Warum es sich gerade jetzt lohnt, auf die junge Generation zu hören

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YOUNG PEOPLE PROTESTING
Warum es sich gerade jetzt lohnt, auf die junge Generation zu hören | serts via Getty Images
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  • Wir leben mit einer "Alten-Säcke-Politik", sagt der Generationenforscher Wolfgang Gründinger
  • Dass die Interessen der Jugend unterrepräsentiert sind, gefährde die Zukunft unseres Landes
  • Dabei lohne es sich für Parteien gerade jetzt, auf die Jugend zu hören

Wenn Parteien in den kommenden Wochen voll in den Wahlkampf einsteigen, sollten sie dabei einer Minderheit viel deutlicher zuhören: Der jungen Generation.

Das sagt zumindest Wolfgang Gründinger. Er ist Demokratie- und Generationenforscher und zeichnet in seinem Buch „Alte-Säcke-Politik“ das Bild eines Landes, in dem die Jugend nichts zu melden hat.

Und das deshalb vor enormen Problemen steht.

In Deutschland wird Politik für die Älteren gemacht

„In Deutschland wird Politik für die Älteren gemacht“, sagt Gründinger im Gespräch mit der HuffPost. "Wir sehen dabei zu, wie die Jugend zu einer politisch ohnmächtigen Minderheit geformt wird." Nicht, weil Politiker so böse wären, "sondern weil die Jungen zu wenige sind, um bedeutsam zu sein.“

Deutschland ist das zweitälteste Land der Erde. Der Altersdurchschnitt liegt bei 46,2 Jahren. Noch viel älter ist die Politik: Die Abgeordneten im Bundestag unter 30 lassen sich an einer Hand abzählen. Und ein Mitglied der CDU oder SPD ist im Schnitt 60.

An sich ist daran nichts Verwerfliches. „Problematisch wird es erst dann, wenn die Interessen von Minderheiten – in dem Fall der Jungen – untergehen“, sagt Gründinger.

brexit youth

Junge Menschen beim Pulse of Europe: Politik ja, Parteien nein

Der Brexit hat das im vergangenen Jahr deutlich gemacht. Selbst, wenn alle Briten unter 30 zur Wahl gegangen wären, hätten sie den EU-Austritt des Landes nicht verhindern können, hat kürzlich eine Studie herausgefunden. Dabei muss diese Generation am längsten mit den Folgen leben.

Und solche Entscheidungen gibt es auch in Deutschland.

„Es lohnt sich für die Parteien gerade jetzt, auf die Jugend zu hören“

Die Rente mit 63 ist so ein Beispiel – ein sündhaftes teures Wahlgeschenk der Großen Koalition an ihre Klientel, die alten Wähler – das die Jugend bezahlen muss. „Es ist nicht gerecht, wenn Politik eine Zukunft im Sinne der Älteren gestaltet, obwohl die jüngeren Generationen in diesem Land länger leben muss“, sagt Gründinger.

Auf die jungen Menschen im Land zu hören, hat für den Buchautor aber nicht nur etwas mit Gerechtigkeit zu tun. „Es lohnt sich für die Parteien gerade jetzt, auf die Jugend zu hören“, sagt er, „weil junge Menschen bei vielen Themen einfach fortschrittlicher und offen denken.“

Deutschland habe die Chance, dadurch liberaler, weltoffener und europäischer zu werden.

„Wenn die Politik nicht stärker auf die Jugend hört, geht es uns bald richtig schlecht“

Und wenn es die Wünsche der Jugend einfach ignoriert? „Dann geht es uns bald richtig schlecht.“

Als Beispiel nennt Gründinger die Bildung. Ein Thema, das alle Generationen ohne Zweifel bewegt. Bei den Landtagswahlen in NRW und Schleswig-Holstein war es einer wichtigsten Gründe für die Menschen, zur Wahl zu gehen.

Allerdings unterscheiden sich die Interessen der jüngeren und älteren Generation bei diesem Thema stark. „Die Politik diskutiert W-Lan- und Handyverbote an Schulen – das ist völlig weltfremd“, sagt Gründinger. Und gehe an den Interessen der Schüler vorbei.

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„Wenn man Schulen hingegen so gestalten würde, wie es Junge gerne hätten – nämlich mit mehr Informatik, mehr Wirtschaftsunterricht – dann wäre das auch gut für unser Land", sagt er.

Wer sich nicht in der Digitalisierung zurecht finde, könne kein mündiger Bürger sein. Wer sich mit Wirtschaft nicht auskennt, von dem könne man nicht verlangen, privat für seine Rente vorzusorgen.

Geht auf Festivals, in Jugendclubs und die Jugendvereine!

Im Klartext: Wenn es der Politik nicht gelingt, stärker auf die Jugend zu hören, geht davon Deutschland kaputt. Und auch die Parteien, die jetzt schon ein gewaltiges Nachwuchsproblem haben.

Junge Menschen sind zwar so politisch wie seit zwanzig Jahren nicht, wollen aber mit Parteien und Organisationen so wenig wie möglich zu tun haben, ergab die Shell-Jugendstudie aus dem vergangenen Jahr.

Gründinger empfiehlt deswegen Parteien: „Fragt Jugendliche, was sie interessiert und was sie wollen“, sagt er. „Geht in die Filterblasen rein, wo junge Menschen sind. Geht auf Festivals, in Jugendclubs und die Jugendvereine! Das müssen sich Parteien einfach mal trauen.“

Und auch für die jungen Generationen hat er einen Rat. „Die Jugend muss aktiv werden – und bunt, laut und radikal sein.“ Es brauche eine Ruck, da Deutschland auf einer Wohlfühlwelle surfe - und "sich in der Politik der ruhigen Raute sonnt".

Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace.

(jg)