Vor vier Jahren rannte sie halbnackt über die "GNTM"-Bühne - das macht Hellen Langhorst heute

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HELLEN LANGHORST FEMEN
Vor vier Jahren stürmt Hellen Langhorst die "GNTM"-Bühne | Thomas Lohnes / Freier Fotograf
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“Heidis Horror Picture Show” - mit diesem Spruch auf ihren nackten Brüsten und ihrem Bauch wurde Hellen Langhorst schlagartig bekannt - auch weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Denn vor vier Jahren stürmte die Aktivistin während der Finalshow der ProSieben-Castingshow “Germany’s Next Topmodel” die Bühne.

Hellen wollte mit ihrer freizügigen Aktion darauf aufmerksam machen, wie paradox es ist, Topmodel Heidi Klum als Coach und Vorbild für junge Mädchen im Fernsehen zu präsentieren.

Denn in der Show - so ihre Meinung - geht es hauptsächlich um leere Versprechungen und Demütigungen der Teilnehmerinnen. Und das vor laufender Kamera.

Das hat sich ihrer Ansicht nach auch in der aktuellen Staffel, die gerade ausgestrahlt wird, nicht gebessert. Im Interview mit dem Onlineportal "bento" warf Hellen ProSieben jetzt erneut vor, die jungen Mädchen auszubeuten.

"GNTM" war nicht ihr einziger großer Auftritt

"Ich frage mich oft, was es über unsere Gesellschaft aussagt, dass wir Heidi Klum im Fernsehen als Coach einsetzen und auf Frauen loslassen, um diese aus reinem Profit gefügig zu machen", sagte sie dem Portal.

Die Aktion auf "GNTM"-Bühne war nicht der einzige große Auftritt der heute 27-jährigen Hamburgerin.

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Um auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen in Katar, dem Gastgeberland der Fußball-WM 2022, aufmerksam zu machen, stürmte Hellen auch die ZDF-Talkshow von Markus Lanz.

Vor der iranischen Botschaft in Berlin demonstrierte sie gemeinsam mit anderen Aktivistinnen der Gruppe Femen, der sie angehört, als Rejhaneh Dschabbari in ihrem Heimatland Iran hingerichtet wird. Der Grund: Sie hat einen Mann, der sie vergewaltigen wollte, in Selbstverteidigung erstochen.

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Der nackte Oberkörper als Waffe

Hellen ist Teil einer weltweiten Bewegung. 2008 gründete sich die Femen-Aktivistinnen-Gruppe in der Ukraine. Ihr Ziel: das Patriarchat ab zu schaffen.

Als “Waffe” setzen die Frauen ihre nackten Oberkörper ein, auf die sie in schwarzen Buchstaben ihre Botschaften schreiben. Dabei sehen sie ihre Brüste allerdings nicht als sexualisiertes Objekt ein, sondern als Mittel zum Zweck, um Parolen zu verbreiten.

Mittlerweile ist Femen in zehn Ländern vertreten und hat weltweit etwa 300 Mitglieder. Hellen hat die Gruppe auch in Deutschland bekannt gemacht. Femen finanziert sich vor allem durch Spenden und den Verkauf von bedruckten T-Shirts.

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“Ich möchte Frauen unterstützen, zu sich selbst zu finden”

Heute macht Hellen eine Ausbildung zur Heilpraktikerin, dabei legt sie ihren Schwerpunkt auf Frauenheilkunde. Für Femen wolle sie dennoch weiter kämpfen, sagte sie "bento", den die Gruppe habe sie in den vergangenen Jahren stark geprägt.

“Wenn man sich ständig mit Patriarchalismus, Religion, Prostitution und Menschenhandel beschäftigt, denkt man früher oder später über seine eigene Stellung in der Gesellschaft nach", sagte sie dem Portal. "Mir ist bewusst geworden, wie wichtig es ist, mich selbst ernst zu nehmen."

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(lk)

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