Liebe Gen Y, wenn ihr die Welt verbessern wollt, müsst ihr Kinder kriegen

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HIPSTER MOTHER BERLIN
Young couple at home relaxing with their new born child on couch | Hinterhaus Productions via Getty Images
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​Geht es um die Familienplanung, höre ich immer öfter Aussagen wie: “In diese unsicheren Welt möchte ich keine Kinder setzen.” Als ich diese Worte zum ersten Mal hörte, nickte ich noch zustimmend. Ich dachte an Kriege, Terror und die immensen Umweltprobleme, die schon jetzt auf dieser Erde herrschen.

Allein der Terroranschlag in Manchester, der sich gezielt gegen Kinder und Jugendliche richtete, lässt mich zweifeln, ob mein Nachwuchs eine gesicherte und angstfreie Zukunft in dieser Welt hätte. Mein Alltag wird schon jetzt durch Schreckensnachrichten bestimmt. Ich sehe Kinder in Afrika verhungern, Flüchtende im Meer sterben und Tierarten verschwinden. Dass das irgendwann besser werden könnte, bezweifle ich.

Unsere Welt wird sich ohne Kinder nicht verbessern

Aber wer könnte dafür sorgen, dass sich etwas verändert, wenn nicht wir? Ich entwickelte ein Unverständnis für Menschen, die sich mit einem “Keine Kinder in diese unsichere Welt setzen”-Argument von ihrer Nachwuchsplanung verabschieden. Es ist wie nicht wählen gehen, weil sowieso irgendwann die AfD an die Macht kommt. Sie stehlen sich aus ihrer Verantwortung.

Wie soll sich die Welt verändern, wenn es nach uns niemanden mehr gibt, der unsere Vorstellungen einer besseren Zukunft umsetzen kann?

Wozu bekommt der Mensch Nachwuchs? Abgesehen von der Erhaltung unserer Art, spielt ein Faktor eine essentielle Rolle: Der Wunsch etwas von uns selbst weiterzugeben.

Dabei spreche ich nicht von den eigenen Genen, die über den Erdball verteilt werden sollen, das funktioniert schließlich automatisch. Ich spreche von den eigenen Werten, den Einstellungen, die wir unseren Kindern mit auf den Weg geben.

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Wie soll sich diese Welt verändern, wenn es nach uns niemanden mehr gibt, der unsere Vorstellungen einer besseren Zukunft umsetzen kann? Wir können uns zwölf Stunden am Tag mit dem Retten von Walen oder dem Pflanzen von Bäumen beschäftigen, das alles wird uns nichts bringen, wenn es nach uns niemand fortführt.

Überlasst das Feld nicht den Falschen

Ihr wollt keine Kinder in diese unsichere Welt setzen? Dann findet euch damit ab, dass die Zukunft nicht besser sein wird. Diese Welt wird sich nicht verändern, wenn die immer gleichen Köpfe sich über sie Gedanken machen. Wollt ihr das Feld denjenigen überlassen, die zwar snapchatten können, aber nie ein Buch zu Ende gelesen haben?

“Auf der Welt leben genug Menschen, da kommt es auf meinen zukünftigen Nachwuchs auch nicht an” - das Argument der Weltüberbevölkerung lasse ich nicht gelten. Jeden Tag, wenn ich durch die verschiedenen TV-Kanäle zappe, bin ich aufs Neue schockiert, wie viel Dummheit doch auf diesem Planeten existiert.

Wenn ich mich aus der Nachwuchsdebatte heraushalte, überlasse ich den Menschen das Feld, über die ich sonst nur den Kopf schüttle. Dann sind es die Nachkommen dieser Leute, die über unsere Zukunft entscheiden. Will ich das? Aber sowas von gar nicht.

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Es braucht kluge Köpfe, um die Probleme dieser Welt zu lösen. Aber was ist, wenn diese klugen Köpfe nie geboren werden? Was, wenn ihre möglichen Eltern das Feld denjenigen überlassen haben, die zwar gut snapchatten können, aber noch nie ein Buch bis zum Ende gelesen haben?

Wir sind gebildet wie keine Generation vor uns, aber immer weniger Akademiker bekommen Kinder. Diese Entwicklung war zwar in den letzten Jahren wieder rückläufig, ist aber trotzdem ernst zu nehmen. Das macht mich wütend. Wo ist bitte euer Drang geblieben, euer Wissen und eure Erfahrungen weiterzugeben?

Ich möchte meine Lebenserfahrung nicht umsonst gesammelt haben

Ich freue mich jetzt schon so unglaublich darauf, meinen zukünftigen Kindern die Welt zu erklären. Ich will ihnen beibringen, dass es keine Unterschiede zwischen Menschen mit verschiedenen Hautfarben gibt.

Ich möchte mit ihnen durch die Natur laufen, stundenlang kleine Käfer angucken und beobachten, wie fasziniert Kinder von den kleinen Dingen sein können, die wir Erwachsenen so gerne übersehen. Ich möchte meine Lebenserfahrung nicht umsonst gesammelt haben.

Ich möchte Werte vermitteln, die mir schon meine Eltern mit auf den Weg gegeben haben. Diese Werte, die mich bis jetzt so erfolgreich durchs Leben getragen haben. Denn ich glaube, das kann dazu beitragen, die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.

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Wer sich gegen Kinder entscheidet, gibt das Zepter aus der Hand

Kinder zu bekommen ist kein Egoismus, wie es gerne dargestellt wird, es ist eine Notwendigkeit, um dafür zu sorgen, dass unser Erreichtes fortgeführt werden kann. Unsicherheiten in der Weltlage gab es schon immer.

Was wäre gewesen, wenn sich unsere Großeltern oder Eltern gegen uns entschieden hätten, weil ihnen die politische Lage zu instabil gewesen wäre? Wir wären nicht geboren und hätten keine Chance bekommen dafür zu sorgen, dass eben genau diese Weltlage wieder ins Gleichgewicht kommt.

Wer sich aufgrund von Politik oder der angegriffenen Umwelt gegen Kinder entscheidet, gibt das Zepter aus der Hand. Er verschenkt die Chance Einfluss auf das zu nehmen, was mit unserer Gesellschaft passiert, wenn wir irgendwann nicht mehr sind.

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