Wie es sich anfühlt, wegen Depressionen die Liebe deines Lebens zu verlieren

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Viele Menschen mit Depressionen können nur schwer eine normale Beziehung führen. | iStock
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Niemand, der es noch nicht selbst erlebt hat, kann sich vorstellen, wie sich Depressionen anfühlen. Auch nicht der Mensch, der dem Betroffenen am nächsten steht. Der von sich sagen würden, dass er in dem anderen seine große Liebe gefunden hat.

Für den Partner oder die Partnerin, ist es daher oft sehr schwer, die Krankheit zu verstehen und zu akzeptieren - und zu erkennen, wann es ist Zeit ist, den anderen gehen zu lassen.

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Dass sich viele Menschen Gedanken darüber machen, zeigen die vielen Kommentare im Internet dazu. "Ist es egoistisch, sich von jemandem zu trennen, weil er unter Depressionen leidet", fragte etwa ein Nutzer auf der Plattform "Quora".

Die Frau leidet selbst unter Depressionen

Die Antwort einer Nutzerin namens Nuralia Mazlan ist besonders eindrücklich. Denn sie leidet selbst unter der Krankheit und hat, wie sie sagt, dadurch die Liebe ihres Lebens verloren.

Sie schreibt:

Ich werde euch hier eine wirklich ehrliche Antwort geben als jemand, der selber an Depressionen leidet.

2014 geriet ich in diesen Teufelskreis. Es war ein dunkles Jahr für mich.

Ich habe den Mann kennengelernt, den ich als die Liebe meines Lebens bezeichnen würde. Er war der Hauptgrund, wieso ich wieder aus meinem Loch heraus gekommen bin. Zumindest für eine Weile.

Während der ganzen Beziehung hatte ich immer wieder Rückfälle, doch zu dieser Zeit lebten wir in derselben Stadt. Das machte es für mich einfacher, zu ihm zu fahren, wenn es mir schlecht ging.

Doch 2016 wurde ich von meinem Arbeitgeber an einen anderen Standort versetzt. Jetzt lebten wir drei Stunden voneinander entfernt. Wenn ich einen Rückfall hatte, war ich plötzlich ganz mit mir alleine.

"Es war mir peinlich zuzugeben, dass ich so auf ihn angewiesen war"

Trotz der Distanz tat mein Freund sein Bestes, um mir zu helfen. Er rief mich an, er schrieb mir SMS, er schickte mir Küsse und Umarmungen und vergewisserte sich, dass ich auch wirklich etwas aß. Denn mit zunehmender Depression hatte ich immer weniger Appetit und hörte auf, regelmäßig zu essen.

Ich versank immer tiefer in meiner Depression. Es war mir peinlich zuzugeben, dass ich so auf ihn angewiesen war. Jetzt ist es mir peinlich zuzugeben, dass ich ihn verloren habe.

Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem ich Liebe und Zuneigung eher mied, ich wurde bissig, wenn er mir vorschlug, Hilfe anzunehmen und habe ihn sogar einmal geschlagen. Nichtsdestotrotz blieb er bei mir und stand zu mir.

Ich verstand nicht, was mit mir passiert. Tief in mir drinnen liebte ich ihn, ich wollte ihn nicht verletzen, doch mein Kopf funktionierte nicht mehr. Meine Gedanken waren total zerstreut.

Obwohl ich keine klaren Entscheidungen treffen konnte, behauptete ich, dass ich es könne. Er versuchte mich zu unterstützen, doch auch er zerbrach innerlich. Er sah mich an, glaubte mir alles, was ich ihm erzählte. Doch mit der Zeit wurde auch er kalt und distanziert, so wie ich.

"Eines Tages zwang mich eine gute Freundin von mir, der Realität in die Augen zu sehen"

Ich weinte Tag und Nacht, als mir klar wurde, was alle um mich herum wegen mir durchmachen mussten. Ich weinte ihm nach. Ich sehnte mich nach der guten Beziehung zwischen mir und meinen Eltern. Ich gab mir die Schuld daran.

Eines Tages zwang mich eine gute Freundin von mir, der Realität in die Augen zu sehen. Ich befand mich in einem tiefen Loch. Sie zog mich heraus, setzte sich mit mir hin, wischte meine Tränen weg und besorgte mir eine Therapie. Etwas, das ich eigentlich schon viel früher hätte machen sollen.

Obwohl ich mich in Therapie befand, weinte ich ihm immer noch nach. Gleichzeitig war ich aber dankbar dafür, dass er sich von mir fern hielt. Dennoch wollte ich ihn zurück. Nicht, weil ich mich einsam fühlte - denn ich fühlte mich auch mit ihm alleine.

Mir wurde klar, dass ich ihn dafür liebte, dass er für mich kämpfte. Dass er mit mir kämpfte, meine Depression zu besiegen. Niemand hat jemals so für mich gekämpft. Ich konnte mich in ihn verlieben, obwohl mein Kopf ganz woanders war.

Das brachte meine Freundin dazu, mir die eiskalte Wahrheit mitzuteilen. Sie kennt ihn und weiß, dass er nicht der Typ ist, der einfach aufgibt und absichtlich boshaft reagiert.

"Wenn du deinen Partner wirklich liebst, sei ehrlich zu ihm"

Ich habe begriffen: Wenn du deinen Partner, der Depressionen hat, wirklich liebst, sei ehrlich zu ihm. Fordere ihn heraus. Locke ihn raus aus seiner Höhle. Lass ihn den Schmerz und die Trauer spüren. Taucht seinen Kopf buchstäblich ins kalte Wasser. Zeig ihm, dass die Welt nicht aufhört, sich zu drehen, selbst wenn er das Gefühl hat.

Versuch, nichts in seine Negativität hineinzuinterpretieren. Das ist deine Chance, ihm einen Schubs in Richtung Vernunft zu geben. Wenn die Auswirkungen der Depression sich in seinem Kopf droht festzusetzen, versuch, sie zu vertreiben.Versuch, die Wahrheit nicht zu beschönigen.

Aber wenn dein Partner sich immer noch weigert, professionelle Hilfe anzunehmen, lass ihn nicht die Entscheidung treffen. Du entscheidest für dich selber. Lass ihm nicht die Wahl, denn er wird weiterhin alles zerstören. Lass ihn mit sich alleine, aber mach ihn nicht schlecht. Es ist hart genug, mit einer Depression zu leben, aber es ist noch härter, wenn dich jemand schlecht macht, weil du schwach bist.

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(lk)