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20/05/2017 23:10 CEST | Aktualisiert 21/05/2017 10:49 CEST

Trump versucht in Saudi-Arabien, seinen Skandalen zu entfliehen - und schafft neue Probleme

  • Mit seiner Reise nach Europa und in den Nahen Osten hatte US-Präsident Trump gehofft, von den Skandalen im Weißen Haus abzulenken

  • Stattdessen hat er in Saudi-Arabien für einen neuen Aufreger gesorgt

Donald Trump liebt große Auftritte. Nach all den Enthüllungen der vergangenen Wochen musste ihm die Reise nach Saudi-Arabien an diesem Samstag gerade recht kommen. Kontakte zu Russland, der Rauswurf von FBI-Direktor James Comey - das wollte Trump wohl mit etwas amerikanischem Glamour in Riad vergessen machen.

Die gute Nachricht für den Präsidenten: In ein Fettnäpfchen ist er bei diesem Besuch - vorerst - nicht getreten. Die schlechte: Auch die Arabien-Reise wird böse Schlagzeilen nach sich ziehen. Der gigantische Waffendeal, den die USA und Saudi-Arabien bei diesem Treffen einfädelten, wird vor allem Trumps Kritikern neue Munition liefern.

Dabei verlief der erste Tag der Trump-Tournee lange geradezu ausgelassen.

Der Glamour-Faktor

Trumps Ehefrau Melania und seine Tochter Ivanka trugen beide kein Kopftuch. Ironischerweise hatte Trump selbst noch 2015 anlässlich eines Besuchs seines Vorgängers Barack Obamas auf der arabischen Halbinsel getwittert: "Wir haben genug Feinde!" Obamas Ehefrau Michelle hatte ebenfalls kein Kopftuch getragen.

Im ultrakonservativen saudischen Königreich erschienen nun auch Melania und Ivanka Trump ohne die dort vorgegebene Haarverschleierung. Offenbar nicht zu ihrem Nachteil.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter trendete der Hashtag "Bint Trump" ("Trumps Tochter"). Männer rühmten dort das Aussehen Ivankas. Auch einen Heiratsantrag bekam die Präsidenten Tochter.

Der tanzfreudige Präsident

Trump selbst legte offenbar ebenfalls eine gute Figur hin. Während des Empfangs wagte der Präsident sogar ein Tänzchen. Der 70-Jährige schloss sich bei traditioneller saudischer Musik mit Trommeln und Gesang am Samstag dem Reigen an und schunkelte lächelnd von einem Bein auf das andere.

Zuvor hatte auch schon König Salman trotz seines Alters von 81 Jahren seine Tanzkünste unter Beweis gestellt. Dazu schwang er ein zum Tanz gehörendes Schwert in der Luft herum.

Der Saudi-Deal

So weit der angenehme Teil für Trump. Natürlich war er nicht nur zum Tanzen gekommen - sondern auch für einen Deal. Ein gigantisches Waffengeschäft von über 110 Milliarden Dollar haben die USA und Saudi-Arabien abgeschlossen.

Das Geschäft könnte Trump noch um die Ohren fliegen. Denn der Deal ist offenbar an keinerlei Bedingungen geknüpft, dass sich die saudische Regierung darum bemüht, die menschenrechtliche Situation in ihrem Land zu verbessern.

Das US-Portal "Vox" kommentierte daher auch bitter: "Tatsächlich zeichnet der Deal ein lebhaftes Bild der Trump-Regierung. Einer Regierung, die gewillt ist, sich zu verbiegen, um Geschäfte mit wichtigen Freunden zu machen, die sich von Bedenken über Menschenrechte nicht aufhalten lässt, und wo sich persönliche Beziehungen zu denjenigen, die dem Präsidenten am nächsten stehen, als äußerst lukrativ erweisen."

Mit der letzten Bemerkung war Trumps Schwiegersohn Jared Kushner gemeint. Er soll maßgeblich an der Vorbereitung des Deals beteiligt gewesen sein.

Rechtliche Bedenken über das Geschäft

Und aus noch einem Grund könnte der Deal für Trump nach hinten losgehen: Der US-amerikanische Rechtsprofessor Michael Netwon schrieb an den Senat, der Deal sei nicht rechtens, denn das saudische Regime werde die Waffen wohl im Jemen-Krieg einsetzen und dabei auch Menschenrechtsverletzungen begehen.

Laut Berichten bombardiert die Militärkoalition um Saudi-Arabien im Jemen zu einem Drittel zivile Einrichtungen. Darunter sind Schulen und Krankenhäuser. Mehr als 10.000 Menschen seien dabei bisher getötet worden, hieß es im Dezember. Darunter über 3500 Zivilisten.

Das sei nicht mit den amerikanischen Bestimmungen zum Einsatz der Waffen vereinbar, sagt Newton.

Trumps Vorgänger Obama hatte aus Sorge, Saudi-Arabien könnte Waffen im Jemen-Krieg einsetzen, untersagt, Präzisionsmunition an das Königreich zu liefern. Die soll laut einem Bericht der "New York Times" nun aber im neuen Deal der Trump-Regierung enthalten sein.

Ein gekonntes Ablenkungsmanöver sieht anders aus. Statt seine Probleme zu überdecken, hat sich der US-Präsident bei seiner Reise neue geschaffen.

Mehr zum Thema: Jared Kushner soll für Trump die USA managen - doch jetzt droht er, zur Gefahr für den US-Präsidenten zu werden

Mit Material der dpa

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(jg)

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