Erste Schiedsrichterin in Liga 1: Warum Bibiana Steinhaus die Bundesliga nicht besser machen wird

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BIBIANA STEINHAUS
Erste Erstliga-Schiedsrichterin: Warum Bibiana Steinhaus' Beförderung die Bundesliga nicht besser machen wird | Nigel Roddis / Reuters
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Endlich! Als erste Frau in der Geschichte des deutschen Fußballs wird Bibiana Steinhaus Schiedsrichterin in der ersten Bundesliga werden. Für Steinhaus geht laut eigener Aussage ein Traum in Erfüllung.

DFB-Präsident Reinhard Grindl gratulierte denn auch artig: "Ich verfolge ihren Weg schon seit vielen Jahren und freue mich persönlich sehr für sie", sagte er. "Hoffentlich ist die erste Schiedsrichterin in der Bundesliga ein Ansporn für viele junge Mädchen in unserem Land, ihr nachzueifern."

Hoffentlich und bestimmt ist das der Fall.

Aber: Bibiana Steinhaus' Beförderung wird die Bundesliga, wird die Fußballwelt nicht besser machen. Denn die ist und bleibt der machoverseuchteste Winkel in unserer Gesellschaft.

Der Fußball ist noch immer sexistisch und rückständig

Das jetzt endlich mal eine Frau auf dem Platz stehen wird - und nicht nur als Reporterin oder vierte Offizielle an der Seitenlinie - kann nicht kaschieren, wie bodenlos sexistisch und rückständig der Fußball noch immer ist.

Solange ein Outing für einen homosexuellen Fußballprofi eine öffentliche Ächtung nach sich ziehen würde, solange Trainer in der Liga immer wieder von echtem, harten Männersport faseln, solange Bayern-Stars wie Franck Ribery Sex mit minderjährigen Prostituierten haben können, ohne ihren Heldenstatus zu verlieren, wird sich daran nichts ändern.

Schon gar nicht, wenn sexistische und homophobe Männer wie der ehemalige Fifa-Chef Sepp Blatter oder Michel Platini weiter die Geschicke des Weltfußballs leiten und große Turniere in ebenso sexistische und homophobe Länder wie Russland und Katar vergeben.

Testosteron-Tollhaus Bundesliga

Jetzt darf Bibiana Steinhaus also diese Männerwelt als Schiedsrichterin bereichern. Sportlich ist das eine absolut nachvollziehbare Entscheidung - eigentlich kommt die Beförderung Jahre zu spät. Gesellschaftlich ist es auch ein positives Signal, die erste Frau in einer Disziplin zu sein ist in unserer Zeit - leider - noch bemerkenswert.

Die Bundesliga wird aber weiter ein testosteronüberflutetes Tollhaus bleiben.

Sexistisch, homophob, rückständig.

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(lp)