Was Erdogan mit seinem Besuch bei Donald Trump erreichen will – und warum er scheitern muss

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ERDOGAN TRUMP
Erdogan wird das Weiße Haus mit leeren Händen verlassen – wenn Trump keinen Riesenfehler macht | Anadolu Agency via Getty Images
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Wenige Tage vor der ersten Auslandsreise von Donald Trump in den Nahen Osten empfängt US-Präsident Donald Trump seinen türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan.

Glaubt man vielen Medienberichten der vergangenen Monate treffen sich in Washington zwei Brüder im Geiste. Doch das ist mitnichten so.

Die Wahrheit ist: Viel haben die beiden Präsidenten, abgesehen von ihrer Wut auf die Medien, nicht gemeinsam. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass beim Treffen der beiden Staatsmänner keine große Einigkeit zu erwarten ist.

Der "Spiegel" glaubt gar an einen "Eklat mit Ansage".

► Denn die Fronten zwischen der USA und der Türkei sind verhärtet. In Syrien bewaffnen die USA die Kurden der YPG-Miliz, die Ankara als Terroristen bezeichnet und vehement bekämpft.

Erdogan hatte gehofft, mit Trump werde sich die US-Syrienpolitik ändern. Doch der US-Präsident "geht zur Außenpolitik Barack Obamas zurück“, analysiert Politologe Thomas Jäger, Außenpolitik-Experte an der Universität zu Köln.

Heißt: Trump bewaffnet weiter die Kurden, schon unter Obama waren sie die wichtigsten Verbündeten der USA gegen den IS.

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Jäger sagte der HuffPost: "Trump und sein Kabinett haben versucht, die Türkei dahingehend zu beruhigen, dass die Kurden die Waffen nur so lange bekommen, bis Rakka eingenommen ist.“

"Trump hat keine Türkei-Strategie"

Auf die Stadt in Syrien, die als IS-Hochburg gilt, hat es auch die Türkei abgesehen. Sie will nicht, dass kurdische Kämpfer Rakka befreien - und arbeitet mit islamistischen Milizen an der Eroberung.

Trump will vor allem den IS besiegen, das hat er ein ums andere Mal versprochen. Mit wem, ist ihm wohl zweitrangig. "Die Türkei-Politik ist nebensächlich angesichts des Wunsches, den Kampf gegen den IS rasch voranzutreiben", sagte Aaron Stein vom US-Thinktank Atlantic Council.

"Für mich sieht es so aus, als ob Trump überhaupt keine Türkei-Strategie hat. Die entscheidenden Akteure in der Regierung stehen nicht aufseiten der Türkei. Es interessiert sie nicht. Sie haben andere Prioritäten“, erklärte der Experte.

Das Versprechen, die YPG-Kämpfer wieder zu entwaffnen, sobald Rakka eingenommen ist, betrachtet Politologe Jäger als wenig glaubwürdig. "Wie die USA das machen wollen, ist mir schleierhaft“, sagte er der HuffPost.

Trotz allem kann Erdogan auf Verhandlungserfolge hoffen

Dennoch könnte es zu einer kleinen Annäherung kommen, glaubt Sinan Ülgen vom Thinktank Carnegie Endowment for International Peace.

Dem US-Magazin "Foreign Policy“ sagte Ülgen, Trump könnte Ankara eine bessere Geheimdienst-Zusammenarbeit anbieten – auch für den Kampf der Türkei gegen die kurdische PKK.

► Möglich scheint gar, dass Erdogan seine Bemühungen um Rakka aufgibt und im Gegenzug vom Weißen Haus einen Blankoscheck dafür bekommt, die kurdische Sindschar-Region im Norden des Iraks zu bombardieren.

► Und dann wäre da noch ein anderes Thema, das seit Monaten die Beziehungen der beiden Länder belastet. Erdogan will, dass die USA den islamistischen Prediger Fethullah Gülen ausliefert.

Liefert Trump Gülen aus?

Der türkische Präsident beschuldigt Gülen, hinter dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 in der Türkei zu stecken. Gülen, der seit 1999 im selbstgewählten Asyl in den USA lebt, hält den Putschversuch für von Erdogan vorgetäuscht, im Regierungskritiker mundtot zu machen.

Erdogan wird darauf pochen, dass Trump Gülen ausliefert. Gibt der US-Präsident dem nach, verliert er ein wichtiges Verhandlungsinstrument für zukünftige Gespräche mit der türkischen Führung.

Diplomatisch wäre die Auslieferung wohl ein Riesenfehler. Doch der US-Präsident ist unberechenbar, wie sich zuletzt beim russischen Besuch in Washington erneut gezeigt hat.

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