Lieber Roger Moore, für eine ganze Generation waren Sie der einzig wahre Bond

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Der ehemalige James-Bond Darsteller Roger Moore ist im Alter von 89 Jahren gestorben | SONY
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Lieber Roger Moore,

Heute sind Sie im Alter von 89 Jahren in der Schweiz gestorben. Für mich, der ich in den 80er-Jahren aufgewachsen bin, sind Sie lange Zeit der einzig wahre James Bond gewesen.

Zwölf Jahre lang spielten sie diese Rolle, so lang wie kein anderer vor und nach Ihnen. Und weil ich Timothy Dalton im 89er-Bond "Die Lizenz zum Töten“ nie so wirklich ernst nehmen konnte, blieben Sie für mich die Idealbesetzung für diese Rolle, bis Pierce Brosnan Mitte der 90er-Jahre die ganze Saga mit neuem Leben erfüllte.

Wenn ich an meine ersten Begegnungen mit ihren Filmen denke, fällt mir sofort der klobige, silbergraue VHS-Rekorder im Wohnzimmer meiner Eltern ein. Das Klacken und Surren beim Einlegen der Kassette. Die Bild- und Tonstörungen, die stets beim Start der Aufnahme entstanden.

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Ich habe Sie immer für jünger gehalten als Sean Connery, den Bond meiner Eltern. Dabei waren Sie drei Jahre älter als er. Ihre Anzüge saßen perfekt. Und wenn Sie doch mal zur Pistole griffen, lag Sie in Ihrer Hand wie ein Cocktailglas, ganz so, als meinten Sie die Sache mit der gespielten Gewalt gar nicht ernst.

Für mich ist das eine zentrale Erinnerung an die 1980er-Jahre – die Zeit, in der die Erwachsenen ständig so viel Angst hatten, und in der am Ende doch alles gut ausgegangen ist. In meinem kindlichen Vorstellung brauchte ich nur an Ihre Lässigkeit zu denken, mit der Sie Film für Film die Welt retteten. Und dann dachte ich, dass alles schon nicht so schlimm sein konnte.

Aber Sie waren viel mehr als einfach nur ein Bond-Darsteller: Meine Mutter fand sie in "Die 2“ (1970/71) viel besser als in der Rolle des Agenten ihrer Majestät. Und was soll ich sagen? Sie hatte Recht. Viel Freude haben Sie mir auch als Seymour Goldfarb in dem Burt-Reynolds-Roadmovie "Auf dem Highway ist die Hölle los“ gemacht.

Irgendwie kann ich mir eine ganze Ära ohne Sie nicht vorstellen. Und wenn ich an das Klacken und Surren des Videorekorders im Wohnzimmer meiner Eltern denke, dann merke ich erst, wie lange das alles schon her ist.

Ich hoffe, die Martinis sind gut. Wo immer Sie jetzt auch sein mögen.

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