Der Tod einer Mutter aus Essen sollte alle aufrütteln, die über Impfungen diskutieren

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Eine Mutter in Essen ist an Masern gestorben. Es ist der erste Masern-Fall in diesem Jahr. (Symbolbild) | iStock
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Es ist ein Tod, der nicht hätte passieren dürfen: In Essen ist eine 37-jährige Mutter an Masern gestorben.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist es der erste Masern-Todesfall in Deutschland in diesem Jahr.

Die Ärzte in der Uniklinik hatten noch versucht, die Frau zu retten, doch ohne Erfolg. Sie sei am vergangenen Wochenende trotz einer intensivmedizinischen Behandlung "ziemlich schnell verstorben", sagte der Leiter des Gesundheitsamtes in Essen, Rainer Kundt.

Sie soll als Kind einmal zu wenig gegen die Infektionskrankheit geimpft worden sein.

Der Tod der Mutter hätte verhindert werden können

Todesmeldungen sind immer erschütternd, - vor allem, wenn Kinder dabei ihre Mutter verlieren. Die Meldung über den Tod dieser Frau aber macht besonders traurig.

Denn: Ihr Tod hätte verhindert werden können - durch eine einfache Routineimpfung in ihrer Kindheit.

Und der tragische Fall zeigt auch: Wer seine Kinder nicht oder nicht ausreichend gegen Masern impfen lässt, riskiert ihr Leben - auch wenn Impfgegner hartnäckig das Gegenteil behaupten und nicht müde werden, abstruse Lügen über angeblich nachgewiesene Nebenwirkungen im Internet verbreiten.

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Experten appellieren schon seit Jahren an Eltern, sich nicht von den Lügen der Impfgegner irritieren zu lassen und Kinder gegen die lebensgefährlichen Krankheiten wie Masern, Mumps und Röteln zu schützen.

"Vor allem im Erwachsenenalter kann es zu Komplikationen kommen"

"Masern sind keine harmlose Kindererkrankung, sondern können bei Kindern zu Hirnhautentzündungen und bei Erwachsenen zu Lungenentzündungen führen", warnte Kundt nach Bekanntwerden der Todesmeldung der Mutter aus Essen.

Auch Essens Gesundheitsdezernent Peter Renzel richtete eindringliche Warnung an die Bevölkerung: "Vor allem im Erwachsenenalter kann es zu Komplikationen kommen", sagte er der "Waz". "Deshalb ist Impfschutz besonders wichtig."

Nach den jüngsten landesweiten Daten des Landeszentrums Gesundheit erkrankten bis Mitte Mai 2017 bislang 381 Menschen in NRW. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2016 registrierten die dortigen Gesundheitsämter nur 28 Fälle.

Der Masern-Ausbruch in NRW schlägt sich auch in den bundesweiten Zahlen nieder: Das RKI registrierte in den ersten Monaten dieses Jahres bereits mehr Masern-Fälle als im gesamten Jahr 2016.

"In der Bevölkerung muss eine Immunität von 95 Prozent vorhanden sein"

Was viele Eltern übersehen, die ihre Kinder nicht impfen: Der Ausbruch und die Verbreitung einer Krankheit ist nur dann zu verhindern, wenn ein sehr großer Teil der Bevölkerung dagegen geschützt ist.

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"Wenn Sie ihr eigenes Kind impfen, impfen Sie nicht nur Ihr Kind. Der Schutz trägt zur Kontrolle der Krankheit in der gesamten Bevölkerung bei", sagte Elizabeth Edwards, Professorin für Kinderheilkunde und Direktorin des Vanderbilt Vaccine Research Program im US-Bundesstaat Tennessee, vor einiger Zeit dem britischen “Guardian”.

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Impfgegner sind schuld, dass die Masern noch nicht ausgerottet sind

Manche Experten gehen sogar von einem noch höheren Prozentsatz aus. "In der Bevölkerung muss eine Immunität von 95 Prozent vorhanden sein, um lange Infektionsketten zu verhindern und einen Herdenschutz aufzubauen”, sagte Dorothea Matysiak-Klose vom Robert Koch-Institut gegenüber “Zeit Online”.

Bis 2015 sollten die Masern in Deutschland eigentlich ausgerottet sein - das war das erklärte Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Unwahrheiten, die Impfgegner verbreiten, sind maßgeblich schuld daran, dass das nicht geglückt ist.

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(sma)