Verhaftungen und Leaks: Die 4 wichtigsten Entwicklungen nach dem Manchester-Anschlag

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MANCHESTER
In Großbritannien suchen die Sicherheitskräfte nach weiteren möglichen Mittätern und sichern die Straße. | Neil Hall / Reuters
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  • Die Familie des mutmaßlichen Bomben-Attentäters von Manchester steht im Fokus der Ermittlungen
  • Der Vater sowie Brüder des Selbstmordattentäters sind in Haft
  • Von der "New York Times publizierte Bilder werden zur Staatsaffäre

Nach dem Bomben-Anschlag auf ein Konzert in Manchester hat die Polizei mehrere Verdächtige verhaftet. Ein Bericht in der "New York Times" sorgt derweil für Verstimmungen zwischen Großbritannien und den USA. Das sind die wichtigsten Ereignisse im Überblick:

1. Veröffentlichungen von Tatort-Bildern empören die britischen Ermittler

Die britischen Ermittlungsbehörden zeigten sich am Mittwoch verärgert darüber, dass die US-Zeitung "The New York Times" Fotos aus Manchester publizierte. Die Bilder sollen den Tatort zeigen und scheinen von Polizisten zur Beweissicherung angefertigt worden zu sein.

Darauf zu sehen sind die Überreste eines Rucksackes, Schrauben und Muttern sowie ein Gerät, das dem Selbstmordattentäter als Bomben-Zünder gedient haben soll.

Andy Burnham, Bürgermeister des Großraumes Manchesters, hat sich beim US-Botschafter darüber beschwert, dass Informationen an die Öffentlichkeit gerieten. Er und die Polizei von Manchester hätten bereits am Montagabend beschlossen, dass man vorsichtig mit Informationen an die Öffentlichkeit gehen wolle, sagte Burnham dem Nachrichtensender BBC. Ihr Ziel sei es gewesen, die Polizeiarbeit nicht durch zu früh veröffentlichte Informationen zu gefährden.

"Und trotzdem kamen die ersten Meldungen aus den USA. Das ist beunruhigend, denn wir benötigen internationale Kooperation, wenn es darum geht, Informationen zu teilen", sagte der Magistrat zu BBC.

Die britische Vereinigung der Polizei-Chefs bestätigte in einer Erklärung, die "Leaks" würden die Polizeiarbeit gefährden. "Die nicht bewilligte Veröffentlichung von möglichen Beweisen" zum Bombenanschlag von Manchester an US-Medien "gefährde unsere Ermittlungen sowie das Vertrauen von Opfern, Zeugen und deren Familien".

Die "Leaks" sowie die Publikation von US-Medien der Fotos werden nun gar zur Staatsaffäre: Die britische Zeitung "The Guardian" schreibt am heutigen Donnerstag, Premierministerin May wolle US-Präsident Donald Trump auf die Veröffentlichungen ansprechen:

2. Die Polizei hat weitere Verdächtige festgenommen

Die Sicherheitskräfte gehen weiter gegen das mutmaßliche Terror-Netzwerk vor. Polizei von Manchester und Umgebung meldete am späten Mittwochabend über Twitter, sie habe in der Stadt Nuneaton Häuser durchsucht. Dabei sei ein Mann verhaftet worden.

Zuvor hatte die Polizei bekanntgegeben, bei einer Durchsuchung in Blackley, einem Stadtteil von Manchester, sei eine Frau in Gewahrsam genommen worden. Ein Augenzeuge berichtete der BBC, um 18:30 Uhr habe er einen lauten Knall gehört. Danach erklangen Sirenen, und er beobachtete bewaffnete Polizisten durch ein Fenster. Nach einem weiteren Knall und nach 20 Minuten sei dann eine Frau von den Sicherheitskräften abgeführt worden.

Insgesamt habe man mittlerweile sechs Männer sowie eine Frau in Haft gebracht. Diese würden in Haft bleiben, um befragt werden zu können, meldete die Polizei.

Viele britische Zeitungen bringen die Berichte zu den Hausdurchsuchungen und anderen Polizei-Aktionen heute Donnerstag auf der Frontseite.

So schreibt etwa die "Financial Times": "Die Polizei macht Jagd auf ein Terror-Netzwerk, das einen Bezug zum Bombenanschlag auf das Konzert in Manchester haben soll."

Der "Daily Express" titelt ähnlich und schreibt auf der Frontseite: "Jagd auf den Bombenbauer. Ein Wettrennen der Polizei, um einen weiteren Terror-Anschlag zu verhindern".

3. Die Polizei hat die Opfer identifiziert und mit Angehörigen gesprochen

Ian Hopkins, der die Polizei des Großraums Manchester als Chief Constable leitet, sprach am Mittwoch vor den Medien: "Ich kann jetzt bestätigen, dass wir mit allen direkten Angehörigen der Opfer gesprochen haben." Speziell für Situationen wie diese geschulte Beamte würden die Angehörigen unterstützen und beraten.

Zudem bestätigte Hopkins, dass eines der Opfer ein Polizist war. Es werde noch vier bis fünf Tage dauern, bis die Polizei die Namen der Getöteten offiziell bestätigen könne, so Hopkins. Die Gerichtsmediziner bräuchten noch Zeit für ihre Arbeit.

4. Die Familie des Attentäters rückt in den Fokus der Ermittlungen

Britische Medien meldeten, der Vater sowie der jüngere Bruder des mutmaßlichen Selbstmordattentäters Salman Ramadan Abedi seien in der libyschen Stadt Tripolis verhaftet worden. Milizen hätten die beiden abgeführt.

Seit der libysche Diktator Muammar Gaddafi 2011 von Aufständischen getötet wurde, kontrollieren verschiedene bewaffnete Milizen das Land.

In der Ausgabe von heute Donnerstag berichtet die britische Zeitung "Daily Mirror", der mittlerweile in Tripolis verhaftete Hashem Abedi, Bruder des Selbstmordattentäters von Manchester, habe selbst einen Anschlag geplant:

Abedis älterer Bruder Ismail wurde bereits am Dienstag in Chorlton im Süden Manchesters verhaftet.

Es wird klar: Salman Ramadan Abedi hat den Anschlag von Montagabend in Manchester nicht alleine geplant. Der 22-Jährige habe als eine Art "Tragesel" für die Bombe gedient. Er soll Teil eines größeren Terror-Netzwerkes gewesen sein.

Zudem wurde von britischen Medien berichtet, die Familie von Salman Ramadan Abedi sei einst vor dem Gaddafi-Regime aus Libyen nach Großbritannien geflohen. Nach einigen Jahren in London sei die Familie nach Manchester umgezogen.

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