"Du wirst an einem Baum hängen": Wie Trump-Fans versuchen, Kritiker des Präsidenten einzuschüchtern

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"Du wirst an einem Baum hängen": Wie Trump-Fans versuchen, Kritiker des Präsidenten einzuschüchtern | Pacific Press via Getty Images
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  • Seit der demokratische Abgeordnete Al Green im Kongress die Amtsenthebung des Präsidenten gefordert hat, erhält er Todesdrohungen
  • Seine Geschichte zeigt: Noch immer ist der Hass groß in den USA

Am vergangenen Mittwoch hat der demokratische Abgeordnete Al Green mit bebender Stimme die Amtsenthebung des US-Präsidenten gefordert. Donald Trump habe die Justiz behindert, daher müsse er gehen.

Seitdem wird der Politiker bedroht. Auf seiner Mailbox sammeln sich Anrufe von Anhängern des Präsidenten. "Du bist so widerlich", sagt einer der Männer. “Du wirst an einem Baum hängen”, sagt ein anderer.

Die Sprachnachrichten zeigen, wie groß der Hass in den USA - immer noch - ist. Auf der einen Seite stehen die Kritiker des Präsidenten, auf der anderen die fanatischen Anhänger von Donald Trump.

Green wird von Rassisten bedroht

Green hat drei Mailbox-Nachrichten auf Youtube hochgeladen. Schon kurz nach seinem Auftritt im Kongress am vergangenen Mittwoch habe er die erste Hass-Botschaft erhalten, berichtet das US-Magazin "Mother Jones".

Mit breitem amerikanischem Akzent sagt eine Stimme da: “Hey, Al Green, ich habe eine Amtsenthebung für dich - es wird deine sein. Wir werden dir sogar einen kurzen Prozess geben, bevor wir deinen Neger-Arsch aufhängen.”

Der Politiker lässt sich nicht einschüchtern

Der afroamerikanische Politiker Green glaubt, US-Präsident Trump habe die Justiz behindert:

► Als er FBI-Direktor James Comey feuerte
► Als er Comey indirekt drohte, Aufnahmen von vertraulichen Gesprächen zu veröffentlichen
► Und als er Comey bat, die Untersuchungen des FBI in der Russland-Affäre zu stoppen

Die Amtsenthebung des Präsidenten ist derzeit wenig aussichtsreich. Selbst die Mehrheit der Demokraten wollen diesen Schritt bisher nicht wagen.

Green weiß, dass er bisher mit seiner Forderung auf der politischen Bühne allein dasteht. “Ich bin eine Stimme in der Wildnis”, sagte Green vor dem Kongress, “aber die Geschichte wird mir Recht geben.”

Die Fronten sind unversöhnlich

Der hart geführte Wahlkampf im vergangenen Jahr hat gezeigt, wie tief die USA gespalten sind. Statistiken zeigen: Der Rückhalt für Trump ist bei seinen Anhängern mehr oder weniger ungebrochen. Trotz aller Skandale und Enthüllungen.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup fällt die Zustimmung für Trump unter Demokraten und Menschen ohne feste Parteisympathien. Hier glaubten acht beziehungsweise 35 Prozent, der Präsident mache einen guten Job. Unter Republikanern sind es nach wie vor stolze 84 Prozent.

Auch die fanatischen Radikalen der Alternativen Rechten haben Trump bei der Wahl zum Sieg verholfen. Jetzt, wo Trump im Amt ist, verfolgen sie seine Kritiker - und zwar gnadenlos.

Die Trolle von 4chan

Am Wochenende sei eine Liste mit Adressen von Trump-Gegnern im Internet aufgetaucht, berichtet das US-Portal "Buzzfeed" am Montag. Die Adressen stammen demnach von einer öffentlichen Petition von Linksaktivisten.

Diese sammeln Unterschriften gegen Trump und seinen Vize-Präsident Mike Pence. Die Trump-Anhänger suchten offenbar die Adressen und Kontaktdaten der Unterzeichner heraus - und stellten sie ins Internet.

Die Liste stamme ursprünglich aus dem Forum 4chan, berichtet "Buzzfeed" weiter. Und die Trump-Sympathisanten des Forums sind dafür bekannt, Gegner des Präsidenten zu bedrohen und zu belästigen.

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Quelle: TIMOTHY A. CLARY VIA GETTY IMAGES

Ein 22-jähriger Künstler, der an einer Protestaktion des Schauspielers Shia LaBeouf teilnahm, habe über 60 Morddrohungen an nur einem Tag - nachdem Nutzer auf 4chan dazu aufriefen, berichtet "Buzzfeed".

Von den Einschüchterungsversuchen lässt sich der Abgeordnete Green jedoch nicht beeindrucken. Am Samstag sagte er laut “Mother Jones” bei einer Veranstaltung in Houston:

“Freunde, ich versichere euch, egal wie viele Drohungen oder Einschüchterungen ich erhalte, nichts wird mich davon abhalten, was ich begonnen habe - wir werden damit fortfahren."

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(mf)

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