Irritierende Entscheidung: Brandenburger Tor nach Attentat nicht mit britischer Flagge beleuchtet

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BRANDENBURGER TOR
Brandenburger Tor nach Manchester-Attentat nicht mit britischer Flagge beleuchtet - das steckt hinter der der irritierenden Entscheidung | TomasSereda via Getty Images
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Mittlerweile ist es beinahe Usus: Nach einem Terroranschlag leuchten in vielen Hauptstädten die Wahrzeichen mit der Flagge des betroffenen Landes.

Auch das Brandenburger Tor erstrahlte schon in vielen Farben: Nach den Anschlägen in Paris, Brüssel, Nizza, Jerusalem, London, Orlando, Istanbul und Berlin erleuchtete die Stadt Berlin ihr Wahrzeichen mit der Flagge des jeweiligen Landes.

Doch am Dienstag, dem Tag nach dem verheerenden Anschlag in Manchester, blieb das Tor, wie grau.

Fast wirkte es so, als hätte die Hauptstadt nicht mitbekommen, dass ein Selbstmordattentäter am Montagabend in der nordenglischen Stadt 22 Menschen in die Luft gesprengt hat.

St. Petersburg und Manchester sind keine Partnerstädte

Schon nach dem U-Bahn-Anschlag auf die russische Stadt St. Petersburg im April, bei dem 15 Menschen starben, war das Brandenburger Tor grau geblieben. Und der Stadt Berlin strömte eine Welle des Unverständnisses entgegen.

Die Begründung des Senats, wieso das Wahrzeichen nicht illuminiert wurde, war in beiden Fällen dieselbe: Die Städte seien keine Partnerstädte und da sei eine Beleuchtung nicht vorgesehen.

Diese Begründung mutet durchaus seltsam an. Denn weder Orlando noch Jerusalem sind Partnerstädte der deutschen Hauptstadt. Auch Nizza steht offiziell in keiner besonderen Beziehung zu Berlin.

"Nicht der richtige Weg um Trauer zu bekunden"

Es wirkt fast so, als musste sich die Stadt mit der ausbleibenden Union-Jack-Bestrahlung des Brandenburger Tors am Dienstag für den Fall St-Petersburg rechtfertigen. Damals hatte Berlin durch die fehlende öffentliche Anteilnahme am Terrorakt in Russland jede Menge Kritik geerntet.

Besonders absurd wirkt da, wie eine Sprecherin des Berliner Senats damals die Entscheidung begründete: "In einen Wettstreit der Symbole zu treten ist vielleicht nicht der einzige oder nicht der richtige Weg, um Trauer und Anteilnahme zu bekunden. Auch andere Hauptstädte verzichten mittlerweile auf ähnliche Gesten.“

Orlando und Jerusalem sind auch keine Partnerstädte

Natürlich kann man darüber diskutieren, ob es irgendetwas bringt, ein Wahrzeichen in einer Nationalflagge zu illuminieren, Schweigeminuten in Schulen einzulegen, wie in Italien am Dienstag, oder die Beleuchtung des Eifelturms komplett abzustellen.

Aber: Dann darf man nicht mit zweierlei Maß messen. Wieso nimmt die deutsche Hauptstadt öffentlich Anteil an dem Schicksal, das sich in der Nicht-Partnerstadt Orlando ereignete, aber nicht an denen, die St.Petersburg und Manchester erleben mussten?

Die Entscheidungen Berlins sind nicht mehr nachzuvollziehen. Die Stadt sollte schleunigst ein einheitliches, nachvollziehbares und ordentlich begründetes Konzept entwickeln. Denn - so traurig es ist - der Anschlag von Manchester wird nicht der letzte Terrorakt gewesen sein.

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(lp)