Unsere Maschinen fangen an, mit uns zu sprechen - das wird unser Leben revolutionieren

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SMARTPHONE WOMAN
Unsere Maschinen fangen an, mit uns zu sprechen - das wird unser Leben revolutionieren | martin-dm via Getty Images
Drucken

“Im Anfang war das Wort” - so beginnt der Evangelist Johannes sein Evangelium. Sprache ist ohne Frage ein Meilenstein in der Geschichte der Menschheit. Wo wären wir, wenn wir uns nicht austauschen könnten? Wenn wir Gefühle oder Wünsche nicht äußern könnten? Wenn wir unsere Mitmenschen nicht fragen könnten, wieso sie etwas tun?

Wir hätten uns nie so weit entwickelt - und hätten wohl kaum solche engen Beziehungen zu anderen Menschen, wie wir sie heute haben. Aber immer öfter sprechen nicht Menschen mit uns - sondern Maschinen. Smartphones, Kühlschränke, Autos und viele andere Geräte.

Das wird unseren Alltag dramatisch verändern. Schon in wenigen Jahren werden wir völlig anders mit Computern umgehen, als heute. Viele Geräte unseres Alltags werden dabei verschwinden.

Es ist der große Schritt in der technischen Entwicklung: Seit Jahren arbeiten Tech-Giganten von Apple bis Amazon an virtuellen intelligenten Sprachassistenten.

Mit Erfolg: Siri, Alexa, Google Now und Co. (siehe Kasten unten) sind für viele Menschen Teil ihres digitalen Alltags geworden.

Doch das war erst der Anfang. Noch beschränken sich die Anwendungen meist auf Wecker stellen, nach dem Wetter oder dem Weg fragen, Musik abspielen lassen oder eine simple Web-Suche.

Mehr zum Thema: Video - Wir testen Amazons sprechende Assistentin "Alexa"

Aber das Potenzial der smarten Assistenten und dem Internet of Voice - also dem Internet der Sprache - ist riesig. Und wenn es nach Experten geht, liegt in der Sprache die Zukunft des Netzes.

Siri und Co. werden immer klüger

Die digitalen Assistenten, die Grundlage für diese Entwicklung, sind quasi eine intelligente Software. Ausgestattet mit künstlicher Intelligenz werden Siri und Co. immer klüger. Sie erkennen die Stimme besser, verstehen immer mehr, je öfter man mit ihnen spricht.

“Alexa ist in der Cloud entwickelt, sie wird also immer intelligenter. Je mehr Kunden Alexa nutzen, desto mehr gewöhnt sie sich an Sprachmuster, Wörter oder persönliche Vorlieben”, heißt es von Amazon.

Spätestens seit diesem Jahr ist der Krieg der Tech-Riesen um den besten und beliebtesten Sprach-Assistenten eröffnet.

Auch wenn die virtuellen Helfer noch vor dem richtig großen Durchbruch stehen: Es geht um die Frage, welches Unternehmen den Grundstein legt - das System, nach dem sich alle richten und das am besten mit Apps und anderen Diensten zusammenarbeitet.

Je besser der Assistent in viele Anwendungen integriert ist, desto eher wird ihm das auch beim Durchbruch bei den Kunden helfen.

Das finanzielle Potenzial dieser Technologie ist enorm. Der Marktforscher Global Market Insights schätzt, dass das Geschäft mit Sprachassistenten jährlich um 34,9 Prozent wachsen wird über die nächsten sieben Jahre.

Im Auto

“Knight Rider”-Fans träumen seit Jahren davon, mit ihrem Auto sprechen zu können wie Michael Knight mit seinem Kitt. Digitale Sprachassistenten machen das möglich - zumindest teilweise. Google und Apple haben mit Android Auto und Car Play ihre eigenen Systeme, die von den meisten Autobauern unterstützt werden. So lässt sich das Smartphone mit dem Infotainmentsystem des Wagens bedienen - auch über die Sprachassistenten.

