Dänische Volkspartei will einen Grenzzaun zu Deutschland errichten

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Der feuchte Traum dänischer Rechtspopulisten: ein Stacheldrahtzaun - wie hier zwischen Ungarn und Serbien - an der Grenze nach Deutschland | Ognen Teofilovski / Reuters
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  • Die Dänische Volkspartei will nach ungarischem Vorbild einen befestigten Grenzzaun zu Deutschland errichten
  • Das Vorhaben stößt bei Experten und Politikern auf harsche Kritik

Die rechtspopulistische Dansk Folkeparti (Dänische Volkspartei) versucht sich erneut mit einem absurden Vorschlag zu profilieren.

Im Februar wollte die Partei das Gebiet Schleswigs im Norden Deutschlands zu dänischem Staatsgebiet machen. Nachdem das Vorhaben vorerst scheiterte, soll nun Dänemark die Grenze zu seinem südlichen Nachbarn befestigen - mit einem Stacheldrahtzaun.

Dem neuen Vorhaben vorausgegangen war ein Besuch der Dänischen Volkspartei an der ungarisch-serbischen Grenze, wie die dänische Zeitung "Politiken" berichtet. Dort hatte Ungarns Premierminister Viktor Orban auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise einen 175 Kilometer langen und vier Meter hohen Stacheldrahtzaun errichten lassen. Der soll nun als Vorbild dienen.

Grenzzaun für 200 Millionen Euro

Ebenso das ungarische Vorgehen, Asylbewerber so lange in Lagern zu inhaftieren, wie ihre Unterlagen überprüft werden, sollte von Dänemark kopiert werden, forderte der Partei-Vorsitzende Anders Vistisen.

“Innerhalb der Dänischen Volkspartei sind wir sehr angetan von dem, was wir in Ungarn erlebt haben. Das Modell ist identisch mit dem, was wir zwischen Dänkemark und Deutschland vorhaben", so Vistisen gegenüber "Politiken".

So soll der Stacheldrahtzaun zwischen den beiden Ländern drei Meter hoch werden und mit Bewegungsmeldern und Überwachungskameras ausgestattet werden. Der Bau würde voraussichtlich mehr als 200 Millionen Euro kosten.

Laut Vistisen würde der Zaun das Potential haben, 95 Prozent der Asylbewerber nach Deutschland zurückzuschicken.

"Partei hat nicht mehr alle Latten am Zaun"

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“Wenn die Deutschen ein Problem damit haben - wenn sie sagen, dass die Flüchtlinge aus Griechenland oder Österreich kommen - dann müssen die Deutschen einfach ihre eigenen Grenzen besser kontrollieren", erklärte Vistisen.

Doch schnell sorgte die Forderung für Kritik. Es sei undenkbar, dass eine solche Maßnahme innerhalb des Schengenraums erlaubt werde, sagte Frank Mc Namara von der Denkfabrik European Policy Centre "Politiken".

Rasmus Andresen, Grünen-Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein, wird noch deutlicher. Er lehnt den "engstirnigen Nationalismus" der Dänischen Volkspartei ab.

"Wer neue Stacheldrahtzäune fordert, zerstört unser gemeinsames Grenzland. Die 'Dansk Folkeparti' hat nicht mehr alle Latten am Zaun", erklärte Andresen der "Welt".

Die Dänische Volkspartei ist derzeit die zweitgrößte Partei des Landes und hält 37 der 179 Parlamentssitze inne. Sie ist allerdings nicht Teil der Regierung.

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(ujo)