Schluss mit den Verschwörungstheorien: Koffein und Alkohol sind Schuld am Niedergang der Medien

Veröffentlicht: Aktualisiert:
JOURNOS
Schluss mit den Verschwörungstheorien: Koffein und Alkohol sind Schuld am Niedergang der Medien | Getty
Drucken

Viele Menschen glauben heutzutage, dass Journalisten an den Problemen dieses Landes vorbei schreiben. Jetzt gibt es jedoch eine endgültige Wahrheit im ewigen Streit zwischen Medienleuten und ihren Lesern. Und die ist sogar wissenschaftlich untermauert.

Folgt man einer jüngst vom London Press Club vorgestellten Studie, dann muss man wohl die Schuld an all den Missverständnissen nicht auf den Bankkonten, sondern in den Oberstübchen der Journalisten suchen.

Insgesamt 40 Medienfachkräfte aus Presse, Funk und Fernsehen wurden von einer Neurowissenschaftlerin untersucht, wie der „Business Insider“ berichtet. Eines der Ergebnisse: Journalisten sind unterdurchschnittlich begabt darin, Emotionen zurückzuhalten und „flexibles Denken“ zu zeigen.

Alkohol, Koffein, Medikamente

Und als ob das nicht genug wäre, brummen Journalistenhirne untertourig durch das 21. Jahrhundert. Teilweise zumindest dadurch bedingt, dass sie in Stresssituationen dazu neigen, sich mit Alkohol, Koffein und Medikamenten von den Symptomen ihrer Überbeanspruchung selbst zu kurieren.

Der Suff scheint tatsächlich ein großes Problem zu sein: 41 Prozent der untersuchten Journalisten trinken mehr, als der Arzt erlaubt. Und weil Journalisten in Zeiten des wirtschaftlichen Drucks bisweilen an den vitalsten Bedürfnissen sparen, trinken nur fünf Prozent die empfohlene Menge an Wasser. Dann doch lieber einen Espresso.

Allerdings bekommen an der Stelle die Vertreter des „Früher-war-alles-besser“-Ansatzes Probleme: Denn glaubt man den alten Schlachtrössern der Branche, dann war früher mehr Mallorca in den Redaktionsräumen. Zum weithin geäußerten Bedauern der Zeitzeugen.

In einigen Bereichen überdurchschnittlich begabt

Nebenbei fanden die Wissenschaftler auch heraus, dass Journalisten in einigen Bereichen überdurchschnittlich begabt sind. So erreichen Medienleute Spitzenwerte in Sachen Abstraktionsvermögen.

Außerdem können sie sehr fokussiert arbeiten. Und sie können mit Druck umgehen – noch besser als Geschäftsleute, Börsenmakler und, tatsächlich, Banker. Was ebenfalls gegen die Marionetten-Theorie sprechen würde. Und das Beste: Bluttestes ergaben, dass Journalisten dabei kaum größeren Stress ausgesetzt sind als durchschnittliche Arbeitnehmer.

Die Zen-mäßige Ruhe in den Redaktionen der Nation dürfte allerdings nur so lange anhalten, wie die Kaffeemaschine im Büro funktioniert.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(jg)

Korrektur anregen