Diese Social-Media-Seiten nutzt heute niemand mehr

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Wenn Internetnutzer aus den USA oder Europa an die Sozialen Medien denken, dann springen sie in Gedanken meist direkt zu Twitter, Facebook, Instagram oder Snapchat. Dabei gibt es so viel mehr Plattformen, über die User in Kontakt treten. Tencent QQ, Qzone und WeChat zum Beispiel, die alle von Tencent ins Leben gerufen wurden, zu den größten Plattformen in China zählen und allesamt zwischen 638 Millionen und 889 Millionen aktive User haben sollen. Dann gibt es aber auch jene Seiten, die für eine gewisse Zeit durchaus groß waren, die heute aber von praktisch niemandem mehr genutzt werden. Die Verlierer im Kampf um den User:

Wer nutzt schon MySpace?

"So machst du Fotos mit Klickfaktor!" verhilft jedem Social-Media-User zu guten Aufnahmen

Keiner, wie es scheint. Zwar gibt es das Social Network noch immer, doch vom ehemaligen Vorreiter- und Platzhirsch-Status ist schon lange nichts mehr übrig. Im Sommer 2003 erstmals auf den Markt gebracht, wurde MySpace sogar so populär, dass die Plattform 2006 zur meistbesuchten Website der USA wurde - vor Google. Laut Alexa Internet, einem Online-Dienst zum Auswerten von Internetabrufen, bringt es MySpace mittlerweile aber nur noch auf Rang 1,603 der meistbesuchten Websites in Amerika. Im weltweiten Vergleich reicht es sogar nur für Platz 3,426.

Trotz mehrmaliger Umstrukturierung wanderten immer mehr User ab. Im Januar 2015 soll MySpace noch 50 Millionen monatliche Nutzer gehabt haben - und diese Zahl dürfte vermutlich weiter gesunken sein. Kein Vergleich zum heutigen Marktführer Facebook, der nach eigenen Angaben von monatlich 1,94 Milliarden aktiven Nutzern spricht.

Ein großer Name hilft nicht immer

Erstmals 2015 eingeführt, gab es kurzzeitig einen mächtigen Hype um Google+, das hauseigene Social Network des Internetriesen. Jeder sprach eine Zeit lang von der Plattform, die heute aber bei vielen Usern komplett in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Im Gegensatz zu Orkut, einem ebenfalls von Google etablierten Netzwerk, das Ende 2014 geschlossen wurde, gibt es Google+ allerdings noch immer.

Google+ mit einer riesigen postapokalyptischen Geisterstadt zu vergleichen scheint seltsam angebracht. "Forbes" berichtete im April 2015 von einer Studie, in der über 500.000 zufällig ausgewählte Profile analysiert und auf die zu diesem Zeitpunkt 2,2 Milliarden Google-Nutzer hochgerechnet wurden. Rund 90 Prozent der Profile hatten keinen einzigen öffentlichen Post. Von 111 Millionen "aktiven Profilen" bei Google+ hätten nur 6,7 Millionen Nutzer überhaupt über 50 Einträge veröffentlicht und nur 3,5 Millionen Nutzer hatten im vorangegangenen Monat über 50 Posts.

Selbst Apple hatte sich an einem Sozialen Netzwerk versucht, das aber bereits seit einiger Zeit nicht mehr existiert. Nur knapp zwei Jahre gab es zwischen 2010 und 2012 iTunes Ping, das unter anderem Menschen mit ähnlichem Musikgeschmack zusammenbringen sollte. Für 160 Millionen iTunes-Nutzer in 23 Ländern als Teil von iTunes 10 gestartet, war im September 2012 Schluss. "Wir haben es mit Ping versucht, und ich denke, die Nutzer haben abgestimmt und gesagt: 'Es lohnt sich nicht, hier viel Energie reinzustecken'", habe Apple-Chef Tim Cook auf dem Branchenkongress D10 laut dem IT-Nachrichtenportal "golem.de" damals erklärt.

Eine Erfolgsgeschichte muss kein gutes Ende nehmen

StudiVZ, MeinVZ, SchülerVZ: Es gab eine Zeit in Deutschland, da kam kein Konkurrent an die VZ-Netzwerke heran. 2010 sollen zusammengerechnet rund 16 Millionen Nutzer aktiv gewesen sein, Facebook brachte es zu diesem Moment nur auf 11 Millionen deutsche User. Heute "gruschelt" allerdings kaum noch wer.

SchülerVZ gibt es seit 2013 nicht mehr, "similarweb.com" zählte für den April 2017 für StudiVZ gerade noch rund 146.000 Besuche und MeinVZ brachte es laut der Website nur noch auf rund 39.000 Visits. Betreiber Poolworks spricht auf seinem Blog jedoch von rund 1,2 Millionen Besuchen im Monat, was im Vergleich aber immer noch verschwindend gering wäre. Kämpferisch gab sich das VZ-Team zumindest vor knapp drei Jahren: "Hier möchten wir Euch mit auf eine Reise in die Zukunft nehmen. Auch wenn es anders lautende Gerüchte geben mag: Wir sind da! Bleiben! Und gehen wieder in eine neue Runde", hieß es im März 2014.

Diese Zukunft, von der hier die Rede ist, blieb anderen deutschen Plattformen bereits verwehrt. Das seit 2009 zu RTL gehörende Netzwerk werkenntwen wuchs zeitweise auf über 9,6 Millionen Nutzer, wurde im Sommer 2014 aber abgeschaltet. Zwei Jahre zuvor wurde das Portal noch als "Website des Jahres" im Bereich Soziale Netzwerke ausgezeichnet. Und auch die Lokalisten gibt es seit September 2016 nicht mehr. Waren zwischen 2009 und 2010 laut "heise.de" noch rund zwei Millionen Menschen monatlich aktiv, brachen die Userzahlen bald ein. 2014 sollen es im Schnitt nur noch 200.000 Nutzer pro Monat gewesen sein.

Die Erfolgsgeschichte von Facebook ist also kein Garant dafür, dass das Soziale Netzwerk in Zukunft nicht auch in Schwierigkeiten kommen könnte. Wer weiß schon, wie die Social-Media-Landschaft in zehn oder zwanzig Jahren aussehen wird...

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