"Huch, jetzt ist er weg": Die SPD sucht nach Erfolgsmitteln nach dem "Schulz-Effekt"

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MARTIN SCHULZ
"Huch, jetzt ist er weg": Die SPD sucht nach Erfolgsmitteln nach dem "Schulz-Effekt" | getty images
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  • Nach drei Wahlniederlagen sucht die SPD nach einem Erfolgsmittel
  • Hoffnung macht den Sozialdemokraten vor allem eines: die gestiegene Zahl an Neumitgliedern
  • Ein Besuch in einem Landesverband zeigt, dass noch viel Arbeit an der Basis nötig ist, um alle Genoßen zu überzeugen

Dieses Mal ist Martin Schulz nur als Pappkamerad zu Gast. Vor der Halle steht der SPD-Kanzlerkandidat in Lebensgröße vor einem Schild mit dem Schriftzug: "Herzlich willkommen, liebes Neumitglied."

Rund eine Woche ist vergangenen seit dem Debakel für die Sozialdemokraten bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Nun kamen die Genossen aus den süddeutschen Bundesländern am Samstag in Filderstadt (Landkreis Esslingen) zur Strategiedebatte zusammen. Die Stimmung: weder euphorisch noch depressiv, sondern eher gedämpft angesichts der gesunkenen Umfragewerte des Kanzlerkandidaten.

Alle geben sich Mühe, Optimismus zu versprühen. Doch natürlich blickt die SPD mit Sorge auf die Bundestagswahl. Hoffnung macht ihnen unterdessen nur eines: die gestiegene Zahl an Neumitgliedern.

"Was versteht man unter Parteibasis?"

Rund 17.000 Neumitglieder sind seit der Verkündung von Schulz' Kanzlerkandidatur im Januar in ganz Deutschland in die SPD eingetreten. Rund 80 sind nach Filderstadt gekommen. SPD-Generalsekretärin Katarina Barley möchte wissen, was sie bewegt, um "neuen Input" für die Arbeit in der Partei zu bekommen.

Ein Neumitglied fragt, was eigentlich unter "Parteibasis" zu verstehen sei. Ein Mann sagt, beim Wort "kämpfen" im Zusammenhang mit Wahlen werde ihm übel. "Ich stehe für Frieden und Freiheit und soziale Gerechtigkeit, aber nicht für Kampf."

Ein junger Mann fragt, wie er mit den Menschen umgehen solle, die sich als Abgehängte der Gesellschaft empfänden und deshalb die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) wählten.

"Ich bin nicht gerade optimistisch"

Gerade auch wegen der AfD ist Susanne Ennulath in die SPD eingetreten. Die 57-Jährige aus Stuttgart räumt ein, dass Rückschläge wie jetzt bei den Landtagswahlen für die SPD nicht schön seien. "Aber die Stimmung nach vorne ist positiv."

Frank Rieger (42) aus Dielheim (Rhein-Neckar-Kreis) meint: "Mal gewinnt man, mal verliert man. Das ist zwar ein dummer Spruch, aber es ist so." Bis zur Bundestagswahl am 24. September könne noch viel passieren. Bettina Kobylanski-Forsee aus Mannheim meint, die verlorenen Landtagswahlen seien der Motivation in der Partei nicht abträglich. "Es wird spannend bleiben, und zum Schluss wird sich zeigen: Der Bessere gewinnt."

Neu in der SPD ist auch Kerin Black. Die 39-Jährige kommt aus den USA und hat neben dem amerikanischen auch den deutschen Pass. Black sieht sich als Fan von Schulz. Mit Blick auf die Bundestagswahl räumt sie ein: "Ich bin gerade nicht so optimistisch, wie ich gerne wäre."

"Huch, jetzt ist er weg"

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley und Landeschefin Leni Breymaier geben sich alle Mühe, Optimismus zu versprühen. "Wir werden Schweiß und Tränen vergießen. Wir werden kämpfen und werden uns einsetzen", sagt die Landesvorsitzende. Barley meint: "Ihr müsst euch drauf gefasst machen, dass es immer auf und ab geht." Das mache die SPD aus.

Und den Schulz-Hype habe die Partei selbst nie so genannt oder befördert. Barley spricht von einem "medialen Spin", der dann schlagartig mit der Landtagswahl in Schleswig-Holstein vorbei war. "Wir wussten, dass es irgendwann heißt: Huch, jetzt ist er weg."

Die SPD braucht ein überzeugendes Programm

Eines dürfte den Genossen nun klar sein: Um bei der Bundestagswahl erfolgreich zu sein bedarf es eine Menge Arbeit. Die gestiegenen Mitgliederzahlen geben Mut.

Aber ein Problem bleibt: Die SPD muss ein Programm vorstellen, dass die Menschen in Deutschland überzeugt. Schulz räumte zuletzt selbst ein, er sei zu spät mit konkreten Inhalten gekommen.

Als die SPD nun diese Woche einen ersten Programmentwurf vorstellte, klang der teilweise mehr nach CSU als SPD. Das zeigt: Noch tun sich die Sozialdemokraten schwer, nach dem Schulz-Hype in die Erfolgsspur zurückzufinden.

Mehr zum Thema: BLOG: "Wissen nicht mehr, um was es geht": SPD-Politiker analysiert das NRW-Debakel

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(jg)