Martin Schulz versucht es bei Maischberger mit Charme - die lässt ihn eiskalt abblitzen

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Moderatorin Sandra Maischberger und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz war die Anspannung deutlich anzusehen.

Beide schienen zu wissen, dass ihr Gespräch über die Bundestagswahl im September entscheiden könnte.

Maischberger wirkte in ihrer Talkshow am Mittwochabend verkrampft wie eine Journalistenschülerin und begann das Interview mit seichtem Geplänkel. Was Schulz für ein Auto fahren würde und ob er von seinem Gehalt gut leben könne, fragte sie.

Da fehlte nur noch die Frage nach der Lieblingsfarbe.

Schulz' Antworten begleitete sie mit Kopfnicken und ständigen "Mh-hm. Mh-hm" - seltsam, dass eine derart routinierte Moderatorin diesen Interview-Fehler macht.

"Ein Kompliment kann nicht schaden"

In einer Szene zeigt sich die ganze Anspannung der beiden: Er sei im ganzen Land unterwegs und müsse im Kopf diese ganzen Sätze zusammenbauen. Ob er manchmal müde davon werde, fragte Maischberger?

Schulz verneinte - er würde nicht träge. "Insbesondere dann nicht, wenn der Adrenalinpegel steigt, wenn eine doch clevere Journalistin einen hart ran nimmt."

Maischberger sah die Gefahr: Wenn sie jetzt nicht auf dieses Kompliment reagiere, würde sie sich dem Vorwurf ausgesetzt sehen, sie habe sich von dem SPD-Mann einwickeln lassen. Doch sie reagierte überraschend unsouverän:

"Das ist mir schon aufgefallen, dass sie immer auf diese Tour kommen, ein Kompliment kann nicht schaden. Nein - das beeindruckt mich gar nicht."

Baff. Das war ungewöhnlich humorlos und aggressiv. Doch wo Maischberger Recht hatte, hatte sie Recht. Schon bei "Anne Will" am 29. Januar hatte Schulz das Gespräch erst einmal mit einer Schmeichelei angefangen.

"Ich kenne eine Journalistin, die schon vor einem Jahr gesagt hat, dass es ein Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz geben wird. Und diese Journalistin heißt Anne Will", sagte er damals.

Will reagierte damals souveräner als jetzt Maischberger: "Ach, Herr Schulz, jetzt machen sie es mir aber schwer, ich wollte eigentlich ein gaaanz kritisches Interview führen...", sagte sie ironisch und entschärfte damit die Situation.

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Maischbergers unbeholfene Reaktion

Doch diesmal schien Schulz von Maischbergers empörter Reaktion ehrlich getroffen. "Das finde ich schade, dass sie das so sehen." Er habe weder ein Kompliment machen noch sie beeindrucken wollen.

Maischberger schien erst jetzt klar zu werden, wie unbeholfen ihre Reaktion war. "Meine Mutter hat mich immer davon abgehalten, Komplimente überhaupt anzunehmen. Kinderkrankheit", sagt sie entschuldigend.

"Ich streiche die letzte Bemerkung aus dem Protokoll."

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