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25/05/2017 16:13 CEST | Aktualisiert 25/05/2017 17:10 CEST

Leaks nach Manchester-Anschlag: Premierministerin May will US-Präsident Trump mit Vorwürfen konfrontieren

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Leaks nach Manchester-Anschlag: Premierministerin May will US-Präsident Trump mit Vorwürfen konfrontieren

  • Die britische Regierung wirft den US-Geheimdiensten vor, vertrauliches Material zum Manchester-Anschlag weitergegeben zu haben

  • Trump will das Justizministerium mit Ermittlungen zu dem Fall beauftragen

Wenn die britische Premierministerin Theresa May am Donnerstag in Brüssel auf US-Präsident Donald Trump trifft, will sie ihn nach Fotos in der “New York Times” fragen.

Denn die Zeitung war zu schnell für ihren Geschmack. Schon wenige Stunden nach dem Anschlag in Manchester am Montagabend veröffentlichte die “New York Times” eine forensische Aufnahme vom Tatort. US-Geheimdienstquellen sollen sie der Zeitung zugespielt haben.

Am Rande des Nato-Gipfels in Brüssel will Theresa May daher Trump wegen des Leaks zur Rede stellen. Der US-Präsident hat sich besorgt über die Veröffentlichungen gezeigt. Er kündigte bereits an, das Justizministerium um Ermittlungen in dem Fall zu bitten.

Fotos zeigen Teile der Bombe

Die britische Regierung kritisierte die US-Geheimdienste scharf wegen der undichten Stellen. “Das ist komplett inakzeptabel”, hieß es aus Regierungskreisen.

Die Fotos zeigen offensichtlich einen Zünder, Metallmuttern und Schrauben sowie einen blauen Rucksack, in dem die Bombe gewesen sein könnte.

Auch der Name des Attentäters Salman Abedi war bereits am Dienstagabend in US-Medien aufgetaucht - bevor die britischen Behörden die Information am Mittwoch bestätigten.

Wie die britische Zeitung “The Guardian” berichtet, stammen die Fotos der “New York Times” aus dem forensischen Material der britischen Ermittler.

Polizei soll Zusammenarbeit mit den USA gestoppt haben

Die Polizei von Manchester will nach einem Bericht des britischen Senders BBC keine Informationen über den Terroranschlag mehr an die USA liefern.

Man sei “wutentbrannt”, weil Bilder vom Tatort und der Name des Attentäters noch vor der Veröffentlichung in Großbritannien von US-Medien publiziert worden seien.

Leaks haben Ermittlungen unterhöhlt

Die Nationale Britische Anti-Terrorpolizei erklärte, die undichten Stellen unterhöhlten die Ermittlungen. Man schätze die wichtigen Beziehungen zu Geheimdiensten, Polizei und Sicherheitspartnern weltweit hoch ein.

"Wenn dieses Vertrauen gebrochen wird, untergräbt das diese Beziehungen und untergräbt unsere Ermittlungen und das Vertrauen der Opfer, Zeugen und ihrer Familien", sagte ein Sprecher. Der Schaden sei noch größer, wenn mögliche Beweise mitten in einer großen Anti-Terror-Ermittlung unerlaubt veröffentlicht würden.

Innenministerin Amber Rudd sagte dem Sender BBC Radio 4 noch vor Veröffentlichung der Fotos, die Lecks in den USA seien irritierend. Sie sei gegenüber “unseren Freunden” sehr deutlich gewesen, dass so etwas nicht noch einmal passieren sollte.

Trump muss Vertrauen zurückgewinnen

Neben dem Konflikt mit Nato-Partnern muss US-Präsident Donald Trump am Donnerstag also auch die Spannungen zwischen seinem Land und Großbritannien entschärfen.

Die Leaks folgen nach einer brisanten Episode im Weißen Haus: US-Präsident Donald Trump soll gegenüber dem russischen Außenminister streng geheime Informationen weitergegeben und eine Geheimdienstquelle gefährdet haben.

Trump muss May in Brüssel also davon überzeugen: Geheime Informationen werden in den USA auch weiterhin als geheim behandelt.

Am Donnerstag zeigte sich Trump bei der Eröffnung des neuen Nato-Hauptquartiers in Brüssel tief besorgt. "Diese Leaks sensibler Informationen sind eine ernste Bedrohung unserer nationalen Sicherheit", sagte er.

Trump kündigte Ermittlungen an. "Keine Beziehung ist uns wichtiger als die besondere Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich", fügte er hinzu.

+++ Update: Text ist um die Äußerungen des US-Präsidenten aktualisiert +++

Mit Material der dpa

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(ks)

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