Wie liberale US-Medien versuchen, Donald Trump loszuwerden – und rechte Medien ihn retten wollen

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Wie liberale US-Medien versuchen, Donald Trump loszuwerden – und rechte Medien ihn retten wollen | Getty
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In den Vereinten Staaten ist ein Medienkrieg um die Entmachtung Präsident Donald Trumps entbrannt.

Seriöse Journalisten, die Trump mit Fakten und moralischem Druck aus dem Amt jagen wollen, kämpfen gegen meinungsversessene Moderatoren, die ihn mit Halbwahrheiten und Lügen zum Heiland stilisieren. Zeitungen wie die "New York Times" und die "Washington Post" legen sich mit Sendern wie Fox News und Boulevardblättern wie der "New York Post" an.

Das erste Opfer in dem Konflikt ist - wie in jedem Krieg - die Wahrheit.

Denn auch wenn glaubwürdige Journalisten sich nach bestem Gewissen an die Wahrheit halten, so haben ihre rechten Verschwörungskonkurrenten sie doch in eine Schlammschlacht der Überzeugungen gezwungen.

Die Verschwörungswelt der rechten US-Medien

Das lässt sich an einem einzigen Namen verdeutlichen: Seth Rich.

Am 10. Juli 2016 wird Rich in Washington erschossen. Die Gerüchte um den Mord an dem ehemaligen Mitarbeiter der Demokratischen Partei sind für Fox News und andere die wichtigste Story der letzten Tage. Warum musste Rich sterben? Hat die Demokratin Hillary Clinton ihn töten lassen, weil er ihre E-Mail geleakt hat? Hatte Rich Kontakte zu Wikileaks?

Es gibt keinerlei Beweise für irgendeines dieser Gerüchte.

Genau das macht die Verschwörungswelt der rechten US-Medien aus: Geschehnisse werden aus dem Kontext gerissen und mit wilden Theorien zu Skandalen aufgebauscht.

Trump taucht in der rechten Verschwörungswelt nur auf, wenn er wieder Opfer mutmaßlicher Intrigen der Medienopposition wird. Die "New York Times", die "Washington Post" und selbst der oft unkritische Sender CNN sind das Feindbild von Fox News und Co.

"Sie sind einem Trump-Hass verfallen, der so intensiv ist, dass er ihr Urteilsvermögen, ja, sogar ihren Charakter verdorben hat", wirft ihnen der konservative Kommentator Tucker Carlson vor.

Der Russland-Skandal um den US-Präsidenten ist für ihn wie für die meisten Journalisten bei Fox ein Fall von Fake News.

Und deshalb macht am Dienstagabend ein Artikel über Seth Richs mögliche Verbindungen zu Wikileaks die Webseite von Fox News auf - und nicht etwa die große Enthüllung der "Washington Post", dass Trump extrem geheime Informationen mit den Russen geteilt hat.

Und das ist nur ein Beispiel.

Immer gleiche Muster des Verschleierns und Verdrängens

Die Desinformation in den rechten Medien hat System. Der "Buzzfeed"-Reporter Charlie Warzel hat es genauer untersucht und dabei drei Phasen des Verschleierns und Verdrängens ausgemacht: schweigen, beschuldigen, ablenken.

Die Schweigephase folgt demnach direkt nach der Veröffentlichung eines Berichts oder Artikels, in dem kritische Informationen über Trump enthalten sind. Die konservativen Medienseiten und -persönlichkeiten gehen meist nicht auf Trump-kritische Berichterstattung ein, schreibt Warzel.

Zunächst.

Die Phase der Anschuldigungen folgt laut Warzel schnell. Und zwar in drei Varianten:

Der Fake-News-Vorwurf: der Klassiker, den auch Donald Trump regelmäßig bringt. Alle liberalen Medienberichte sind demzufolge Lügen und Manipulation. Der Fox-Moderator Sean Hannity hat Fake-News-Vorwürfe zu seinem Geschäft gemacht.

Die Anti-Trump-Verschwörung: Die Medien und die Demokraten haben sich angeblich gegen den US-Präsidenten verbündet. Jegliche liberale Berichterstattung ist nach dieser Lesart nur eine Schmierkampagne. Ein Beispiel anhand von Radiomoderator Bill Mitchell: "Ich verspreche euch, Obama koordiniert das alles hier."

Die Anonyme-Quellen-Anschuldigung: Oft beziehen sich Journalisten der "Washington Post" oder der "New York Times" auf Informanten, deren Namen sie nicht preisgeben, etwa aus dem Weißen Haus. Das ist nicht unüblich - Journalisten müssen ihre Quellen schützen. Für konservative Medien und Trump-Fans ist es jedoch ein Grund, die entsprechenden Reporter in Misskredit zu bringen.

Die Ablenkungsphase folgt laut Warzel, wenn die Zweifel gesät sind. Die trumpophile Medien überziehen ihre Publikum mit einer Flut von eigenen Themen. Wie das funktioniert, war am Beispiel über die Berichterstattung zum Mord an Seth Rich in den vergangenen Tagen zu sehen.

Die Kunst besteht nun darin, auch die liberalen Medien dazu zu bringen, diese Themen, diese Ablenkungsmanöver, aufzugreifen
- und ihnen genau das dann vorzuwerfen.

So, wie es etwa der "InfoWars"-Redakteur Paul Joseph Watson im Fall des Enthüllungsartikels der "Washington Post" über Trumps Geheimnisverrat an den russischen Außenminister Lawrow tat: "Hat die Washington Post ihre Fake News über Russland nur veröffentlicht, um die Bomben-Nachricht zu Seth Rich zu übertönen?"

Die Emotionalisierung der Nachrichten

In ihrer Berichterstattung setzen die rechten und konservativen US-Medien konsequent auf Emotionen. Donald Trump wurde schließlich nicht gewählt, weil er stets ehrlich, zuverlässig und ethisch korrekt war. Er wurde gewählt, weil und obwohl er sich verlogen, vulgär und unmoralisch verhielt.

Er hat die Gesellschaft und auch die Medienlandschaft der USA tief gespalten.

Wer Trump liebt, hält ihn für den größten Präsidenten aller Zeiten - und bekommt das auch zu hören, zu sehen und zu lesen. Wer ihn hasst, wird ebenfalls Berichte serviert bekommen, die seine Meinung bestätigen.

In der Grauzone zwischen diesen Meinungsfronten findet der Medienkrieg um das vorzeitige Ende der Trump-Präsidentschaft statt.

Irgendwann werden sich die Fakten durchsetzen, werden die rechten Medien genau wie Trump selbst nicht mehr schweigen, anschuldigen und ablenken können. Vielleicht wird der US-Präsident dann abgesetzt, vielleicht siegt die Demokratie dann doch. Es wird ein Phyrrus-Sieg sein.

Die Wahrheit ist in den USA jetzt relativ.

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(sk)