Was wir über den Manchester-Attentäter Salman Abedi wissen

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MANCHESTER BLAST
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Die Identität des mutmaßlichen Attentäters von Manchester ist bekannt.

Nach Angaben der britischen Polizei soll es sich um den 22-jährigen Salman Abedi handeln. Die Ermittler wollten bislang noch keine Details zu dem jungen Mann bekanntgeben, der durch einen selbstgebauten Sprengsatz mindestens 22 Menschen vor einer Konzerthalle mit in den Tod gerissen haben soll. Doch nach und nach werden Einzelheiten über ihn bekannt.

Diese sieben Dinge wissen wir über den Attentäter Salman Abedi:

1. Er wurde in Großbritannien geboren

Laut Medienberichten stammen Abedis Eltern aus Libyen. Sie sollen vor dem Gaddafi-Regime geflohen und so nach Großbritannien gekommen sein. Hier kam Abedi 1994 zur Welt und wuchs in Manchester auf. Er hat zwei Brüder und eine Schwester. Die Familie lebte lange in der nordenglischen Stadt. Die Eltern sollen heute wieder in Libyen sein.

Einem Bericht der "New York Times" zufolge, hat die britische Polizei das Elternhaus von Salman Abedi durchsucht. Der 22-Jährige soll mit seiner Familie in Fallowfield, einem Stadtviertel, das etwa fünf Kilometer vom Tatort entfernt liegt, gelebt haben.

Andere Medien berichten jedoch, Abedi habe allein gewohnt. Eine Nachbarin sagte der Zeitung über die Familie: "Sie haben nicht viel mit anderen Leuten geredet."

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2. Er stand nicht am Rande der Gesellschaft

Im Unterschied zu anderen islamistischen Attentäter war Abedi kein Ausgegrenzter. Er hatte einen Schulabschluss und studierte. Abedi belegte nach Informationen der britischen Nachrichtenagentur PA Wirtschaftskurse an der Salford University in Manchester, brach sein Studium aber ab.

Das gab die Hochschule auf ihrer Website bekannt. Der stellvertretende Direktor der Hochschule, Sam Grogan, sagte den "Manchester Evening News": "Die ganze Universität ist schockiert und traurig über die Ereignisse der vergangenen Nacht. Unsere Gedanken sind bei allen Betroffenen, den Opfern und ihren Familien und Freunden".

3. Abedi und seine Familie waren stark religiös

Seine Familie soll sehr religiös sein. Der Vater und einer seiner Brüder namens Ismail hätten sich stark in der Gemeindearbeit der Didsbury-Moschee engagiert, berichtete ein Geistlicher. Wahrscheinlich habe auch Salman Abedi die Moschee besucht - er könne sich jedoch daran nicht erinnern, sagte der Mann.

Nachbarn haben Salman Abedi in den "Manchester Evening News" als "ruppigen, großen, dünnen jungen Mann" beschrieben, der häufig traditionelle muslimische Gewänder getragen haben soll. In seinem Fenster soll gelegentlich eine Flagge zu sehen gewesen sein. Um welche Fahne es sich dabei handelte, ist jedoch unklar.

4. Nachbarn und ein Freund beschreiben ihn als normal und respektvoll

Ein Freund aus Kindheitstagen beschreibt Salman Abedi als "normal". "Er war immer freundlich", sagte er dem Nachrichtensender Sky News. Andere Personen bezeichneten Abedi als ruhig und respektvoll.

5. Er war den Behörden als Gefährder bekannt

Robin Simcox, ein Terrorismus- und nationaler Sicherheitsanalytiker in Großbritannien, erklärte gegenüber "ABC News", dass Salman Abedi den Terrorismusbekämpfungsbehörden als potenzielle Bedrohung bekannt gewesen sei.

"Abedi war ein terroristischer Verdächtiger in Großbritannien, der MI5 war sich dessen bewusst", sagte er. "Sie waren sich bew usst, dass er eine potenzielle Bedrohung darstellte. Aber sie dachten nicht, dass er eine unmittelbar bevorstehende Bedrohung darstellte."

6. Er hatte Ahnung vom Bombenbau

Bei dem Sprengkörper, den der Selbstmordattentäter zündete, handelte es sich offenbar um eine improvisierte Nagelbombe, die mit zahlreichen Metallteilen wie Muttern, Schrauben und Nägeln gespickt war, berichten die "Manchester Evening News". Das Ziel des Attentäters war somit wohl, möglichst schwerwiegende Verletzungen zu verursachen. Eine Quelle sagte der Zeitung: "Die Verletzten, die hier im Krankenhaus ankamen, mussten alle in den OP. Das Bein eines Patienten war völlig übersät mit Metallsplittern."

7. Er soll ein Terror-Training in Libyen absolviert haben

Nach einem Bericht des US-Senders NBC soll Abedi ein Terror-Training in Libyen absolviert haben. Der Sender beruft sich dabei auf US-Geheimdienstbeamte. Er sei im letzten Jahr nach Libyen und in andere Länder gereist. Außerdem soll er "klare Verbindungen zu Al-Kaida" gehabt haben.

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Auch die britische "Times" berichtet, dass er kurz vor dem Anschlag nach Libyen gereist sei: "Er ging vor drei Wochen nach Libyen und kam erst vor kurzem zurück, vor wenigen Tagen", sagte ein Bekannter des Attentäters dem Blatt.

Unklar ist noch, ob der mutmaßliche Attentäter allein gehandelt hat oder möglicherweise Teil eines Netzwerks war. Premierministerin Theresa May sagte am Dienstagabend, es sei denkbar, dass eine Gruppe hinter dem Anschlag stecke.

Mit Material der dpa

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(ks)

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