Der Autofahrer kann so die Stereoanlage bedienen, nach dem Weg, dem Wetter oder News fragen, Telefonate führen - oder etwas googeln. Aber sie können auch checken, wie der Reifendruck ist oder wie es um den Ölstand bestellt ist, wenn das System voll in den Wagen integriert ist.

Bei Alexa ist nicht einmal nötig, dass das System im Board-System des Wagens installiert ist. Über das Dashboard-Gerät Zero Touch von Logitech kann sich jeder in Verbindung mit einem Smartphone Amazons Assistentin als Beifahrer holen - und alle ihrer über 7000 Skills nutzen. Nur das mit dem Musik über Amazon Music spielen funktioniert mit Zero Touch nicht.

Experten schätzen den Markt im Jahr 2024 für virtuelle Sprachassistenten allein im Automobilbereich auf 2,8 Milliarden Dollar.

Und: Die Möglichkeiten sind noch bei weitem nicht ausgeschöpft - besonders wenn sich selbstfahrende Autos nach und nach durchsetzen. Wir werden Entertainment-Systeme, Kommunikations-Technologien und Apps, die uns das Arbeiten im Auto ermöglichen, brauchen.

Das Fahrzeug muss navigieren können, mit W-Lan ausgestattet sein - und natürlich ein eigenes Betriebssystem haben, das sprachgesteuert funktioniert. Apple-Experten und Analysten vermuten, dass der Konzern aus Cupertino an so einem Betriebssystem arbeitet - ein Car OS quasi. Und deshalb wird auch CarPlay, das sich nie durchsetzen konnte, links liegen gelassen.

Im Haus

Schon jetzt können Alexa und Siri viele Bereiche im Zuhause steuern - vorausgesetzt, es handelt sich um smarte Objekte. Sie machen Licht an und aus, steuern die Heizungen, bedienen den Fernseher oder die Stereoanlage - und schließen sogar Türen auf.

Philips bietet zum Beispiel mehrere smarte Lampen an, Honeywell und Tedo verkaufen Alexa-fähige Thermostate und der US-Hersteller August hat seit 2015 ein Homekit- und somit Siri-fähiges Türschloss im Angebot.

Im vergangenen Jahr entwickelte Samsung den Assistenten Otto, der ähnlich wie Alexa daherkommt. Otto hat neben einem Lautsprecher auch eine HD Security-Kamera eingebaut, die live Videos auf Smartphone oder Computer streamen kann. Außerdem hat er eine Art Kopf, der sich drehen kann und er kann Gesichter erkennen. Leider ist er bisher nur ein Prototyp.

otto

Doch in Zukunft wird die Kommunikation mit Geräten zu Hause nicht auf Lautsprecher begrenzt bleiben. Auf der Tech-Messe CES in Las Vegas stellte LG einen smarten Kühlschrank vor, in den Amazons Alexa eingebaut ist. Neben anderen Features kann der Kühlschrank selbstständig Lebensmittel auf die Einkaufsliste setzen - oder sie direkt bei Amazon bestellen.

Er spielt auch Musik, liest Rezepte vor oder verrät, wie das Wetter wird - wenn es kalt wird, liefert der Kühlschrank das passende Rezept und auch noch die richtigen Zutaten über Amazon für die wärmende Suppe.

Für die Gesundheit

Auch der Gesundheitssektor wird in Zukunft von sprechenden Maschinen geprägt sein. Sei es der Chirurg im OP, der eine Information braucht und seine Hände steril halten muss, oder der Hausarzt, der seinen Patienten ermöglicht, Termine über digitale Assistenten zu buchen.

Oder digitale Assistenten werden zu einer Art Personal Trainer. Der Assistent Shae kümmert sich quasi um seine Nutzer. Er hilft ihnen gesund zu werden - indem er den ganzen Tag über einen gesunden Lifestyle informiert.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Shae übernimmt von sich aus die Initiative, gibt Updates und Ratschläge über gesundes Essen oder wann die beste Zeit für Sport ist. Außerdem hat er alle möglichen Daten von Gewicht über Körperfettanteil in Tabellen. So kann Shae sogar helfen, Urlaub aufgrund des persönlichen Profils zu planen.

