In Syrien entsteht eine neue Ordnung - und sie gibt wenig Anlass zu Hoffnung

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In Syrien entsteht eine neue Ordnung - und sie gibt wenig Anlass zu Hoffnung | Getty Images
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  • Mehrere autonome Gebiete haben sich in Syrien etabliert - was die Suche nach einer diplomatischen Lösung erschwert
  • Der US-General Hayden sagt in einem Interview, Assad müsse einsehen, dass er nie mehr ganz Syrien kontrollieren könne

Seit sechs Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Hunderttausende Menschen sind gestorben, Millionen sind auf der Flucht. Die Situation zwischen dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad und den Rebellen ist festgefahren - und es gibt wenig Anlass, auf Besserung zu hoffen.

Mittlerweile entsteht eine neue Ordnung in Syrien und seinen Nachbarländern - und sie scheint sich zu verfestigen.

"Ich bin pessimistisch, was die Situation in Syrien angeht", sagt auch der US-General Michael Hayden im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung.

Syrien ist ein geteiltes Land

Hayden glaubt: Der Westen hat zu lange zugeschaut und nichts unternommen. "Die Möglichkeiten, einzugreifen und die Situation vor Ort zu verbessern, sind wahrscheinlich vergangen", glaubt Hayden.

Der Grund für diese Einschätzung: Den verschiedenen Fraktionen des Konflikts ist es gelungen, Gebiete einzunehmen und zu halten. Die Region ist de facto geteilt - und an dieser Aufteilung wird sich nur schwer etwas ändern lassen.

Da wären die verbleibenden Regionen des Assad-Regimes an der Küste. Mit dem sogenannten Islamischen Staat hat sich im Osten ein großes Gebiet etabliert - auch wenn die Miliz an Territorien verliert, seit die Internationale Allianz gegen sie vorgeht.

Die Situation ist festgefahren

Zum Leidwesen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan haben die Kurden der YPG ein autonomes Gebiet im Norden erkämpfen können. Das einzige, was in dieser Konstellation noch fehle, wäre ein "Sunniten"-Staat, sagt Hayden gegenüber der "Bild"-Zeitung.

Zwar gehören die Kämpfer des IS zur muslimischen Glaubensrichtung der Sunniten. Hayden meint mit seiner Aussage allerdings einen sunnitischen Staat, der kein Feind des Westens sei.

Einen schiitischen Staat, der anderen großen Glaubensrichtung des Islams, gibt es bereits mit dem Irak.

Vier große Regionen haben sich in Syrien herausgebildet. Für alle Fraktionen eine politische Lösung zu finden, wird äußerst schwierig werden - wenn nicht gar unmöglich.

Denn auch die jeweiligen Verbündeten der Fraktionen, die USA, die Türkei oder Russland, verfolgen in diesem Konflikt ihre eigenen Interessen.

Es gibt keine einfachen Lösungen

Da wäre zum Beispiel die Kurden-Miliz YPG. Die USA unterstützt die Kämpfer mit Waffen, weil sie gegen den IS vorgehen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan stellen die Kurden allerdings eine Bedrohung dar. Die Türkei sieht in der Miliz einen Ableger der Terrororganisation PKK.

Ein Konflikt mit den USA droht. Auch der Besuch Erdogans in Washington brachte hier keine Lösung.

Den Angriff von US-Präsident Donald Trump auf einen syrischen Flughafen findet Hayden richtig. Trump habe damit ein wichtiges Zeichen gesetzt.

Jetzt müsse er den Russen klar machen: Haltet Assad unter Kontrolle. "Er darf nicht weitere Gebiete erobern und er muss einsehen, dass er nie wieder ganz Syrien kontrollieren wird", sagt Hayden über den syrischen Machthaber.

Die Botschaft des ehemaligen CIA-Chefs Hayden im Interview ist also: Der Westen muss sich darauf einstellen, dass es in diesem Konflikt keine einfachen Lösungen geben wird.

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