"Nein. Nein. Nächste Frage!": Auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus verwickelt sich Trump in Widersprüche

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Eigentlich sollte es am Donnerstag bei der Pressekonferenz im Weißen Haus um das Treffen von Präsident Donald Trump mit dem kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos gehen. Doch die Journalisten interessierten sich für etwas ganz anderes: die Einsetzung des Sonderermittlers Robert Mueller (auch im Video oben).

Es war eine bemerkenswerte Pressekonferenz. Trump wirkte müde und gereizt – und verwickelte sich immer tiefer in Widersprüche. Nur Stunden nach dem Treffen mit den Journalisten liefen Berichte über Aussagen des stellvertretenden Justizminister Rod Rosenstein über die Agenturen, die zentralen Aussagen Trumps widersprachen.

Zuvor hatte das US-Justizministerium Mueller beauftragt, zu untersuchen, ob es zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland geheime Absprachen gab und ob Moskau Einfluss auf die Präsidentenwahl im November genommen hat.

Schon in seinem ersten Satz schaffte es Trump, einen Widerspruch einzubauen. "Ich respektiere den Schritt, aber die ganze Sache ist eine Hexenjagd“, sagte er über die Ernennung des Sonderermittlers.

Es gebe "null“ Zusammenarbeit zwischen ihm, seinem Wahlkampf-Team und den Russen. Damit gab er wider, was er bereits in einem Tweet geschrieben hatte. Trump kritisierte die Ermittlungen weiter: "Ich denke, es teilt das Land. Ich denke, wir haben ein sehr, sehr geteiltes Land, deshalb, und wegen vieler anderer Dinge.“

Seit Trump am 9. Mai den Chef des FBI James Comey entlassen hat, ist Washington in Aufruhr.

Auf die Frage, ob er Comey zuvor gebeten habe, die Ermittlungen gegen den Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen, antwortete er: "Nein. Nein. Nächste Frage.“

Die “New York Times” hatte diese Woche berichtet, dass Trump Comey gebeten habe, nicht weiter gegen Flynn wegen seiner Kontakte zur russischen Regierung zu ermitteln. Die Zeitung beruft sich auf ein Memo, das Comey zu einem Treffen mit Trump verfasst habe.

Ob er sich an Dinge erinnern könne, die er in den letzten sechs Monaten oder im letzten Jahr getan habe, von denen er heute denkt, dass sie eine Anklage oder ein Amtsenthebungsverfahren zur Folge haben könnten, fragte ein Reporter. "Total lächerlich, das denken alle", sagt Trump.

Er wiederholte seine Behauptung, dass er Comey aufgrund eines Schreibens des Justizministeriums entlassen habe. Es sei Comeys “sehr schwache Leistung” bei einer Anhörung des Kongresses gewesen, die den stellvertretenden Justizminister Rosenstein veranlasst habe, zu empfehlen, den FBI-Chef rauszuschmeißen.

"Er hatte diesen schwachen Auftritt an einem Mittwoch. Das war schwach, eine schwache Leistung“, sagt Trump. "So schwach in der Tat, dass ich glaube – und das müssten sie ihn selbst fragen, weil ich nicht gerne für andere Menschen spreche – aber ich denke, das ist der Grund, warum der stellvertretende Justizminister, diesen sehr, sehr starken Brief schrieb."

Trump sprach offenbar von einer Aussage Comeys vor einem Ausschuss am 3. Mai, der ein Mittwoch war. Dabei sollte es um den Umgang des FBI-Chefs mit der E-Mail-Affäre um die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gehen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters soll sich der FBI-Chef geweigert haben, Trump und dem Justizminister vor dem Treffen mitzuteilen, was er dem Ausschuss sagen wird. Mitarbeiter des Weißen Hauses gaben an, dies sei der Grund gewesen, warum Trump Comey entlassen habe.

Doch Trumps Behauptung, dass er Comey aufgrund eines Schreibens des Justizministeriums entlassen habe, wird zunehmend unglaubwürdig.

Drei demokratische Senatoren berichten, dass Trump sich bereits entschlossen hatte, Comey zu feuern, als Rosenstein diese Empfehlung noch gar nicht verfasst hatte. Die drei hatten am Donnerstag ein nicht öffentliches Briefing mit Rosenstein besucht.

Demnach habe Rosenstein gesagt, er habe zuerst von Trumps Entscheidung, Comey zu feuern, erfahren - und danach das Schreiben verfasst. So stellt es zumindest der demokratische Senator Dick Durbin dar.

Durbin hatte bereits am Mittwoch behauptet, Trump habe Rosenstein "reingelegt“. Er verdächtigt Trump, den stellvertretenden Justizminister beauftragt zu haben, dieses Schreiben zu verfassen – um damit den Rausschmiss von Comey zu rechtfertigen.

Hat Trump Rosenstein benutzt? Das würde auch erklären, warum sich der stellvertretende Justizminister nun gegen ihn wendet. Der Präsident scheint immer mehr Freunde in Washigton zu verlieren.

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(ks)