"Terrorcliquen und Denkverbote": Alice Schwarzer rechnet mit deutschen Studenten ab – und zeigt, wie realitätsfern sie ist

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ALICE SCHWARZER
„Terrorcliquen und Denkverbote": Alice Schwarzer rechnet mit deutschen Studenten ab – und zeigt, wie realitätsfern sie ist | Tobias Schwarz / Reuters
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Am vergangenen Freitag hat Feminismus-Ikone Alice Schwarzer einen Vortrag an der Würzburger Uni gehalten - und, ihrem eigenen Blog zufolge, "Erstaunliches erlebt".

In den letzten Monaten war Schwarzer vor allem mit pauschalen Attacken gegen Muslime aufgefallen. In dem neuen Blogbeitrag suchte sich die Feministin allerdings noch ein weiteres Ziel: eine "kleine Terrorclique" junger, linker Frauen, die die Ausführungen Schwarzers in Würzburg kritisch hinterfragten.

Eigentlich, so müsste man meinen, sind diese jungen Frauen nicht Schwarzers Feindbild, sondern ihre natürlichen Verbündeten. Zumindest, wenn es Schwarzer wirklich nur noch um Gleichberechtigung gehen würde.

Doch die "Emma"-Gründerin bewies einmal mehr, dass das nicht der Fall ist.

Schwarzer war für einen Vortrag über "Sexualgewalt, Interkulturalität und Recht" nach Würzburg gekommen - und mehr als 500 Menschen wollten sie sprechen hören. Sie wähnte sich in Sicherheit, wie sie in ihrem Blog schreibt, denn die Uni gilt als konservativ.

Und Schwarzer dachte wohl, konservativ heißt: Alle finden es super, wenn sie verallgemeinernd über alle Muslime herzieht, wenn sie nur Sexualdelikte von muslimischen Männern anspricht - als würden Deutsche keine Frauen vergewaltigen, wenn sie Kopftuchträgerinnen pauschal als Opfer bezeichnet.

"Bazillus des Gesinnungsterrorismus"

Schwarzer dachte, Gegner solcher dummen und gefährlichen Verallgemeinerungen würde sie nur in als "links geltenden Unistädten" antreffen. In Würzburg hingegen habe sie nicht mit diesem "Bazillus des Gesinnungsterrorismus" gerechnet.

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Schwarzer schreibt, sie habe lediglich gesagt, dass Gewalt gegen Frauen in Deutschland zunehme und auch die Brutalität eskaliere. Sie nennt Beispiele: die Kölner Silvesternacht, als 2000 Nordafrikaner Frauen belästigt hatten, den versuchten Ehrenmord von Hameln, bei dem ein türkisch-kurdischstämmiger Deutscher seine Frau am Auto hinterhergeschliffen hat.

Der Grund dafür dass es zu der Zunahme sexueller Gewalt hierzulande komme, sei, dass immer mehr "Männer aus Kulturen kommen, in denen Frauen juristisch wie faktisch total rechtlos sind". Schuld sei nicht der Islam, den toleriere sie selbstverständlich, sondern der frauenverachtende Islamismus.

Jeder vierte Deutsche findet Vergewaltigungen ok

Nun ist es natürlich so, dass Frauen in einigen muslimischen Ländern kaum Rechte haben. Und natürlich wäre es schön, dagegen anzukämpfen und auch Erfolge zu erzielen. Aber noch einmal: Verallgemeinerungen sind einfach nur dumm.

Und wenn Schwarzer für die Beispiele der Zunahme sexueller Gewalt nur Taten von muslimischen Männern aufzählt - besonders, weil Kriminalstatistiken zeigen, dass Flüchtlinge nicht häufiger einen Sexualdelikt begehen als Deutsche - dann liegt der Rassismus-Vorwurf, der Schwarzer aus dem Publikum entgegenschallt, schon nahe.

Laut einer EU-Studie findet jeder vierte Deutsche Vergewaltigungen "ok". Und Schwarzer konzentriert sich mittlerweile bei so gut wie jedem Auftritt auf die bösen Muslime und deren "völlig ungebrochene patriarchale Tradition".

Zu Ihren "Fakten" von der Zunahme sexueller Gewalt: die Anzahl sexueller Straftaten ist zwar 2016 im Vergleich zu 2015 gestiegen, lag aber zum Beispiel 2007, lange vor der Flüchtlingskrise viel höher als im vergangenen Jahr.

Schwarzer verschweigt: Unabhängig von Zuwanderung hat mehr als jede dritte Frau in Deutschland seit dem 15. Lebensjahr schon sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt, wie eine EU-Studie aus dem Jahr 2014 zeigt. Mit Flüchtlingen hat das nichts zu tun.

"Postfaktische Fanatiker"

Laut Schwarzer gehe es diesen linken Terrorcliquen gar nicht um Fakten, sie seien nur "für die Muslime", ihr Diskurs sei verhetzt, wirklichkeitsfremd und ihre Methode sei "postfaktisch".

Schwarzer moniert, die Unis seien von diesen "Fanatikern" unterwandert, sie würden andere mitreißen und Andersdenkende zum Schweigen bringen, oder zumindest dazu, ihnen nicht zu widersprechen. Sie fragt sich, passend zur aktuellen Bildungsdebatte, ob man an deutschen Unis überhaupt noch zu präzisem, faktengestützten Widerstand angeregt werde.

Schwarzer hat nichts verstanden

Das schreibt Schwarzer, obwohl sie sie von Zahlen spricht, ohne Quellen zu nennen.

Obwohl sie sehr viele Teile der muslimischen Wirklichkeit ausnimmt und sich die schrecklichen frauenverachtenden Taten herauspickt. Obwohl sie nur Beispiele von Taten durch Muslime nennt - nicht aber die grausame Einstellung der deutschen Männer oder deren furchtbare zahlreiche Taten anspricht.

Schwarzer hat nichts verstanden. Diese "Terrorclique" ist gegen eine einseitige und pauschalisierende Darstellung. Genau so etwas sollte man eigentlich an einer Uni lernen.

Zum Thema: Unsere Bloggerin Serife-Nur Turan hat den Vortrag von Alice Schwarzer in Würzburg besucht und bei uns einen Brief an sie geschrieben: Liebe Frau Schwarzer, ich bin kein Opfer

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(lp)