Shae gibt es als App für iOS und Android.

Sie können noch nicht mal einen kleinen Teil ihres Potenzials nutzen

Das ist natürlich noch lange nicht alles. Wir werden, wenn es nach den Tech-Giganten geht, in Zukunft über unsere Sprachassistenten einkaufen, Bankgeschäfte regeln und Versicherungen abschließen. In Deutschland gibt es mit der Deutschen Familienversicherung sogar schon eine Versicherung, die über Alexa gebucht werden kann.

Natürlich: Die Assistenten reden noch furchtbar abgehackt und gestelzt, sie sind nur selten witzig und verstehen Befehle nur, wenn sie auf eine ganz bestimmte Art formuliert sind. Noch sind sie - mal abgesehen von Smartphones - nicht massenweise verbreitet und können so noch nicht mal einen Bruchteil ihres Potenzials nutzen.

Vielleicht werden sie zu Freunden

Aber das wird sich ändern. Die Assistenten lernen dazu, werden mehr und mehr in unseren Alltag integriert, werden zu Begleitern - vielleicht sogar zu Mitbewohnern, denen wir nicht nur Befehle erteilen. Je mehr Daten sie sammeln, desto klüger werden sie, desto mehr lernen sie uns kennen.

Und unser Verhältnis wird sich dramatisch ändern. Vielleicht sogar freundschaftlich werden. Das Fundament ist, wie in einer zwischenmenschlichen Beziehung, die Sprache. Wie es schon im Johannesevangelium heißt: “Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.”

Die wichtigsten digitalen Assistenten im Überblick:

► Siri: Apple digitaler Sprachassistent war der erste intelligente Assistent auf dem Smartphone und erstmals im iPhone 4s, das im Oktober 2011 vorgestellt wurde, verfügbar. Siri ist mittlerweile auf allen Apple-Geräten verfügbar, sei es der Mac, das iPad, die Apple Watch oder Apple TV - sie ist im kompletten Apple-Ökosystem implementiert. Die Branche erwartet außerdem, dass Apple auf der jährlichen Entwicklerkonferenz WWDC Anfang Juni einen Siri-Lautsprecher für zu Hause vorstellen wird.

► Google Now/Google Assistant: Seit 2012 gibt es Google Now für Googles mobiles Betriebssystem Android und kann seit drei Jahren auch in Googles Browser Chrome genutzt werden und ist schon seit 2013 auch für iOS verfügbar. Außerdem hat Google seit vergangenem Jahr einen Lautsprecher namens Google Home, in den der Google Assistant, der 2016 Google Now abgelöst hat, eingebaut ist. In diesem Jahr soll sowohl der Assistant auf Deutsch wie auch der Lautsprecher nach Deutschland kommen. Außerdem ist jetzt als iOS-App verfügbar - und soll weitaus mehr können, als Apples Assistentin Siri.

► Alexa: Seit 2015 hat der Internet-Riese Amazon seine Assistentin Alexa, verkörpert durch den Lautsprecher Echo, auf dem Markt. Alexa weiß nicht nur das Wetter - sie shoppt auch für ihren Chef bei Amazon Prime. Es gibt mittlerweile rund 7.000 Skills für Alexa. Amazon versucht außerdem seine Alexa in viele Geräte zu bringen - zum Beispiel in Autos, Haushaltsgeräte oder Smartphones. Alexa soll außerdem bald Push-Nachrichten aufs Handy schicken können. In den USA ist außerdem schon ein Echo mit Display und Web Cam auf dem Markt.

► Cortana: Microsofts Assistenten Cortana gibt es seit 2014 und war auf dem gefloppten Smartphone des Windows-Konzerns installiert. Seit Windows 10 ist Cortana auch über den Desktop oder ein Tablet nutzbar. Microsoft plant auch eine Version für die Xbox One und eine App für iOS und Android. Cortana ist momentan die am wenigsten genutzte Assistentin. Aber: Microsoft setzt bei Cortana auch ganz stark auf die Wirtschaft - zum Beispiel den ganzen Bereich der Medizintechnik.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg


(jg)