Die Ermittlungen gegen Jared Kushner sind eine Katastrophe für Donald Trump - und gute Nachrichten für Stephen Bannon

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  • Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, steht im Fokus des FBI
  • Die US-Bundespolizei will die Verbindungen Kushners nach Moskau untersuchen
  • Für Trump ist das eine Katastrophe
  • Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr zusammengefasst auch im Video oben

Jared Kushner ist Donald Trumps Mann fürs Grobe. Und fürs Feine. Überhaupt für alles, was im Weißen Haus dieser Tage noch mit Politik zu tun hat.

Kushner fädelt Waffendeals mit Saudi Arabien ein, organisiert Treffen mit ausländischen Staatschefs und ist in der Trump-Truppe für die Umstrukturierung der kompletten US-Regierung sowie den Frieden im Nahen Osten verantwortlich.

Trump traut Kushner viel zu. Für den US-Präsidenten ist es deshalb eine Katastrophe, dass Kushner nun in den Fokus des FBI geraten ist. Denn die US-Bundespolizei untersucht Kushners Verbindungen nach Russland - und von denen gibt es viele.

Treffen mit Putin-Vertrauten

► So gab Kushner bei seiner Sicherheitsüberprüfung für Mitarbeiter des Weißen Hauses dutzende Kontakte mit ausländischen Regierungschefs und -mitarbeitern nicht an, die er in den letzten sieben Jahren hatte.

Darunter war auch ein Treffen mit dem russischen US-Botschafter, Sergei I. Kisljak. Kushner traf sich auch mit Sergej Gorkow, dem Präsidenten der mit Sanktionen belegten russischen VneshEconomBank. Gorkow werden enge Kontakte zum russischen Präsidenten Wladimir Putin nachgesagt.

Das muss Trump nervös machen. Nicht nur, weil Kushner für den US-Präsidenten nun zu einer Gefahr in der Russland-Affäre wird, sondern auch, weil Trump seinen Schwiegersohn jetzt nicht mehr als seinen unfehlbaren Protegé im Weißen Haus behandeln kann.

Mehr zum Thema: Der Scheinriese: Wie Trumps Schwiegersohn an seinen Aufgaben im Weißen Haus scheitert

Das ist die Chance für den Mann, den Kushner aus Trumps Gunst verbannt hat: Trumps umstrittenen Berater Stephen Bannon.

Rückkehr des Schattenpräsidenten?

Zwischen Kushner und Bannon tobt schon länger ein Machtkampf um die Vorherrschaft im Weißen Haus.

Der ehemalige "Breitbart"-Chef - lange als Trumps Schattenpräsident betitelt - hatte zuletzt klar an Bedeutung verloren. Trump warf Bannon aus dem Nationalen Sicherheitsrat, rückte von seiner staatsfeindlichen Revoluzzer-Linie ab und bemühte sich stattdessen, auf Anraten Kushners, um ein präsidialeres Auftreten.

Die Nachrichtenseite "The Daily Beast" berichtete schon Anfang April davon, dass Kushner und Bannon seit Wochen tief zerstritten seien.

Demnach sei Bannon laut einem Mitarbeiter des Weißen Hauses besorgt darüber, dass Kushner "ihn zur Tür hinaus werfen" wolle. Der Beamte sagte "Daily Beast": "Steve hat letztens bei uns Dampf abgelassen und Kushner als "Globalist" und "gehörnten Ehemann" beschimpft."

► Auch die "New York Times" berichtete vom Zerwürfnis der beiden Trump-Berater. Laut der Zeitung erzählte Bannon mehreren Mitarbeitern im Weißen Haus, er glaube, Kushner habe Kontakte zu den Russen. Zudem glaube er, dass es deshalb Schwierigkeiten geben werde.

Die gibt es nun.

Doch der Ärger um die Russland-Kontakte Kushners liefert Bannon eine Steilvorlage in seinem persönlichen Kampf gegen den Präsidenten-Schwiegersohn.

Kushners Vergangenheit liefert Bannon Munition

Bisher ist Bannon von dem Skandal um die Russland-Verbindungen des Trump-Lagers nicht betroffen. Allein schon deshalb kann er Kushner jetzt intern diskreditieren.

Denn nicht nur die Ermittlungen durch das FBI machen Kushner angreifbar - auch seine Vergangenheit:

► So sagte Asher Abehsera, ein ehemaliger Geschäftspartner Kushners, dem "New York Magazine" im Januar: "Er hat einen sehr schlichten Verstand. Ich glaube, diese Einfachheit erlaubt es ihm, manche Dinge auszublenden."

► Mehrere Quellen berichteten dem Magazin "Tablet" zudem über Kushner, dass dieser nicht gerne lese und mit Büchern und Zeitungen nichts anfangen könne.

Das Magazin "Esquire" schrieb zudem, dass Kushners Schulnoten nie für seine Aufnahme an der Universität Harvard gereicht haben dürften. Er wurde erst kurz nach einer Millionenspende seines Vaters an die Elite-Schule zugelassen. Zufall?

Für einen politischen Berater des mächtigsten Mannes der Welt eine fragwürdige Bilanz.

Und glaubt man Harleen Kahlon, die 2010 die Digitalausgabe von Kushners Zeitung "The Observer" leitete, steht auch die persönliche Eignung Kushners in Frage.

"Wir sprechen über einen Mann, der nicht sonderlich klug oder fleißig ist, der eigentlich von nichts eine Ahnung hat, der sich jeden seiner Erfolge bloß erkauft hat (mit Geld, dass er von seinem kriminellem Vater bekommen hat)", schrieb Kahlon bei Facebook.

"Er ist tief verunsichert und besessen davon, berühmt zu sein. Du kaufst dir ja nicht eine Zeitung, heiratest Ivanka Trump oder sprichst am Telefon ständig davon, welche Stars du getroffen hast, wenn es in deiner Natur liegt das Scheinwerferlicht zu meiden".

Trumps "Scheißkerl"

Zusammengefasst sei Kushner laut Kahlon einfach nur ein "Scheißkerl".

Das mag Kushner tatsächlich sein - doch auch wenn es so ist, dann ist er immer noch Trumps "Scheißkerl". Der Präsident der USA hat in den ersten Monaten seiner Amtszeit vor allem eines klar gemacht: Die Familie geht vor. Auch vor Politik und Regierungsarbeit.

Wie lange Trump an Menschen festhält, die sein Vertrauen gewonnen haben, zeigt der Fall Michael Flynns: Trump wusste seit Wochen, dass Flynn Kontakte zu Russland verheimlicht hatte - und doch nahm er ihn immer wieder in Schutz.

All den Bemühungen Bannons und des FBIs zum Trotz: Donald Trump wird auch seinen Schwiegersohn nicht so einfach fallen lassen.

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(lp)

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