchte um seine Person im "Spiegel" entschieden. "Wenn ich Kanz­ler­kan­di­dat ge­we­sen wäre, wäre ich jetzt nicht mehr Kanz­ler­kan­di­dat“, erklärte er dem Magazin. "Spä­tes­tens nach der NRW-Wahl hät­ten die mich ge­killt."

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Wahrscheinlich hat Gabriel mit seiner Einschätzung nicht ganz unrecht. Erst der Wechsel ins Amt des Außenministers habe für ihn einen Wandel ausgelöst, beruflich und privat, sagte er dem "Spiegel".

Eigenen Angaben zufolge habe er weniger Stress, sei entspannter und habe nach Jahren des vergeblichen Versuchens sogar Gewicht verloren. Darüber hinaus steht seine Partei zum ersten Mal seit langem wieder hinter ihm.

Für Kanzlerkandidat Schulz hingegen fängt der Stress jetzt erst an. Der Sturzflug des Würseleners ist nicht aufzuhalten - und bewegt jetzt sogar SPD-Spitzenpolitiker zu öffentlichen Seitenhieben.

Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück meldet sich zu Wort

In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" ("Bams") sagte Ex-Kanzlerkandidat und Neu-Satiriker Peer Steinbrück, dass er der SPD strikt von einer Koalition mit der Linkspartei abrate.

"Un­be­nom­men der Kri­tik an der ,Aus­schlie­ße­ri­tis': Ja, ich glau­be, dass die SPD gut be­ra­ten ist, Spe­ku­la­tio­nen über Rot-Rot-Grün die Grund­la­ge zu ent­zie­hen. Der Flirt mit die­ser Kon­stel­la­ti­on wird nicht be­lohnt", erklärte Stein­brück der "Bams".

Ein klares Signal an den strauchelnden Martin Schulz: Der hatte unlängst bei einem Wahlkampfauftritt die Koalition mit der Linkspartei nicht ausgeschlossen.

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„Wer nach der Bundestagswahl meint, auf der Grundlage unseres Wahlprogramms mit uns zusammenarbeiten zu können, soll auf uns zukommen”, hatte Schulz auf Nachfrage gesagt.

Steinbrück teilt gegen Parteigenossen aus

Steinbrück teilte jedoch nicht nur gegen Schulz aus, sondern kritisierte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") die generelle Haltung seiner Partei seit der Ernennung Schulz' zum Kanzlerkandidaten.

„Die Partei saß plötzlich auf Wolke sieben, es hat sich ein Realitätsverlust eingestellt und das Publikum hat sich gewundert: Steht da jetzt Erich Schulz-Honecker?“

Er empfahl seinen Parteigenossen FDP-Chef Christian Lindner als Vorbild: "Linder kommt an mit seinem Stil, nicht aufgesetzt, locker, das weckt Sympathien", sagte Steinbrück der "FAS".

Die SPD, sagte Steinbrück, sei „häufig zu verbiestert, wahnsinnig überzeugt von der eigenen Mission“. Der Begriff der "Heulsusen" treffe gelegentlich auf den Gemütszustand der SPD zu.

Für Kanzlerkandidat Schulz gilt jetzt darauf zu achten, das die Zusammenarbeit in den eigenen Reihen gewährleistet ist.

Trotz der Niederlagen bei allen drei Landtagswahlen in diesem Jahr muss Schulz eine Entmachtung aber wohl nicht fürchten: Die SPD müsse weiter auf ihren Kanzlerkandidaten setzen, glaubt auch Peer Steinbrück: "Man kann die Pferde nicht mitten im Galopp wechseln."

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