US-Präsident Trump überrascht mit staatsmännischer Rede in Saudi-Arabien - zumindest auf den ersten Blick

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TRUMP ARABIA
Trump wollte eine die muslimische Welt mit seiner Rede inspirieren - und erklärt den Islamisten den Krieg | MANDEL NGAN via Getty Images
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  • US-Präsident Donald Trump hat in Saudi-Arabien eine Rede über den Islam gehalten
  • Seine Worte waren überraschend staatsmännisch - doch er biederte sich auch bei den Gastgebern an

Mit Spannung war die Rede von US-Präsident Donald Trump in Saudi-Arabien erwartet worden. Großspurig hatte der Nationale Sicherheitsberater H.R. McMaster angekündigt, der Präsident werde eine inspirierende Rede halten, die die muslimische Welt vereinen werde.

Schon vorab hatte das Weiße Haus Ausschnitte der Rede veröffentlicht. Darin breitete Trump allerdings keine friedliche Weltsicht aus - sondern eine kriegerische.

Immerhin stammen die Worte aus der Feder jenes Mannes, der maßgeblich am Dekret für den muslimischen Einreisestopp in die USA mitgearbeitet hat, Berater Stephen Miller.

"Kampf zwischen Gut und Böse"

Über den Kampf gegen den Terrorismus sagte Trump brachial: "Das ist kein Kampf zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen, verschiedenen Sekten oder verschiedenen Zivilisationen. Das ist ein Kampf zwischen barbarischen Verbrechern, die alles menschliche Leben auslöschen wollen, und anständigen Menschen aller Religionen, die es beschützen wollen. Das ist ein Kampf zwischen Gut und Böse."

Die Rede bestätigt eine sehr einfache Sicht der Dinge. Denn natürlich teilt sich die muslimische Welt in verschiedene Glaubensrichtungen auf, die Schiiten und die Sunniten bekämpfen sich zum Teil blutig. Trump vereinfachte den Konflikt in seiner Rede auf Schwarz und Weiß. Moderate Muslime hier, islamistische Mörder da.

Der präsidentielle Präsident?

Doch trotzdem überraschte seine Rede. Trump schaffte es, geradezu einen präsidentiellen Ton zu treffen. Zuletzt gelang ihm das wohl im März, als er seine erste Rede vor dem Kongress hielt. Auch damals waren Beobachter überrascht - und hofften, dass aus dem skandalträchtigen Trump doch noch ein ehrwürdiger Vertreter seines Amtes werden würde.

Ein Kommentator des US-Senders CNN bemerkte auch dieses Mal, wie groß der Unterschied zwischen dem Wahlkämpfer und dem US-Präsidenten Trump sei.

Vor Vertretern der islamischen Welt hatte Trump in seiner Rede dazu aufgerufen, den Extremismus auszumerzen. "Wir sind nicht hier, um gute Ratschläge zu erteilen", sagte Trump. "Wir sind nicht hier, um den Menschen zu erzählen, wie sie zu leben, was sie zu tun, wer sie zu sein oder wie sie ihren Glauben auszuüben haben."

Vielmehr böten die USA ihre Partnerschaft an, sagte er weiter. Das Übel des Terrorismus könne nur gemeinsam überwunden werden. Die arabischen Staaten müssten sicherstellen, "dass Terroristen keinen sicheren Ort auf ihrem Staatsgebiet finden." Er forderte: "Vertreibt sie! Aus den Gebetsstätten! Aus der Welt!"

Natürlich, ohne Übertreibung geht es für Trump nicht. Aber viele Beobachter hätten ihm allgemein nicht mehr zugetraut, einen staatsmännischen Ton zu treffen - nach all den Enthüllungen um den Rauswurf von FBI-Chef James Comey und in der Russland-Affäre.

Doch: Trump bleibt Trump

Man erinnere sich jedoch zurück an die Zeit nach seiner ersten Rede im Kongress. Damals schockte eine Enthüllung die Regierung: Justizminister Jeff Sessions hatte einen Kontakt zum russischen Botschafter Sergej Kisljak verschwiegen.

Eine gute Rede wird auch diesmal nicht reichen, dass Trump den Schatten entfliehen kann, die das Weiße Haus seit seinem Amtsantritt umgeben.

Noch dazu: Trump bedankte sich großzügig bei seinen Gastgebern, dem saudischen Königshaus - vor allem für dessen Kampf gegen den Terrorismus. Eine heuchlerische Geste.

Denn den Iran griff Trump unterdessen scharf an. Die iranische Regierung sorge für Instabilität im Nahen Osten, sagte er. Der Iran finanziere Waffen und trainiere Terroristen, Milizen und andere extremistische Gruppen, die Zerstörung und Chaos verbreiteten.

Dabei müsste auch dem US-Präsidenten klar sein: Auch das saudische Regime bombardiert hemmungslos Zivilisten - im Jemen. Und ist damit alles andere als ein Garant für Stabilität.

Kritik am saudischen Königshaus kam Trump nicht über die Lippen. Immerhin haben die USA und Saudi-Arabien bei diesem Treffen einen Deal abgeschlossen - für Waffen im Wert von 110 Milliarden Dollar.

Mit Material der dpa

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