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26/05/2017 19:36 CEST | Aktualisiert 26/05/2017 19:41 CEST

Jeder siebte Deutsche stirbt vorzeitig am Rauchen - kaum Rückgang der Raucher seit 1990

Peter Zelei Images via Getty Images
Jeder siebte Deutsche stirbt frühzeitig an den Folgen von Tabakkonsum.

  • Jeden Tag sterben alleine in Deutschland 300 Menschen an den Folgen von Tabakkonsum

  • Eine Studie zeigt nun, dass hierzulande jeder siebte frühzeitige Tod mit Rauchen in Verbindung steht

  • Ein möglicher Grund: Mit 330.000 Zigarettenautomaten ist Deutschland global führend

Wir sind Weltmeister! Nur leider dieses Mal nicht im Fußball. Eine in der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Studie zeigt, wie gravierend die Folgen des Rauchens hierzulande sind.

Nicht nur der Weltrekord, den Deutschland mit rund 330.000 öffentlichen Zigarettenautomaten aufstellt, ist beunruhigend.

Auch bei der Tabakkontrolle und der Entwicklung der Anzahl von Menschen, die rauchen, schneidet Deutschland im globalen Vergleich mangelhaft ab.

Jährlich 110.000 Raucher-Tote in Deutschland

Die Studie zeigt, dass jährlich 110.000 Deutsche, also jeder siebte, frühzeitig an den Folgen von Tabakkonsum sterben.

„Folgeschäden des Rauchens sind hierzulande die häufigste Todesursache“, unterstreicht Prof. Dr. Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences.

Mit etwa 16,3 Millionen Rauchern liegt Deutschland unter den Top 10 der Länder, in denen am meisten Tabak konsumiert wird.

Obgleich der allgemeine Konsum global in den letzten Jahrzehnten abgenommen hat, blieb die Anzahl der Raucher in Deutschland konstant. Selbst die steigenden Tabakpreise hatten auf diese Entwicklung einen geringen Einfluss.

Lediglich 0,9 Prozent weniger Männer und 0,3 Prozent weniger Frauen greifen seit 1990 nicht mehr zur Zigarette. Eine enttäuschende Bilanz.

Jugendlichen sollte der Zugang zu Zigaretten erschwert werden

Stöver kritisiert, dass Rauchen in Deutschland weiterhin ein sichtbares Gesellschaftsphänomen ist.

"Deutschland ist das einzige Land in Europa, das noch uneingeschränkt Tabakaußenwerbung erlaubt, das darf nicht sein," erklärte der Forscher.

Darüber hinaus genüge der Versuch, Jugendliche mit Ausweiskontrollen an Automaten vom Kauf der Zigaretten abzuhalten, einfach nicht aus. Er fordert die Abschaffung der Automaten im öffentlichen Raum.

Mehr zum Thema: An diesen Drogen sterben die meisten Menschen

"Die Registrierung per Bankkarte oder Personalausweis als volljährige Person war zwar ein richtiger Schritt zum Schutz der Jugendlichen, kann aber leicht umgangen werden und geht mir nicht weit genug", erklärte Stöver.

Deutschland muss mehr Prävention betreiben

Allgemein werde einfach zu wenig Prävention betrieben, kritisiert der Suchtexperte.

Während auf der einen Seite das Rauchen in öffentlichen Räume komplett verboten wird, werden Maßnahmen zur Unterstützung von Menschen, die aufhören wollen, nicht ausreichend gefördert.

„Die Tabakpolitik setzt in Deutschland einseitig auf Abstinenz, während schadensminimierende Strategien für diejenigen Raucher, die noch nicht aufhören können oder wollen, tabuisiert werden. Rauchreduktionsprogramme und E-Zigaretten sollten hier bedeutendere Rollen einnehmen, wie es in anderen Ländern – etwa in England – bereits erfolgt ist“, fordert Stöver.

Mehr zum Thema: Rauchverbot. Die Grenzen der Freiheit

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(mf)

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