POLITIK
23/05/2017 16:55 CEST | Aktualisiert 23/05/2017 22:31 CEST

Helene Fischer singt beim DFB-Pokalfinale - das zeigt, wie verdorben der deutsche Fußball geworden ist

dpa
Helene Fischer singt beim DFB-Pokalfinale - das zeigt, wie verdorben der deutsche Fußball geworden ist

Liebe Helene Fischer:

Ich weiß nicht, ob Sie Ahnung von Fußball haben. Aber das muss man auch nicht, wenn man damit einfach nur Geld verdienen will.

Nach dem WM-Triumph von 2014 standen sie mit der Nationalmannschaft vor dem Brandenburger Tor und sangen ihren damals aktuellen Hit "Atemlos“. Zwei Menschen dürften sich damals besonders dolle gefreut haben: Die Dortmunder Torwart-Kante Roman Weidenfeller (der ein Helene-Hool ist), und natürlich ihr Manager.

Für immer würde der Name Helene Fischer nun mit einer der denkwürdigsten deutschen Fußballpartys verbunden sein. Und Sie wissen, dass das stimmt. Allein dieses "Atemlos“-Video, in dem Sie mit einem bis auf Bauchnabelhöhe gekürzten Deutschland-Trikot durch das Bild flitzen, hat bei Youtube fast sechs Millionen Abrufe.

Niemals in der deutschen Fußballgeschichte hat sich jemand dreister im Abglanz von Fußballhelden gesonnt als Sie.

Am kommenden Samstag steigt in Berlin das Pokalfinale. Es stehen sich zwei echte Traditionsvereine gegenüber, Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt. Da kommt eine Menge Fankultur zusammen.

Die Bundesliga hat mittlerweile den Sexappeal einer vergilbten Raufasertapete, seitdem der FCB aus der unaussprechlichen M-Stadt den wirtschaftlichen K.O.-Wettbewerb gegen die anderen 17 Mannschaften gewonnen hat.

Im Kosmos des Uli Hoeneß funkelt nur noch der Todesstern des Südens. Was echten Fans bleibt, ist der DFB-Pokal, wo es noch Sensationen gibt und das Gute am Ende doch noch über das Bayerische gewinnen kann.

Eigentlich hätte der Deutsche Fußballbund die Chance gehabt, aus diesem Finale eine Art Indie-Party des kickenden Gewerbes zu machen. Eine Gegenveranstaltung zur herztoten Bundesliga.

Doch dann kamen die Fußball-Narren vom DFB auf die Schnapsidee, ausgerechnet Sie, Helene Fischer, ins Olympiastadion einzuladen. Dort wollen Sie dann in der Halbzeitpause, Zitat, „ein eigens für das Pokalendspiel erstelltes Medley performen“.

Allein das darf man dann wohl schon getrost als Drohung verstehen.

Das Problem ist, dass Ihr bisher einziger zum Fußball bekannt gewordener Bezug rein parasitärer Natur ist. Was dieses Spiel vielen Millionen Menschen in Deutschland bedeutet, das ist Ihnen vollkommen schnuppe. Hauptsache, auch die Menschen in China, Amerika oder Brasilien sehen sie auf der Bühne tanzen. Dort wird das Finale nämlich auch übertragen. Und deswegen ist die Halbzeitshow für Sie auch so attraktiv.

Da unterscheiden Sie sich nicht vom FC Bayern, dessen Spieler auf Geheiß der Vereinsführung irgendwelche Nonsens-Reisen bis hinter den Arsch der Welt machen müssen, um dort möglichst häufig ihre Gesichter in bereitstehende Fernsehkameras zu halten.

So wie dem FCB geht es auch Ihnen, Helene Fischer, um Reichweite.

Das hat mit der heilen Welt, die Sie Ihren Fans verkaufen, zwar nicht allzu viel zu tun. Aber das war Ihnen ja schon immer zweitrangig. Hauptsache, die Kohle stimmt.

So verdorben ist der deutsche Fußball schon geworden, Sie zu einem DFB-Pokalfinale einzuladen.

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(lp)

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