Will Smith und Pedro Almodóvar streiten in Cannes wegen Netflix

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Wenn es nicht um Netflix geht, verstehen sich die Jury-Kollegen Pedro Almodóvar und Will Smith prächtig

Kaum sind die Filmfestspiele von Cannes eröffnet, gibt es auch schon den ersten Krach innerhalb der hochdekorierten Jury. Hollywood-Star Will Smith (48, "Erschütternde Wahrheit") und Jury-Präsident Pedro Almodóvar (67, "Volver") vertreten bei einem brisanten Thema zwei völlig verschiedene Standpunkte. Konkret geht es um die Entscheidung der Festival-Veranstalter, ab nächstem Jahr keine Netflix-Filme mehr im Wettbewerb zu berücksichtigen. Von diesem Bann hält Smith relativ wenig. Was vor allem daran liegen dürfte, dass sein neuester Film "Bright" im Dezember auf Netflix Premiere feiern wird.

Almodóvar rechtfertigt den Ausschluss von Netflix

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Auf einer Pressekonferenz am Tag vor der Eröffnung der Filmfestspiele rechtfertigte Almodóvar nochmals die Entscheidung. Er wies darauf hin, dass Kino zunächst ein Erlebnis auf der "großen Leinwand" sein sollte. "Die Größe [des Bildschirms] sollte nicht kleiner sein, als der Stuhl auf dem man sitzt." Das Kinoerlebnis sollte nichts alltägliches sein, so die Meinung des spanischen Erfolgsregisseurs, der aber auch klar stellte, nichts gegen neue Technologien zu haben.

Will Smith konterte auf dem Podium. Er argumentierte, dass die Leute Filme sowohl im Kino als auch Zuhause genießen könnten. Als Beispiel führte er seine drei Kinder an. Sie würden ins Kino gehen, aber auch Netflix gucken. "Da gibt es nur eine sehr kleine Schnittmenge zwischen dem, was sie im Kino sehen, und dem, was sie bei mir zuhause schauen", so Smith. In seinem Haushalt sei Netflix ein absoluter Gewinn. Seine Kinder könnten Filme sehen, "die sie sonst niemals hätten sehen können", ergänzte der Schauspieler. Ob dieses Plädoyer für den Streaming-Dienst die Entscheidung des Festival-Komitees nochmal umstimmen kann, darf bezweifelt werden.

Was steckt hinter dem Ausschluss von Netflix-Filmen?

Dieses Jahr gehen mit "Okja" und "The Meyerowitz Stories" zwei Netflix-Produktionen ins Rennen um die Goldene Palme, die beide zuvor nicht im französischen Kino zu sehen waren. Das sorgte bei den französischen Filmverleihern für Unverständnis. Die Verantwortlichen der Filmfestspiele von Cannes führten daraufhin die neue Regel ein, künftig nur noch Filme im Wettbewerb zuzulassen, die auch ihren Weg ins französische Kino fanden. Auf die meisten Netflix-Titel trifft das eben nicht zu.

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