Emmanuel Macron verwehrt Journalisten den Zugang zum Innenhof des Élysée-Palasts

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EMMANUEL MACRON
Der französische Emmanuel Macron verwehrt Journalisten den Zugang zu Kabinettssitzungen. | Philippe Wojazer / Reuters
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  • Emmanuel Macron verwehrt Journalisten den Zugang zum Élysée-Palast
  • Somit schafft er ein gängiges Privileg seiner Vorgänger ab
  • Macron will seine Regierung in Zukunft besser abschirmen

US-Präsident Donald Trump hat es vorgemacht. Als eine seiner ersten Amtshandlungen versagte er kritischen Medien den Zugang zu Pressekonferenzen des Weißen Hauses.

Jetzt ist auch der neu gewählte Präsident Frankreichs, Emmanuel Macron, auf die Idee gekommen, die Medienfreiheit in seinem Land zu beschränken.

Macron revidierte eine großzügige Regelung seiner Vorgänger, indem er Journalisten in Zukunft den Zutritt zum Innenhof des Élysée-Palast verwehrt.

"Sie sollen nicht in jedes Mikrofon sprechen"

Mit der neuen Regelung zieht Macron eine klare Grenze zwischen den Medien und seinen frisch ernannten Ministern.

Der direkte Zugang zu Kabinettssitzungen und somit zu internen Regierungsinformationen bleibt Journalisten jetzt verwehrt.

Seine Minister, kommentiert der Präsident, sollten sich um „Vertraulichkeit, Disziplin, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein“ bemühen - und nicht in jedes Mikrofon sprechen, das ihnen hingehalten werde.

Der Ausschluss der Medien durch Macron erinnert sehr an die Maßnahmen des US-Präsidenten Donald Trump, dem wegen seines Umgangs mit Medienvertretern und Entlassungen wie der des FBI-Chefs James Comey diktatorische Methoden vorgeworfen wurden.

Macrons Maßnahme entspricht dabei dem Zeitgeist in Frankreich.

Das Vertrauen in die Medien nimmt stetig ab

Einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Kantar zufolge, nimmt das Vertrauen der Franzosen in ihre Medien stetig ab.

Lediglich 44 Prozent der französischen Bevölkerung halten Zeitungsinformationen für glaubwürdig, während sogar nur 41 Prozent in Fernsehnachrichten vertrauen.

Die Studie legt nahe, dass der ehemalige Präsident Francois Hollande maßgeblich zum Verfall des Vertrauens in die Medien beigetragen hat. Der Politiker der sozialistischen Partei und seine Minister gingen den Befragten zufolge zu unbedacht mit der Weitergabe von internen Informationen um.

So gelangten überdurchschnittlich viele Informationen an die Öffentlichkeit. Macron scheint dies nun besser kontrollieren zu wollen.

Medien empören sich in offenem Brief an Macron

Mehr als 20 französische Medienorganisationen haben sich in einem offenen Brief besorgt über ihren Zugang zum neuen Präsidenten Emmanuel Macron geäußert.

Reporter berichteten, das Büro des Präsidenten habe in ihren Redaktionen angerufen, um die Journalisten zu bestimmen, die Macron auf seiner ersten Reise außerhalb Europas begleiten dürften.

In dem Brief, den am Donnerstag auch die Organisation Reporter ohne Grenzen unterzeichnete, hieß es, der Élysée-Palast dürfe keinesfalls darüber entscheiden, "wer von uns über eine Reise berichtet und wer nicht, egal, um welches Thema es geht".

Es sei nicht Sache des Präsidenten und seiner Mitarbeiter, über die internen Vorgänge bei Medienorganisationen, ihre Berichterstattung und ihre Herangehensweise zu entscheiden.

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(jg)

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