Ein Bild zeigt das ganz Versagen des Staates bei der Unterstützung von Familien

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In Leipzig stehen Eltern für einen Kita-Platz an | DPA
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Ein Bild fasst das Versagen des Staates bei der Kinderbetreuung perfekt zusammen.

Am vergangenen Samstag zog sich eine lange Schlange von Menschen durch Leipzig. Sie warteten nicht auf das neue iPhone oder Karten für die Premiere des nächsten "Star Wars"-Films, sondern ... für Kita-Plätze.

Die Kindertagesstätte "Tillj" in Leipzig hatte nur 120 Plätze zu vergeben. Doch 450 Menschen standen Schlange, um den Antrag für einen der begehrten Plätze in der noch in Bau befindlichen Kita zu stellen.

Wegen steigender Geburtenzahlen und zahlreicher Zuzüge haben es Eltern in Leipzig nicht leicht, für ihren Sprössling einen Kita-Platz zu bekommen.

Nicht nur in Leipzig fehlt es an Betreuungsplätzen. In ganz Deutschland fehlen 293.486 Kita-Plätze für Kinder bis drei Jahren. Das berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.

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In Leipzig hofften 450 Menschen auf einen Kita-Platz - nur 120 waren zu vergeben

Demnach fehlen in Westdeutschland 262.436 Plätze, in Ostdeutschland 31.050 Plätze.

Besonders groß ist der Mangel an Betreuungsplätzen in Nordrhein-Westfalen, dort liegt die Betreuungslücke bei 16,2 Prozent (77.459 Plätze), in Bremen sogar bei 20,2 Prozent (3763 Plätze). In Rheinland-Pfalz und Bayern ist die Quote ähnlich hoch, hier fehlen 16.704 bzw. 52.131 Plätze.

Dr. Wido Geis, Ökonom am Institut der deutschen Wirtschaft Köln, sagte gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Frühkindliche Betreuung wird nicht mehr so negativ gesehen. Immer mehr Frauen wollen immer früher zurück in den Job, deshalb sind Familien früher auf Betreuung angewiesen.“

Nach seinen Berechnungen wird der Bedarf an Kita-Plätzen weiter steigen. "Deutschland braucht es mehr als eine Million Plätze – im letzten Jahr lagen wir gerade mal bei 720.000 Plätzen“, sagte Geis.

Kein Wunder, dass die Betreiber der Kindertagesstätte "Tillj" überrannt wurden. "Das habe ich noch nicht erlebt", sagte Julia Schütze von der Johanniter-Unfall-Hilfe, die Träger der geplanten Kreativkindertagesstätte ist.

Die Einrichtung für 45 Krippenkinder und 120 Kindergartenkinder soll im August öffnen.

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(ll)

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