Angekettet im Schweinestall: Zeugin Christel P. schildert ihr Martyrium im Horror-Haus von Höxter

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Angekettet im Schweinestall: Zeugin Christel P. schildert ihr Martyrium im Horror-Haus von Höxter | dpa
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Die Geschichte vom Horrorhaus von Höxter, wo das frühere Ehepaar Angelika und Wilfried W. mindestens zwei Frauen getötet haben soll, hat Deutschland erschüttert. Am Dienstag hat eine der wichtigsten Zeuginnen, vielleicht sogar die wichtigste überhaupt, im Prozess gegen die Angeklagten ausgesagt. Angelika und Wilfried W. müssen sich wegen Mordes vor Gericht in Paderborn verantworten.

Und was Christel P. vor Gericht erzählt, ist verstörend.

"Bauer sucht Frau"

Sie sei im Winter 2011 nach Höxter gekommen, nachdem Angelika und Wilfried W. sie mit dem Auto abgeholt hatten. Christel P. hatte auf eine Kontaktanzeige des Angeklagten geantwortet - wie die anderen Opfer des Paares, das sich als Geschwister ausgab.

"Bauer sucht Frau", stand in der Annonce.

Schon auf der Fahrt in das Haus hätte Christel P. etwas merkwürdig vorkommen können. Sie beschreibt den Wagen als "Hundefängerauto". Sie musste sich hinter die Gitter auf die Ladefläche setzen.

Müll, ungeheizt, voller Schimmel

Am Haus angekommen, zeigte ihr Wilfried die Ställe und anschließend die Schlafstätten im Wohnzimmer - Matratzen auf dem Boden. Auch Angelika, die vermeintliche Schwester des Mannes, schlief in diesem Raum, berichtet Christel P.

Das Haus sei vermüllt gewesen, ungeheizt, die Wände seien nass und voller Schimmel gewesen. Sie sei trotzdem geblieben, sagt Christel P. "Weil man aus dem Haus was machen könnte." Fragen nach einer Renovierung habe sie aber nicht gestellt.

Schon in der ersten Nacht hätten sie und Wilfried gekuschelt, dann seien sie sich auch sexuell näher gekommen. Gewalt habe Wilfried da allerdings nie ausgeübt, berichtet Christel P. In den ersten drei Wochen sei nichts passiert, nichts Auffälliges.

"Ich war verliebt in ihn"

"Ich konnte mir sogar mehr vorstellen: auch dauerhaft hier zu leben", sagt die Frau als Sachsen-Anhalt. Sie sei verliebt gewesen in Wilfried W.

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Der Angeklagte Wilfried W. im Gerichtssaal

Angelika W. habe sie am Anfang in Ruhe gelassen, obwohl sie eindeutig eifersüchtig gewesen sei und "herumgegiftet" habe.

Nach Silvester habe sich die Stimmung im Haus geändert. Aus heiterem Himmel habe Wilfried angefangen, sie zu schlagen - als sie auf der Couch saß. Von da an habe er die Angeklagte immer wieder geschlagen - ohne Anlass, grün und blau. Mit der Faust auf den Körper, mit der flachen Hand ins Gesicht.

Kahlgeschoren und angekettet

Sie habe gesagt, sie wolle nach Hause. "Du kannst gehen", habe Wilfried ihr gesagt. Doch möglich sei das nicht gewesen. "Aber ich konnte natürlich nicht zurück nach Hause, denn die beiden haben mir meinen Pass, meine Schlüssel und meine EC-Karte abgenommen." Zudem waren alle Türen verschlossen.

Doch das war nicht alles, was Christel P. erleben musste. Einmal habe Wilfried sie gewürgt - bis sie fast bewusstlos war. Dann habe sie Angelika mit dem Pfefferspray malträtiert. Die Angeklagte habe ihr dann auch die Haare geschoren und sie einige Male im Schweinestall angekettet.

"Er war ein Monster"

Barfuß musste sie dort im Mist stehen, berichtet Christel P. Nachts durfte sie nicht auf die Toilette gehen - es sei ihr nur das Katzenklo geblieben.

"Er war ein Monster", sagt Christel P. Im Ziegenstall habe Wilfried W. ihr einen Schlag mit einer Schaufel ins Gesicht verpasst. "Ich drehte mich um, und da sah ich, wie er zuschlug. Davon habe ich noch heute Albträume, von dem Schlag und von seinem Lachen nach dem Schlag."

Jahrelang schwieg Christel P.

Noch am selben Tag brachten die Angeklagten Christel P. zum Bahnhof und setzten sie in einen Zug nach Magdeburg. Zuvor ließen die beiden ihr Opfer einen Zettel unterschreiben. Darin gestand sie, dass sie sich die Verletzungen selbst zugefügt habe.

"Wieder zu Hause habe ich vor lauter Angst auf einer Matratze vor der Tür geschlafen und ich habe einen Schrank vor die Tür gestellt", sagt Christel P. aus. "Angelika hatte mir gedroht, niemandem etwas zu erzählen, sonst würden sie mich töten."

2016 erfuhr sie dann aus den Nachrichten vom Horrorhaus in Höxter. "Da bin ich zusammengebrochen." Keinen der beiden Angeklagten wollte die Zeugin als treibende Kraft bezeichnen: "Es waren beide zu gleichen Teilen."

Mehr zum Thema: Höxter: Wilfried W. soll seine Folter-Opfer mit Handys gefilmt haben

Mit Material der dpa.

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(pb)

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