Afghanischer Junge soll abgeschoben werden - seine Mitschüler wollen das mit dieser Aktion verhindern

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SCHULKLASSE PETITION
"Ali gehört zu uns": Mit einer Petition will eine 10. Klasse die Abschiebung ihres Mitschülers verhindern. | H. Schmid
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Im Oktober 2016 bekam die 10. Klasse der Freien Waldorfschule Augsburg einen neuen Mitschüler. Der 16-jährige Ali, der als Flüchtling nach Deutschland gekommen war, wurde binnen kürzester Zeit zu einem sehr beliebten Mitschüler. Er hat sich gut integriert und fühlt sich wohl in der Klasse.

Nun soll der Junge nach Afghanistan abgeschoben werden - wie viele andere afghanische Flüchtlinge auch. Seit Ende 2016 hat die Bundesregierung dutzende Afghanen in ihr Heimatland zurückgeführt.

Alis Klassenkameraden wollen seine Abschiebung mit einer Online-Petition verhindern. “Ein wichtiger Teil unserer Klasse würde herausgerissen, wenn Ali gehen muss”, heißt es in dem Schreiben an die Zentrale Ausländerbehörde Bayern, das auf der Plattform change.org veröffentlicht wurde..

In Afghanistan droht ihm der Tod

Außerdem befürchten die Jugendlichen, dass Ali im Fall einer Rückführung der Taliban oder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in die Hände fallen könnte. Dann “muss er für sie kämpfen oder es drohen ihm Misshandlung und Folter, wenn nicht sogar der Tod!” äußern sich Lucas H., Johannes S. und Sara R. stellvertretend für die ganze Klasse auf change.org.

Denn die Zehntklässler haben ihre Hausaufgaben gründlich gemacht: Sie führen den Fall des rückgeführten Flüchtlings Farhad Rasuli an, der drei Monate nach seiner Abschiebung aus der Bundesrepublik von der Taliban getötet wurde. Die Schüler berufen sich im Weiteren auf Angaben der Vereinten Nationen, nach denen im Jahr 2016 11.000 Zivilisten Opfer von Taliban-Attacken wurden.

"Wir wollen unseren Klassenkameraden und Freund Ali Reza vor all dem schützen! Er gehört zu uns!" so der emotionale Appell der Schüler.

"Ali gehört zu uns!"

Weil Ali die Abschiebung droht, gehen seine Mitschüler hart mit der Bundesregierung ins Gericht: "Afghanistan ist nicht sicher. Und das weiß auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge", schreiben die Waldorfschüler. "Es widerspricht unserem Verständnis von Humanität, einen Menschen, der sich bei uns befindet und sich integriert, bewusst dieser Gefahr auszusetzen", lautet die klare Stellungnahme der Zehntklässler.

Sie wünschen sich für ihren Klassenkameraden Ali eine sichere Zukunft in Deutschland, dass er gemeinsam mit ihnen seinen Realschulabschluss machen und seinen Wunsch, Erzieher zu werden, verwirklichen kann.

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(ll)