Ein Obdachloser wurde beim Manchester-Anschlag zum Held - jetzt meldet sich seine Mutter zu Wort

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Der Terroranschlag auf das Ariana-Grande-Konzert in Manchester erinnert uns daran, wozu Menschen fähig sind. Doch Ereignisse wie diese zeigen auch das beste in uns.

Chris Parker aus Manchester ist einer der Menschen, an dem viele achtlos vorübergegangen sind. Er ist ein Obdachloser und schläft seit einem Jahr auf der Straße. Oft bettelte er in der Manchester Arena - dem Ort, an dem ein islamistischer Selbstmordattentäter am Montagabend 22 Menschen tötete.

So auch am Montagabend. Parker sagte gegenüber der britischen Zeitung "The Independent", er sei zu dem Konzert gegangen, um im Foyer die Besucher um etwas Kleingeld zu bitten.

"Alle strömten raus, alle fröhlich und so weiter. Als die Menschen durch die Glastür kamen, hörte ich einen Knall. Im Bruchteil einer Sekunde sah ich einen weißen Blitz, dann Rauch und ich hörte Schreie", sagt er in einem Gespräch mit dem britischen "Independent".

Die meisten Menschen wären in dieser Situation weg gerannt. Aber nicht Parker.

"Es warf mich auf den Boden, dann stand ich auf, und anstatt wegzurennen, war mein Bauchgefühl, zurückzulaufen und zu helfen." Was er sah, war grauenvoll.

"Ich sah ein kleines Mädchen .... Sie hatte keine Beine. Ich wickelte sie in eines der Merchandising-T-Shirts und fragte ’Wo ist deine Mama?'. Sie sagte ’Meine Papa ist bei der Arbeit, meine Mama ist da oben’."

Er verstand das Mädchen so, dass ihre Mutter an ihren Verletzungen gestorben sei.

Dann wendete er sich einer älteren Frau zu, die er auf etwa 60 Jahre schätze. "Sie starb in meinen Armen", sagte er dem "Independent".

"Ich habe nicht aufgehört, zu weinen", sagt er.

Parkers selbstloser Einsatz und seine Worte berührten einen der Leser des "Independent", Michaels Johns. Er setzte sich an seine Computer und richtete eine Spendenseite für Parker ein.

Auf der Plattform "Go fund me" schrieb er: "Mein Name ist Michael Johns und wie so viele andere war ich entsetzt über die Ereignisse in Manchester."

"Aus den traurigen Details stach eine Geschichte heraus für mich und überzeugte mich, mich für einen der Verwundbarsten der Gesellschaft einzusetzten, der große Selbstlosigkeit und Mut zeigte."

Schon nach wenigen Stunden hatten mehrere hundert Menschen Geld gegeben. Einen halben Tag später hatten bereits über 2000 Menschen über 23.000 britische Pfund, etwa 27.000 Euro, gespendet. Aber das war noch nicht die überraschendste Nachricht für Parker.

Eine der Kommentare stammte von einer Frau namens Jessica Parker: Sie schrieb:

"Hi, das ist mein Sohn und möchte verzweifelt in Kontakt mit ihm treten. Wir haben und seit langer Zeit entfremdet und ich hatte keine Ahnung, dass er obdachlos war. Ich bin sehr stolz auf ihn und er könnte meine Hilfe brauchen."

Tatsächlich spricht vieles dafür, dass der Kommentar echt und Jessica Parker tatsächlich seine Mutter ist. Auch auf Twitter und Facebook verbreitet eine Frau des gleichen Namens die gleiche Nachricht - und die Profile wirken authentisch.

"Jessica, ich schicke dir meine Telefonnummer, ich biete dir an, dich zu ihm zu bringen, wenn Chris gefunden wird", schrieb eine Leserin.

Eine andere Nutzerin schreibt, dass sie für eine Organisation für Obdachlose arbeitet und Chris kennt. "Kontaktier mich und wir können euch zusammenbringen." Natürlich wurden auch Journalisten auf das Thema aufmerksam.

Ein Bericht in der "Eastern Daily Press" bestätigte, dass Jessica Parker tatsächlich seine Mutter ist, die ihn seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Sie bestätigte, dass sie und ihr Sohn ein schwieriges Verhältnis hätten. Jessica Parker wusste nicht, dass er obdachlos ist. Sie habe gedacht, er würde bei einer Freundin leben. Was sie am meisten schockiert habe, sei gewesen, dass er einfach hätte sterben können - und sie hätte es wahrscheinlich nie erfahren.

"Es ist genau das, was er tun würde - er hat so ein gutes Herz", sagte sie in dem Bericht. "Er würde nicht zweimal darüber nachdenken, ob er diesen beiden Menschen hilft."

So hat der schreckliche Anschlag für zwei Menschen das Leben zum Guten verändert. Im Dunkeln scheint eben jedes Licht am Hellsten.

Ihr könnt Chris Parker hier auf "Go Fund Me" unterstützen: Help Chris Parker

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(ujo)

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